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Beziehung(s)weise: Mitreißende Eigenproduktion der Heringer Theater-AG

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Weißt du’s schon: Nach langer Trennung voneinander gestehen sich Marie (Theresa Rimbach) und Jan (Christian Schiel) ihre Liebe. Fotos: Pia Schleichert

Heringen. Der Alltag hat das sinnliche Knistern zwischen Isabella und Paul von der Bühne gefegt. Was bleibt, ist Pauls Ächzen beim Windelwechsel seines Sprösslings. Harte Kontraste und starke Bühnenbilder zeigte am Freitagabend die Theater-AG der Werratalschule in der Uraufführung ihrer Eigenproduktion „Beziehung(s)weise“.

Das Stück des Heringer Ensembles erzählt eine Geschichte von, über und für Jugendliche. Auch einige junge Pärchen sind in die Aula der Werratalschule gekommen, um das Wachsen zweier Teenagerbeziehungen, zweier „Triebe der Liebe“, mitzuerleben. Vier Jahreszeiten auf der Brücke über dem Fluss des Lebens, vier Stationen der Beziehungen, vier saisonale Blüten- und Blattwerke auf dem Haupt von Anna I. die „DasSein“ spielt - das Theaterstück setzt auf ständige Verwandlung.

Die Wechselhaftigkeit der Natur in „Beziehung(s)weise“ versinnbildlicht das Wechselbad der Gefühle, in das die Beziehungs-Grünschnäbel zum ersten Mal eintauchen: „Ich liebe dich“, sagt Isabella, dargestellt von Madeline Schneider, mit sanfter Stimme zu ihrem Paul (Jonas Nieding), während Marie (Theresa Rimbach) in Sehnsucht nach Jan (Christian Schiel) melancholisch „Er liebt mich, er liebt mich nicht“ vor sich her murmelt. Am Rande des Zweisamkeitsgeschehens schläft ein einsamer Alkoholiker auf einer Parkbank seinen Rausch aus.

Ohne die Schwere von Schiller und Co. bietet „Beziehung(s)weise“ beschwingte, fassbare Unterhaltung, die nicht nur an der Oberfläche kratzt: Der Wechsel von Freud und Leid, von Lyrik und Jugendsprache sorgte für den nötigen Tiefgang. In völliger Eigenregie hat die Theater-AG unter Leitung der Lehrerinnen Marlies Knoth und Franziska Richter Tanz, Livemusik, Gesang und Schauspiel unter einen Hut gebracht. Das Ergebnis? „Erleichternd“, seufzt Niclas Schneider, der mit 10 Jahren jüngste Schauspieler der 18-köpfigen Truppe, nach der Aufführung. Dass auch das Publikum zufrieden ist, offenbart sich schon während des Stücks in einigen spontanen Beifallsbekundungen. Insbesondere die Tanzeinlagen von Franziska Richter und Anna Sening, mal im Schmetterlingskostüm, mal im Dirndl, ernten Applaus. Dass ihre Schülerinnen und Schüler den Kraftakt des eigenen Stückes stemmten, macht Schulleiterin Barbara Kolb besonders stolz: „Das Experiment ist gelungen“, befindet sie. Selbstverständlich ist das für die Schüler und Schülerinnen der Theater-AG keinesfalls: „Es gab Hochs und Tiefs“, berichtet Anna I. Doch wie im Stück selbst hat die Fahrt in der Stimmungs-Achterbahn noch ein gutes Ende genommen.

Von Pia Schleichert

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