Technisches Rathaus in Rotenburg-Braach kommt

Zweckverband Alheimer stand kurzzeitig vor dem Aus

Standort für das Technische Rathaus: Der Anbau soll für 312 000 Euro bei den Stadtwerken in Braach entstehen.

Rotenburg/Alheim. Überraschung beim Verwaltungszweckververband Alheimer: Vorstandschef Christian Grunwald hatte beantragt, das wichtige gemeinsame Baumanagement aufzulösen. 

Das gemeinsame Baumanagement der Stadt Rotenburg und der Gemeinde Alheim arbeitet nicht effektiv, die Unzufriedenheit unter den Mitarbeitern wächst. Das machte Vorstandschef Christian Grunwald, Bürgermeister von Rotenburg, in der Verbandsversammlung deutlich. 

Er beantragte, diesen wichtigen Bereich der interkommunalen Zusammenarbeit beider Kommunen aufzulösen. Die Mitglieder lehnten das ab.

Mit dem VZA wachsen die Verwaltungen von Rotenburg und Alheim seit 2014 in einem kreisweit einzigartigen Maße zusammen. Dafür gab es Zuschüsse vom Land Hessen, für die Zusammenlegung der Bauämter wurden 50 000 Euro gezahlt, die bei einer Auflösung zurückerstattet werden müssen. 

Ziel des Zweckverbands ist es, Kosten zu sparen, ohne die Dienstleistungen für die Bürger einzuschränken.

Das klappt im Fall des Baumanagements nicht, so Grunwald. Problematisch sei etwa, dass die Beschäftigten nicht an einem Standort zusammenarbeiten. Zudem seien die unterschiedlichen Strukturen innerhalb der beiden Rathäuser hinderlich. Grunwald knüpfte die Zukunft des Baumanagements an den Bau eines Technischen Rathauses im Rotenburger Stadtteil Braach – dort würde das Baumanagement als eigene Verwaltung und Dienstleister für Rotenburg und Alheim arbeiten. Auch Georg Lüdtke, Bürgermeister von Alheim, warb dafür. Vor allem in der Alheimer Gemeindevertretung gibt es aber Bedenken, dass mit dem Umzug die Kompetenz vor Ort verloren geht.

VZA-Vorstand Aribert Kirch (FDP) trat aufgrund der Entscheidung zurück. Die Mehrheit der Mitglieder der Verbandsversammlung hatte gegen die Auflösung und für das Technische Rathaus gestimmt – mit der Maßgabe, dass Zuständigkeiten und Strukturen im Baumanagement eindeutig geklärt werden. 

Eigentlich sollte über den Bau des Technischen Rathauses entschieden werden, das als Anbau an die Gebäude der Stadtwerke im Rotenburger Stadtteil Braach entstehen soll. Der Vorstand des Zweckverbands legte den Mitgliedern der Verbandsversammlung im Heinebacher Haus der Generationen aber einen neuen Tagespunkt vor: Ein Beschlussvorschlag über die Rückabwicklung – also Auflösung – der wichtigsten Säule der interkommunalen Zusammenarbeit von Stadt und Gemeinde. 

Vor allem den Alheimer Versammlungsmitgliedern ging das zu schnell: So eine weitreichende Entscheidung noch am Abend zu entscheiden, „da fühle ich mich, ehrlich gesagt, überfordert“, sagte Astrid Storch von der FDP. Sie habe zudem aus der bisherigen Darstellung den Eindruck gehabt, dass das Baumanagement gut funktioniere.

 Grund für die Dringlichkeit aus Sicht des Vorstandschefs: Die derzeitigen Strukturen hätten unmittelbare und deutlich negative Folgen auf Arbeitszufriedenheit und Motivation der Mitarbeiter. „Das nehmen wir als Arbeitgeber ernst“, so Grunwald. Das gemeinsame Bauamt hat 15 Mitarbeiter – zwei im Alheimer, der Rest im Rotenburger Rathaus. Grunwald warb nachdrücklich dafür, die Kräfte in einem Technischen Rathaus zu bündeln. 

„Wenn wir das heute beschließen, ist das der Anfang vom Ende“, sagte der Rotenburger Stadtverordnete Jens Schönewolf (SPD) über die Auflösung des Baumanagements. Dann werde als nächstes der Zweckverband an sich in Frage gestellt. Der Eindruck, der daher in der Versammlung entstand: Wer Nein zur Auflösung des Baumanagements sagt, stimmt automatisch mit Ja zum Technischen Rathaus. Der Neubau ist im VZA umstritten.

 „Es haben noch nicht alle verinnerlicht, dass in Braach eine eigene Verwaltung entstehen soll“, legte Udo Aschenbrenner von der Alheimer SPD den Finger in eine seit Monaten schwärende Wunde. Besonders in Alheim sind die Befürchtungen groß, dass in der Gemeinde das Fachwissen vor Ort verloren geht (wir berichteten) und das Baumanagement zum verlängerten Arm der Rotenburger Verwaltung wird – das große Rotenburg also quasi das kleine Alheim schluckt. 

Vorstandsmitglied Aribert Kirch (FDP), Vertreter von Bürgermeister Georg Lüdtke (SPD): „Ich kann die Entscheidung der Verbandsversammlung nicht mittragen. Sie mag vielleicht noch gut für den Zweckverband sein – für Alheim ist sie es sicher nicht.“

 „Keiner schluckt den anderen“, so Christian Grunwald. Die finanziellen Vorteile für Alheim lägen klar auf der Hand – ein Scheitern des Baumanagements habe nur Nachteile. Derzeit gebe es jedoch keine Synergieeffekte durch die Zusammenarbeit. Ziel des Zweckverbandes sei das Wachstum, ergänzte Georg Lüdtke. Dafür müsse die Organisation gestrafft werden und das Baumanagement mehr Schlagkraft entwickeln. Zumal sich Alheim eine Auflösung derzeit nicht leisten kann.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Rotenburg (an der Fulda)
Kommentare zu diesem Artikel