Umweltministerium entwickelt neue Strategien

Land Hessen investiert in Schutz vor Wolf - und erntet viel Kritik

Ein Wolf auf einer Waldlichtung im Wildpark Knüll dreht den Kopf nach rechts.
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Der Wolf kehrt zurück nach Hessen.

Das Hessische Umweltministerium entwickelt derzeit neue Strategien beim Thema Wolf. Eine Million Euro zusätzlich für den Schutz vor Wölfen sollen die hessischen Schaf- und Ziegenhalter jährlich bekommen.

Wetzlar/Nordhessen – Diese Zusage hat Umweltministerin Priska Hinz am Freitag bei einem gemeinsamen Treffen mit Vertretern von Verbänden aus Weidtierhaltung, Jagd und Naturschutz gegeben. Bei dem Treffen wurde der Entwurf eines neuen Wolfsmanagementplans für Hessen erläutert.

Trotzdem beklagen Weidetierhalter in Pressemitteilungen und gegenüber unserer Zeitung, dass ein Konsens in der Wolfsfrage nicht in Sicht sei. Dabei beziehen sie sich unter anderem auf die Aussage von Gerd Trautmann aus der Abteilung Landwirtschaft des Ministeriums, ein vollumfänglicher Grundschutz aller Weidetierarten (also neben Ziegen und Schafen etwa auch Rinder und Gehegewild) in Hessen koste einen hohen zweistelligen Millionenbereich jährlich.

Schafhalter: Auch Rinder sind Beute

Auf Nachfrage unserer Zeitung sagt das Umweltministerium dazu: Schafe und Ziegen entsprächen am ehesten dem natürlichen Beutespektrum des Wolfes, Rinder seien deutlich seltener von Übergriffen betroffen. Alle Rinderweiden mit entsprechenden Schutzzäunen auszustatten sei „weder sinnvoll noch angestrebt“. Schafhalter verweisen hingegen darauf, dass etwa in Brandenburg auch Rinder vermehrt zur Beute von Wölfen würden.

„Bei der Veranstaltung wurde weder etwas gemeinsam entwickelt, wie es angekündigt war, noch wurden auch nur ansatzweise Lösungen für den Schutz von Weidetieren aufgezeigt“, kritisiert Frieder Beyer, Sprecher der AG Herdenschutz beim Bundesberufsschäferverband, der Schafe bei Friedewald hat. „Gut funktioniert hat nur die Pressemitteilung des Umweltministeriums, die schon vor Ende der Veranstaltung im Internet stand.“

Die Erhöhung der finanziellen Hilfe des Landes bezeichnet der Vorsitzende des Hessischen Schafhalterverbands, Reinhard Heintz, in einer Pressemitteilung zwar als begrüßenswert – Pressesprecher Burkhard Ernst aus Witzenhausen fügt aber hinzu: „Wir erwarten, dass wir bei den für September angekündigten Arbeitsgruppen mit dem Ministerium ergebnisoffen diskutieren können.“ Erst nach diesen Treffen soll die Neufassung des Managementplans verkündet werden.

Ministerium: Schafe und Ziegen mit Elektrozaun schützen

Bezüglich der in einer Pressemitteilung vom Ministerium verkündeten Ziele ist noch vieles offen – das wird nach einer Anfrage unserer Zeitung deutlich. So ist es laut dem Ministerium erstrebenswert, dass wirklich alle Schafe und Ziegen mit dem Grundschutz, also 90 Zentimeter hohen Elektrozäunen, geschützt werden. Der Hessische Schafhalterverband hatte wiederholt darauf hingewiesen, dass die finanzielle Unterstützung des Landes Schäfern mit besonders großen Herden nur teilweise und Hobbyschäfern mit besonders wenigen Schafen überhaupt nicht zu Gute kommt.

Wie genau die Förderung künftig gestaltet werden soll, solle bei den weiteren Treffen im September besprochen werden. Gleiches gilt für die Frage, ob und wie der erhöhte Zeitaufwand für die aufwendigere Zäunung finanziell erstatt werden kann.

Gegen das Abschießen „verhaltensauffälliger“ Wölfe

Der Landesjagdverband (LJV) kritisiert in einer Pressemitteilung, die Pläne des Umweltministeriums würden beträchtliche Kosten für die Steuerzahler bedeuten. Außerdem weigere sich Ministerin Hinz beharrlich, eine klare Gesetzes- oder Verordnungsgrundlage zur Entnahme (also dem Abschuss) „verhaltensauffälliger Wölfe“ zu schaffen – obwohl das im Dezember 2019 geänderte Bundesnaturschutzgesetz das zulasse. „Der LJV hat über die Veranstaltung nur zufällig erfahren. Erst auf massiven Druck erhielt der Verband eine Einladung“, so LJV-Geschäftsführer Alexander Michel.

Auch Vertreter von FDP und SPD kritisieren, dass die Opposition in die Pläne des Umweltministeriums nicht eingebunden würde. Der Naturschutzbund Nabu begrüßte „den gestarteten Dialog“. Es sei wichtig, die Weidetierhalter nicht nur finanziell besser zu unterstützen, sondern auch die Vor-Ort-Beratung auszubauen. (Christopher Ziermann)

Ziele des Hessischen Wolfsmanagementplans

  • Hauptamtliche Ansprechpartner für Weidetierhalter in allen hessischen Forstämtern. Deren Aufgabe soll auch die Pflege von Naturschutzgebieten sein.
  • Einrichtung eines Wolfszentrums unter dem Dach des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) als zentraler Ansprechpartner zum Thema Wolf in Hessen.
  • Schnellere Entschädigung bei Rissen von Nutztieren.
  • Entscheidungen über Abschüsse seien Einzelfallentscheidungen, so das Ministerium auf Nachfrage. „Dabei werden unter anderem das individuelle Verhalten, die Umstände von Übergriffen, die Seltenheit der Art in Hessen und zuvor ergriffene Maßnahmen berücksichtigt werden müssen.“ Abschüsse seien bundesgesetzlich geregelt. Man bemühe sich mit anderen Bundesländern um eine einheitliche Regelung und werde den Managementplan gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt ergänzen.

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