Montagsinterview zu Konsolidierung und Perspektiven der Wissens- und Erlebniswelt 

Wortreich-Geschäftsführer Frank Effenberger: „Wir müssen bekannter werden“

Neuer Schwung fürs „wortreich“: Geschäftsführer Frank Effenberger will die Wissens- und Erlebniswelt nach erfolgter Konsolidierung bekannter machen und in der Stadt Bad Hersfeld fest verankern. Unser Foto zeigt ihn beim „Wörterball“. Foto: Schaffner

Bad Hersfeld. Im Interview mit unserer Zeitung spricht der Geschäftsführer der Bad Hersfelder Wissens- und Erlebniswelt „wortreich“, Frank Effenberger, über Fehler der Vergangenheit, Konsolidierung und Perspektiven.

Nach dem Wirbel um die Trennung von Geschäftsführerin Karina Gutzeit ist in der Bad Hersfelder Wissens- und Erlebniswelt „wortreich“ wieder Ruhe eingekehrt: Frank Effenberger hat neben seinen Aufgaben als Bibliothekschef und Leiter des Fachbereichs Informations- und Organisationsmanagement vor einem halben Jahr auch die Geschäftsführung der Ausstellung am Schilde-Platz übernommen. Im Interview mit unserer Zeitung sprach er über Fehler der Vergangenheit, Konsolidierung und Perspektiven.

Herr Effenberger, zum Start des „wortreich“ 2011 waren jährlich 100 000 Besucher prognostiziert. Wo sind wir denn im vergangenen Jahr nun wirklich gelandet?

Frank Effenberger: Über 25 000.

Das hat ja auch etwas mit dem durch Ihre Vorgängerin modifizierten Konzept zu tun, das verstärkt auf Seminare, Tagungen und Firmenveranstaltungen gesetzt hat. Was haben Sie jetzt verändert?

Effenberger: Ich bin ja mittlerweile Geschäftsführer Nummer 7, und die Ansätze für Veränderungen hat es auch schon vor Frau Gutzeit gegeben. Sagen wir mal so: Der Traum vom „wortreich“ ist im wahren Leben angekommen. Der Fehler war ja nicht das Konzept an sich, sondern dass die Erwartungen, die durch die Leute geweckt wurden, die das Konzept verkauft haben, viel zu hoch waren. Es war nämlich gar nicht so schlecht, was von meinen sechs Vorgängern gemacht wurde. Aber die Erwartungshaltung hat eben nicht gestimmt. 100 000 Besucher haben bei uns die Festspiele mit ihrer über 60-jährigen Tradition, in manchen Jahren auch nur 70 000. Aber hier im „wortreich“? So etwas aus dem Boden zu stampfen und dann mit 100 000 Gästen zu kalkulieren. Das mag in Hamburg funktionieren, aber hier in Nordhessen nicht.

Hat sich die Stadt da aufs falsche Pferd setzen lassen?

Effenberger: Sie hat sich vielleicht zu sehr von der Euphorie anstecken lassen.

Restrukturierung und Konsolidierung waren mit personellem Aderlass verbunden, zuletzt war die Personaldecke aber eher zu dünn. Wo stehen wir heute?

Effenberger: Wir haben zurzeit fünf Vollzeitkräfte, die das Kerngeschäft betreiben, plus sechs bis acht Leute, die stundenweise kommen und die Ausstellung betreuen.

Reicht das aus?

Effenberger: Es hat sich im letzten Jahr gezeigt, dass der Stamm zu gering ist. Darauf haben wir reagiert und die Öffnungszeiten eingeschränkt. Wir haben jetzt montags geschlossen wie andere Museen auch. Der Montag ist im Verhältnis wenig angefragt worden. Wir konzentrieren uns lieber auf die besucherstarken Zeiten, das ist Kerngeschäft.

Wenn man von Erlebniswelten mit Bildungsanspruch spricht, also sogenannten Science Centern, dann fallen einem gleich Namen wie das „Universum“ in Bremen oder das Klimahaus in Bremerhaven ein. Ist das „wortreich“ in dieser Liga eigentlich bekannt genug?

Effenberger: Das „wortreich“ ist da noch nicht angekommen, da stimme ich zu. In Bad Hersfeld ja, vielleicht auch im Landkreis, aber darüber hinaus… Das ist ein Punkt, den wir angreifen wollen.

Daraus ergibt sich die Frage nach den Perspektiven: Wohin soll die Reise gehen?

Effenberger: In den vergangenen Monaten ging es hier erst einmal um solides Handwerk in der Geschäftsführung. Da war Einiges aufzuholen. Es ging dabei auch um Anerkennung und Wertschätzung für Mitarbeiter, die in wilden Zeiten alles für das „wortreich“ gegeben haben. Perspektivisch muss das „wortreich“ näher an die Stadt, es ist keine Solitär-Aktion. Wir gehören zur städtischen Familie. Die Stadt finanziert das „wortreich“, also die Einwohner von Bad Hersfeld. Und das müssen wir ein bisschen deutlicher machen, mit unseren Nachbarn am Schilde-Platz oder etwa mit den Stadtwerken. Da muss man zusammen arbeiten. Das hat es bisher nicht gegeben. Wir gehören auch zur kommunalen Familie, gemeinsam mit Nachbarkreisen, -städten und -gemeinden. Die wollen wir ansprechen und Angebote machen.

Da ist wohl viel bisher versäumte Basisarbeit dabei, die schon längst hätte geleistet werden müssen. Nun ist das „wortreich“ bald sieben Jahre alt. Hat sich da nicht manches schon abgenutzt?

Effenberger: In der ursprünglichen Planung war die Erneuerung der Ausstellung nach fünf Jahren für eine halbe Million Euro vorgesehen. Die sollte aus den Erträgen finanziert werden. Es wurden aber leider keine ausreichenden Erträge erwirtschaftet, um das zu realisieren.

Und dann hätte ich noch die unvermeidliche Frage nach dem Defizit. Das konnte ja zwischenzeitlich abgesenkt werden. Wo steht das „wortreich“ aktuell?

Effenberger: Das Defizit wird es laufend geben. 2016 waren es 160 000 Euro, im vergangenen Jahr aber sehr viel höher, so um die 240 000. Das ist aber noch nicht final gerechnet. Im Wirtschaftsplan 2018 habe ich den Zuschussbedarf auf 200 000 Euro beziffert.

Wie erklärt sich der Anstieg im vergangenen Jahr?

Effenberger:Da waren ein paar Sondereffekte dabei. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Bleibt zum Schluss noch eine Frage: Welche Lieblingsstation hat Frank Effenberger im „wortreich“?

Effenberger: Die Körperhaltung, wo man durch zahllose Stifte einen Abdruck seines Körpers erzeugen kann.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Bad HersfeldMontagsinterview
Kommentare zu diesem Artikel