Nichts Neues zur Stölzinger Wölfin

Verzögerungen bei neuem Wolfsmanagementplan Hessen: „Gab keinen runden Tisch“

Wolf Fotofalle Stölzinger Wölfin (möglicherweise!) bei Schemmern am 26. März Copyright: HLNUG / Luchsprojekt Uni Göttingen
+
Das ist sie möglicherweise: Die Wölfin, die in Nordhessen heimisch geworden ist. 

Um die Stölzinger Wölfin ist es ruhiger geworden.

Hersfeld-Rotenburg – Nachdem es im Frühjahr 2020 zahlreiche Übergriffe auf Nutztiere gegeben hatte, wurde sie seit Mai nur noch in zwei weiteren Fällen an getöteten Schafen genetisch nachgewiesen: im Juli bei Seifertshausen und im Oktober bei Heinebach.

Doch auch zum grundsätzlichen Umgang mit der Rückkehr der Raubtiere haben sich die hessischen Behörden seit Monaten kaum noch öffentlich geäußert – dabei hatte das Umweltministerium schon für den vergangenen Sommer einen neuen Wolfsmanagementplan angekündigt.

Als im August ein erster Entwurf mit Verbänden von Weidetierhaltern, Jägern und Naturschützern bei einem Treffen mit Umweltministerium und Hessischem Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) erörtert wurde, waren dort Arbeitsgespräche zur gemeinsamen Ausarbeitung des Wolfsplans angekündigt worden. „Es gab zwar Kontakt zwischen Schafhaltern und Ministerium – aber wichtig ist ja vor allem, einen Konsens auch mit Jägern und Naturschutzverbänden zu finden. Einen solchen runden Tisch hat es nicht gegeben. Darüber sind wir enttäuscht“, sagt der Großalmeröder Burkhard Ernst, Pressesprecher des Hessischen Verbands für Schafzucht und -haltung auf Nachfrage unserer Zeitung.

Das Umweltministerium sagt dazu auf Nachfrage, dass die Anregungen aus den Gesprächen im August derzeit vom Ministerium und dem HLNUG, das künftig zentral für das Thema Wolf in Hessen verantwortlich sein soll, in den neuen Wolfsmanagementplan eingearbeitet würden. Dieser werde dann abschließend mit allen beteiligten Verbänden und Institutionen erörtert und solle noch im ersten Quartal 2021 vorgestellt werden.

Julia Stoye, Pressesprecherin des Umweltministeriums, verweist darauf, dass verschiedene Fördermöglichkeiten für Schafhalter zur Unterstützung bei den Mehrkosten für wolfsabweisende Einzäunung erhöht worden seien und mit dem Landeshaushalt 2021 weiter ausgebaut werden sollten.

Der Grund dafür, dass die Entwicklung des neuen Wolfsmanagementplans so viel länger als angekündigt dauert, sei, dass man alle vom Thema Wolf betroffenen Verbände einbinde und ihre Anregungen aufgreife. Das sei sehr zeitaufwändig.

Burkhard Ernst begrüßt zwar, dass die Fördermittel für Schafhalter ausgebaut werden sollen – am Grundproblem werde sich aber wohl nichts ändern. Das bestehe darin, dass nur ein Teil der Betriebe finanziell unterstützt werde. „Wer bisher schon Fördermittel bekommt, soll noch mehr bekommen. Aber wer bislang nichts bekommt, bekommt auch künftig nichts. So erreicht man keinen flächendeckenden Schutz vor dem Wolf“, sagt er.

Erklärtes Ziel des Ministeriums ist es, dass alle Schafhalter „wolfsabweisend“, also mit mindestens 90 Zentimeter hohen Elektrozäunen, ihre Tiere schützen. Ernst zeigt sich auch verwundert darüber, dass das HLNUG noch „in keinster Weise zu erkennen gegeben“ habe, dass dort künftig alle Fäden zum Umgang mit dem Wolf zusammenlaufen. „Wer sind da unsere Ansprechpartner? Da gab es noch kein Lebenszeichen, was ich eigentlich erwartet hätte.“

Der Schafhalterverband werde im Januar darauf drängen, dass die angekündigten runden Tische wirklich stattfinden.

Schafhalter weiter für Abschuss der Stölzinger Wölfin

Obwohl es seit Mai nur zwei weitere Übergriffe auf Nutztiere durch die Stölzinger Wölfin gegeben hat, bleibt der Schafhalterverband laut Sprecher Ernst bei seiner Forderung nach einer „Entnahme“, also dem Abschuss. „Ein Wolf, der so oft gelernt hat, wie er an Weidetiere kommt, hört damit nicht wieder auf“, sagt er.

Die Stölzinger Wölfin hat bislang mindestens 27 Schafe, Ziegen und Kälber getötet. Beim Umweltministerium heißt es dazu auf Nachfrage, die Wölfin habe sich bislang zu über 98 Prozent von Wildtieren ernährt. Hinzugefügt wurde, dass die Behörden sich dennoch wiederholt mit der Frage einer möglichen Tötung des Tieres befasst hätten.

Das sei aufgrund des hohen Schutzstatus des Raubtieres nur möglich, wenn das Tier mehrfach den Anforderungen entsprechende Zäune überwunden habe und „Möglichkeiten eines erhöhten Weidetierschutzes“ ausgeschöpft wurden. Es gebe das Angebot, kostenlos Material für erhöhten Weidetierschutz – also höhere Zäune – zu erhalten. Für „zusätzliche Maßnahmen in Gebieten mit ansässigen Wölfen“, sei im Landeshaushalt 2021 Geld vorgesehen.

Von Christopher Ziermann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare