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Wolf in Hessen: Fundamental-Kritik der Opposition an Grünen-Umweltministerin Hinz

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Von: Christopher Ziermann

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Die Rede ist nicht mehr vom Wolf, sondern von den Wölfen: Mehrere Sichtungen und Bildmaterial zeugen seit Längerem davon, dass es im Stölzinger Gebirge nicht nur eine Wölfin gibt. Nun wurde das auch vom Hessischen Wolfszentrum anhand einer DNA-Probe bestätigt. Unser Bild entstand im Wildpark Knüll.
Der Wolf bleibt ein großes Diskussions-Thema. Unser Bild entstand im Wildpark Knüll. © Carolin Eberth

Eigentlich möchte das Land Hessen mehr tun für die Weidetierhalter, die ihre Herden vor Wölfen schützen müssen. Dafür wurde kürzlich die Weidetierschutz-Richtlinie novelliert, um den Zugang zu Fördergeld zu erleichtern.

Nordhessen/Wiesbaden – Der Kritik der Weidetierhalter-Verbände am Umweltministerium von Priska Hinz (Grüne) schließen sich nun aber auch die agrarpolitischen Sprecher der Oppositionsfraktionen an. Auch Hans-Jürgen Müller (Grüne) hält die Kritik teilweise für nachvollziehbar.

Unsere Zeitung hat nach der Kritik von Burkhard Ernst (Großalmerode), Pressesprecher Hessischer Verband für Schafzucht und -haltung, und Frieder Beyer (Eiterfeld), Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Herdenschutz beim Bundesverband der Berufsschäfer, alle agrarpolitischen Sprecher der sechs Landtagsfraktionen um eine Einordnung der Thematik gebeten.

Nach der Überarbeitung der Richtlinie soll nun mehr auf Pauschalförderungen als auf aufwendige Einzelnachweise gesetzt werden, auch die Halter von Rindern und Pferden werden berücksichtigt. Das hebt der Grüne Müller aus Witzenhausen, der selbst Landwirt ist, als Verbesserung hervor. Bezüglich der Höhe der Förderung hält er die Kritik der Verbände für gerechtfertigt, „denn die Belastungen für die Weidetierhalter sind sehr hoch, ganz besonders in unwegsamem Gelände“.

Die Abgeordneten seien aber nicht in die direkte Kommunikation zwischen Ministerium und Tierhalterverbänden eingebunden, die Entwicklung von Richtlinien seien nicht Bestandteil der parlamentarischen Beratung. „Ich halte es aber für sehr wichtig, dass hier eine gute Kommunikation stattfindet und die Tierhalter bei der Fortentwicklung der Weidetierschutzrichtlinie beteiligt werden.“

Eben den Punkt Kommunikation benennt Heinz Lotz als Hauptkritikpunkt der SPD an Ministerin Priska Hinz. „Die Weiderichtlinie ist ein Indiz dafür, dass das Land nicht ausreichend mit den Beteiligten spricht“, sagt er.

Wiebke Knell (FDP) wird noch deutlicher. „Die Maßnahmen der Landesregierung gehen an der Realität vorbei, weil die Situation der betroffenen Tierhalter vom grünen Schreibtisch in Wiesbaden aus völlig falsch eingeschätzt wird. Es findet offensichtlich kein Austausch zwischen Ministerium und Praktikern statt, anders sind die eklatanten Fehleinschätzungen des Umweltministeriums nicht zu erklären“, sagt Knell. Sie fordert außerdem erneut, dass das Ministerium „Problemwölfe“ als solche benennt und diese auch schießen lasse, was rechtlich möglich sei. Ein grundsätzliches „aktives Bestandsmanagement“, also eine regelhafte Bejagung, sei im Ampel-Koalitionsvertrag auf Bundesebene vorgesehen.

Lotz erinnert an den Umgang mit dem Wolf in den vergangenen Jahren und spricht von vielen Versäumnissen des Umweltministeriums – etwa die frühere Einschätzung von Umweltministerin Hinz, Hessen sei „kein Wolferwartungsland und der Wolf käme nur gelegentlich in Hessen vorbei“. Bereits vor Jahren habe die SPD Gespräche des Landes mit Tierhaltern gefordert. Nun erneuert Lotz seine Forderung nach „echten runden Tischen“.

Lena Arnoldt (CDU) sagt zum Thema Kommunikation: „Eine enge Zusammenarbeit und ein permanenter Austausch mit Kritikern, Befürwortern und Betroffenen bei der Rückkehr des Wolfes ist in jedem Fall angebracht.“ Sie führt die seit 2018 bereits stetig ausgeweiteten Unterstützungen des Landes für Weidetierhalter an und sagt: „Es wird kontinuierlich daran gearbeitet, den sich ändernden Rahmenbedingungen für die Weidetierhalter zu begegnen.“

Gerhard Schenk (AfD) bezeichnet die Kritik der Schafhalter-Vertreter Beyer und Ernst als „berechtigt und mutig zugleich, da sie über den Vertragsnaturschutz in Teilen wirtschaftlich von der Politik abhängig sind“. Schenk sieht Wölfe als große Gefahr für Mensch und Nutztiere. „Die Tiere im Wald werden sich aus den Wolfsrevieren zurückziehen. Das können die Weidetiere nicht.“ Auch Schenk fordert die Bejagung von Wölfen.

Die Linken-Sprecherin Heidemarie Scheuch-Paschkewitz (Schwalmstadt) ließ die Anfrage unbeantwortet. (Christopher Ziermann)

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