Parlament stimmt längeren Öffnungszeiten in Bosserode zu

Wildecker Kindertagesstätten sind rappelvoll

In der Gemeinde Wildeck hat allein die Kita in Bosserode noch räumliches Potenzial: Dort öffnet eine weitere altersübergreifende Gruppe. Foto: 

Wildeck. Es ist ohne Frage eine sehr gute Nachricht für Wildeck: Die vier Kindertagesstätten in der Gemeinde sind nicht nur voll, sondern platzen aus allen Nähten.

Als ersten Schritt hin zu einer Lösung dieses „Luxusproblems“ hat die Wildecker Gemeindevertretung einstimmig beschlossen, die Öffnungszeiten in der Kita Bosserode ab dem 1. April zu verlängern. Auch für die Mehrkosten gab es grünes Licht.

„Alle Kinder ab zwei Jahren, die ihren Erstwohnsitz in Wildeck haben, haben auch einen gesetzlichen Anspruch auf einen Kindergartenplatz bei uns“, betonte Bürgermeister Alexander Wirth. Aufgrund der aktuellen Kinderzahlen sei es erforderlich, eine weitere altersübergreifende Gruppe für zunächst zwei Jahre im Kindergarten in Bosserode zu öffnen.

Das Raumproblem

Bosserode ist die einzige Kindertagesstätte, die hierfür noch räumliches Potenzial hat, um die ersten Spitzen auffangen zu können. Dafür muss der jetzige Turnraum als zweiter Gruppenraum genutzt werden, und der Turnunterricht muss in die in unmittelbarer Nähe liegende Mehrzweckhalle verlegt werden.

„Für den Bereich der Krippenkinder sind wir derzeit noch in der Planung, wie wir hier mittel- und langfristig Lösungen schaffen können“, betonte der Bürgermeister.

Die Öffnungszeiten

Zeitgleich mit der Errichtung der zweiten Kindergartengruppe in Bosserode werden dort ab 1. April ganztägige Öffnungszeiten angeboten. Die Kita ist zurzeit von 7.30 bis 15 Uhr offen. Ab 1. April sollen die Öffnungszeiten verlängert werden. Dann ist die Kita von 7.15 bis 16.15 Uhr offen.

Die Kosten

Längere Öffnungszeiten bedeuten auch zusätzlichen Personalbedarf. Außerdem werden die Belegungszahlen ab 1. August noch weiter steigen. Damit steigen auch die Kosten. Die Gemeinde rechnet mit Mehrkosten für 2018 durch die verlängerten Öffnungszeiten von 70 000 Euro. „Zur Gegenfinanzierung muss man auch über die Anpassung der Elternbeiträge nachdenken“, betonte Bürgermeister Wirth. Träger der Kitas ist die evangelische Kirche.

Der Landtag

Derzeit werden zwei verschiedene Gesetzesentwürfe im Hessischen Landtag diskutiert. Ein Großteil der hessischen Kommunen, insbesondere im ländlichen Raum, befürchte kommunale Mehrkosten durch den Gesetzesentwurf von CDU und Grünen, betonte Wirth. „Wir gehen davon aus, dass dann die Kinder zukünftig für längere Öffnungszeiten in den Kitas angemeldet werden. Das bedeutet neue Gruppen, mehr Personal und höhere Betriebskosten. Die ermittelten 136 Euro pro Kind reichen also bei Weitem nicht aus, insbesondere im ländlichen Raum, in dem die Kosten für einen Kita-Platz im Schnitt weit über dieser Pauschale liegen“, so Bürgermeister Wirth. Die Entlastung treffe ausschließlich die Eltern. Der SPD-Gesetzentwurf geht weiter, denn er sieht nicht nur eine Entlastung der Eltern, sondern auch der Kommunen vor. „Wir sollten daher erst an Gebührenerhöhungen denken, wenn wir wissen, wo die Reise des Hessischen Landtages hingeht“, sagte Wirth.

Die Zukunft

Die Regelung für die Kindertagesstätte Bosserode mit der Einrichtung der zweiten altersübergreifenden Gruppe erhält nur eine befristete Genehmigung von zwei Jahren. „In diesen zwei Jahren haben wir Zeit, uns so auszurichten, dass wir dem Bedarf gerecht werden, und zwar in der Form, dass wir die für die Kinderbetreuung geltenden Vorschriften einhalten. Das heißt, wir werden um bauliche Veränderungen nicht umhinkommen“, sagte Bürgermeister Alexander Wirth. Die Frage sei, für welche Variante man sich entscheide.

Das sagen die Parlamentarier 

„Der Haushalt der Gemeinde weist heute bereits einen Betriebskostenzuschuss von fast einer Million Euro für alle Betreuungseinrichtungen aus. Hier kann man klar erkennen, dass uns die Zukunft unserer Kinder und somit auch der Gemeinde sehr wichtig ist...“ „Für unser Luxusproblem könnte durch den Ausbau des Dachgeschosses in der Bosseröder Kita schnell eine bauliche Lösung in vertretbarem finanziellen Rahmen zur Verfügung stehen.“ Armin Körzell (SPD)

 „Auch für die Zukunft sollten wir so planen, dass diese großartige Infrastruktur mit Kindergärten in vier von fünf Ortsteilen erhalten bleibt – mit einem möglichst flexiblen Angebot in den Ortsteilen.“ Martina Selzer (Grüne) 

„An unseren Kindern und somit an der Zukunft zu sparen, wäre der falsche Weg. Allerdings bin ich der Meinung, dass unter anderem auch an dieser Stelle zu viel Last vom Land auf die Kommunen abgewälzt wird. Es ist höchste Zeit, dass sich die Kommunen zusammentun und Gegendruck erzeugen.“ Bernd Sauer (FWG)

„Die Kinder sind unser höchstes Gut. Wir können froh sein, dass wir so ein Luxusproblem haben. Vom Land muss aber auch in diesem Bereich mehr Unterstützung kommen. Stattdessen wälzt das Land immer mehr auf die Kommunen ab.“ Gerhard Bick (FDP)

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