1. Hersfelder Zeitung
  2. Lokales
  3. Kreisteil Rotenburg
  4. Wildeck

Die Logistikhalle in Hönebach ist startklar: Gespräche mit Investoren laufen

Erstellt:

Von: René Dupont

Kommentare

Geschafft: Der Geschäftsführer der TS Turnkey Solutions GmbH, Rainer Velmeden, freut sich, dass die Logistikhalle betriebsbereit ist. Hinter ihm ist der runde Sprinklertank zu sehen, der für den Brandfall 750 000 Liter Wasser fasst. Zurzeit laufen innen noch Reinigungsarbeiten und die letzten Mängel werden beseitigt.
Geschafft: Der Geschäftsführer der TS Turnkey Solutions GmbH, Rainer Velmeden, freut sich, dass die Logistikhalle betriebsbereit ist. Hinter ihm ist der runde Sprinklertank zu sehen, der für den Brandfall 750 000 Liter Wasser fasst. Zurzeit laufen innen noch Reinigungsarbeiten und die letzten Mängel werden beseitigt. © rené dupont

Seit 2004 ist ein Gewerbegebiet für Hönebach im Gespräch. Der geplante Autohof lässt noch auf sich warten. Die neue Logistikhalle aber ist fertig. Wir haben sie uns angesehen.

Hönebach – Man muss schon ein bisschen schwindelfrei sein, wenn man auf dem Gerüst an der Außenseite der neuen Logistikhalle im Gewerbegebiet bei Wildeck-Hönebach die Stufen hinaufstapft. Auch, wenn die Halle nur zwölf Meter in den Himmel ragt. Oben angekommen, brutzelt die Sonne mit 38 Grad gnadenlos auf die Bauarbeiter, die gerade auf einer Fläche von 10 000 Quadratmetern die Fotovoltaik-Anlage aufbauen.

„Wir belegen die ganze Dachfläche mit Fotovoltaik, vorgeschrieben sind nur 50 Prozent“, berichtet der Geschäftsführer der TS Turnkey Solutions GmbH, Rainer Velmeden. Die Mieter oder Käufer der Halle haben so die Möglichkeit, auch Solarstrom für ihren Betrieb „direkt vom Dach“ zu beziehen.

Schweißtreibende Arbeit: Das Dach der Logistikhalle wird komplett mit
Schweißtreibende Arbeit: Das Dach der Logistikhalle wird komplett mit © voltaik ausgestattet.

Auf der einen Seite sieht man von dort oben aus die Autos und Lkw auf der Autobahn 4 fahren, die direkt am Gewerbegebiet vorbeiführt. Auf der anderen Seite schaut man über das idyllisch gelegene Hönebach.

„Wir errichten seit sechs Jahren ausschließlich nachhaltige Projekte“, sagt Rainer Velmeden. „Diese Projekte haben auch eine deutlich höhere Marktakzeptanz.“ Ein Schwerpunkt des Unternehmens, das seinen Sitz in Gießen hat, liegt in der schlüsselfertigen Entwicklung und Errichtung von solchen Logistikzentren.

„Wir halten auch hier in Hönebach die höchsten Umweltstandards ein“, sagt Velmeden beim Rundgang. Dazu gehört, dass ausschließlich LED-Beleuchtung in der Halle zu finden ist. Die Fassade wird von drei Seiten begrünt, bewässert von einem Tropfschlauch.

Die Pflanzen der Fassadenbegrünung werden mit einem Tropfschlauch bewässert – gesteuert von einem Computer. In Kürze wird auch die Rankhilfe an der Fassade angebracht.
Die Pflanzen der Fassadenbegrünung werden mit einem Tropfschlauch bewässert – gesteuert von einem Computer. In Kürze wird auch die Rankhilfe an der Fassade angebracht. © Dupont, Rene

„Für die Bewässerung nutzen wir Regenwasser, das auf der riesigen Dachfläche aufgefangen wird“, berichtet der Geschäftsführer. Die Bäume auf dem Gelände soll ein Tankwagen regelmäßig bewässern. An der Fassade werden auch Nistkästen für Fledermäuse angebracht. Ein nahe stehendes Wohnhaus wird mit einer Wand vor Lärm geschützt. Die Wand ist innen gedämmt und außen mit Holz verkleidet.

Das neue Gebäude im Gewerbegebiet Mackenrotscher Garten besteht aus zwei Teilen. Eine Halle ist etwa 5000 Quadratmeter groß, die andere 10 000 Quadratmeter. Dazu kommen Büro- und Sozialräume. Die Hallen könnten also von zwei verschiedenen Mietern betrieben werden, aber beide auch gemeinsam von einem.

Betritt man die beiden neuen Hallen, wirken sie groß und beeindruckend. Im Fall Hönebach sind sie aber vergleichsweise klein. „Die Größe, die wir hier bauen, ist die Untergrenze. Sonst ist die Wirtschaftlichkeit nicht gesichert“, weiß der Diplom-Ingenieur Velmeden. 1,5 Hektar misst die Hallenfläche – das entspricht etwa zwei Fußballfeldern.

Größenvergleich: Winzig wirkt ein Mensch, der die große Halle durchquert.
Größenvergleich: Winzig wirkt ein Mensch, der die große Halle durchquert. © Dupont, Rene

Kein Vergleich also zum Beispiel mit der als „Monsterhalle“ kritisierten Logistikhalle, die bislang auf einer Fläche von neun Hektar im Gewerbegebiet bei Bebra geplant ist. Eine kleinere Größe sei aber denkbar, heißt es dazu bei Logistiker Pfenning.

Hallen sollen im Oktober vermietet sein

Die TS Turnkey Solutions GmbH hätte gern auch die zweite große Fläche im Gewerbegebiet bei Hönebach gekauft. Das Wildecker Parlament entschied aber, dem Investor den Zuschlag zu geben, der dort einen Autohof bauen will. Mit diesem Investor laufen zurzeit noch die letzten Abstimmungsgespräche.

Der Geschäftsführer der Turnkey Solutions GmbH, Rainer Velmeden, weiß, was er tut. Und er hat nicht den geringsten Zweifel daran, dass die Gespräche, die er zur Zeit mit sechs möglichen Investoren führt, erfolgreich ausgehen werden. „Da bin ich äußerst optimistisch“, sagt er.

Namen darf und will er noch nicht nennen. Unter anderem ist er im Gespräch mit der Pharma-Industrie, die Medikamente herstellt, und der Automobil-Industrie. „Ich gehe davon aus, dass die Hallen im Oktober vermietet sind, vielleicht auch schon früher“. Ein unschlagbarer Vorteil des Gewerbegebiets Mackenrotscher Garten ist, dass es in der Mitte Deutschlands liegt. Jeder Punkt in Deutschland kann von diesem Standort aus am Tag der Auslieferung erreicht werden. Das Unternehmen geht davon aus, dass die Hallen vermietet werden, ein Verkauf sei später aber auch denkbar. Der Investor muss das Objekt für mindestens fünf Jahre mieten.

Lagerflächen werden weiterhin gefragt sein

Velmeden ist sich auch sicher, dass der Bau und der Betrieb von Logistikhallen das Konzept in den kommenden Jahrzehnten bleiben wird. Der Warenverkehr habe weltweit enorm zugenommen, auch wenn er von Corona etwas ausgebremst worden sei. Aber all diese Waren müssten irgendwo gelagert werden, weiß Velmeden, der in Witzenhausen aufgewachsen ist, in Kassel Architektur studiert hat und heute in Gießen wohnt.

Die Lastwagen als Lagerfläche zu nutzen, reiche schon lange nicht mehr aus. Optimal wäre es, wenn man die Bahn noch weit mehr einsetzen könne, um die Warenströme sinnvoll zu lenken. „Zurzeit stapeln sich in den großen Häfen die Waren und keiner weiß, wohin damit“, sagt Velmeden.

Ein großes Problem sei aktuell auch, dass in vielen Branchen Bauteile fehlen, zum Beispiel in der Auto-Industrie. „Wenn dort ein Teil für den Einbau in ein Auto fehlt, können vielleicht hundert andere nicht eingebaut werden und müssen irgendwo gelagert werden, bis das eine Bauteil da ist.“

„Auch, wenn die Menschen weniger online bestellen würden, bräuchten wir die Lagerflächen“, sagt Velmeden. „Jedes Produkt benötigt eine Lagerfläche. Ein Blumentopf liegt so zum Beispiel in einem Baumarkt.“

Das System Logistikhallen erklärt

Das System Logistikhallen funktioniert so: Am Anfang steht ein Unternehmen, das selbst keine oder keine ausreichenden Warenlager hat. Wenn das zum Beispiel in der Pharmaindustrie einem Medikamentenhersteller so geht, sucht er sich einen Logistiker, der den Wareneingang und den Warenausgang samt Transport zum Kunden organisiert. Dazu gehören in der Pharmaindustrie zum Beispiel Krankenhäuser, Apotheken oder andere Zwischenhändler.

Dieser von der Industrie beauftragte Logistiker sucht dann gute Standorte zum Beispiel für ein zentrales Warenlager für das Unternehmen und führt Gespräche mit Unternehmen, die Logistikhallen planen und errichten – wie die TS Turnkey Solutions GmbH das in Hönebach getan hat. (René Dupont)

Auch interessant

Kommentare