Erinnerung an die Teilung

Karl Schöppner hat die Grenze bei Obersuhl nachgebaut

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Mit Grenzsoldat und Wachturm: Der 79-jährige Karl Schöppner, der das Grenzmuseum und den Grenzlehrpfad in Obersuhl mitgegründet hat, möchte mit dem Modell dazu beitragen, dass die deutsch-deutsche Teilung nicht in Vergessenheit gerät.

Damit die deutsch-deutsche Grenze nicht in Vergessenheit gerät, hat Karl Schöppner aus Obersuhl den Grenzverlauf in seinem Heimatort als Modell nachgebaut.

„Die Grenze hat mich mein Leben lang begleitet“, sagt der 79-Jährige, der seit seiner Kindheit in einem Haus an der Eisenacher Straße lebt – also dort, wo jahrzehntelang der Todessteifen zwischen der Bundesrepublik und der DDR verlief.

Genau diesen Bereich im östlichen Bereich des Wildecker Ortsteils hat Schöppner nun nachgebaut – mit Grenzzäunen, Wachturm, Bahnlinie und Autobahn, der heutigen A 4, die während der deutsch-deutschen Teilung bei Obersuhl endete. Orientiert hat sich Karl Schöppner beim Bau seines Modells auch an zahlreichen Fotos, die er über die Jahre gesammelt, und Dokumentationen, die er selbst verfasst hat. 

Er kennt die Straße wie kaum ein anderer. „Von unserem Garten habe ich früher die patrouillierenden Grenzsoldaten beobachten können. Manchmal hat sogar einer heimlich zurückgegrüßt.“

Die Idee, den Grenzverlauf bei Obersuhl in einem Modell zu verewigen, hatte der gelernte Bergmann, der später erst beim Bundesgrenzschutz, dann als Krankenpfleger gearbeitet hat, schon länger. „Mir ist es ein Anliegen, die Erinnerung an unserer Geschichte wachzuhalten“, sagt Schöppner, der das Obersuhler Grenzmuseum und den Grenzlehrpfad mitgegründet hat.

Im vergangenen Winter setzte er das Modell dann in die Tat um. Rund 60 Arbeitsstunden investierte er in die ein Meter mal 1,50 Meter große Miniaturwelt, die er auf eine alte Modelleisenbahn-Platte gebaut hat. Häuschen, Grenzwachturm und Bäume hat er aus Pappe gebastelt, Höhenunterschiede im Gelände modellierte er mit Styropor und Putzmaterial, Straßen und Felder malte er mit Farbe auf die Holzplatte.

Überlegt, es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen

Noch steht das Modell bei ihm zuhause. Schöppner kann sich allerdings vorstellen, es künftig einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen – etwa als Ausstellungsstück im Obersuhler Grenzmuseum. „Wenn das gewollt ist, gebe ich es gerne ab.“

Als der Eiserne Vorhang am Ende der Eisenacher Straße, die in Schöppners Nachbarschaft seit jeher auch „Untersuhler Weg“ genannt wird, 1952 errichtet wurde, war er selbst noch ein Kind.

Sein Haus lag nur ein Ballwurf vom „sowjetzonalen Gebiet“ entfernt, wie es später auf den Warnschildern der Bundesrepublik hieß.

Warum dann plötzlich quer über die Straße eine Grenze gezogen wurde, verstand Karl Schöppner damals noch nicht. „Das störte mich als kleiner Junge aber auch nicht weiter, immerhin konnten wir dann auf der Straße in Ruhe Fußball spielen“, erinnert er sich. „Autos kamen ja nicht durch“.

Das hat sich längst geändert. Der Zaun, der jahrzehntelang den Weg nach Untersuhl versperrte, ist nun seit fast 30 Jahren Geschichte. So sehr sich Karl Schöppner über die Grenzöffnung und die Wiedervereinigung gefreut hat – „wirtschaftlich hat uns das in Obersuhl nicht viel gebracht, hier hat sich ja kaum Industrie angesiedelt“, sagt er. „Nur der Verkehr vorm Haus hat stark zugenommen“.

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