Recherchen laufen seit rund zwei Jahren

Hobbyhistoriker suchen Fotos: Raßdorfer Arbeitskreis will Kriegstoten ein Gesicht geben

Haben bereits 433 Opfer aus den Wildecker Ortsteilen ermittelt: Jan Möller (von links), Heiko Sippel, Michael Adam und Michael Tann vom Arbeitskreis Gedenkbuch Wildeck, hier auf einem Archivfoto beim Start des Erinnerungsprojekts.
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Haben bereits 433 Opfer aus den Wildecker Ortsteilen ermittelt: Jan Möller (von links), Heiko Sippel, Michael Adam und Michael Tann vom Arbeitskreis Gedenkbuch Wildeck, hier auf einem Archivfoto beim Start des Erinnerungsprojekts.

Seit rund zwei Jahren recherchiert ein Raßdorfer Arbeitskreis, welche Geschichten sich hinter den Kriegsopfern von 1939 bis 1945 in Wildeck und Kleinensee verbergen - und sucht nun konkrete Fotos.

Raßdorf – Der Arbeitskreis der Heimatabteilung der Sport- und Freizeitfreunde Raßdorf hat inzwischen nach eigenen Angaben 433 Kriegsopfer allein aus den Wildecker Ortsteilen ermittelt. Jetzt suchen die Ehrenamtler konkrete Fotos von 37 Menschen.

Das erklärte wie ehrgeizige Ziel der Hobbyhistoriker ist es, „sämtlichen Opfern von Krieg, Terror und Gewalt ein Gesicht zu geben“. Ihre Geschichten sollen in einer Art Gedenkchronik „Wider das Vergessen! Den Toten zum Gedenken – den Lebenden zur Mahnung“ als Warnung für die Zukunft bewahrt werden. Gleichzeitig soll die Chronik an die vielen Opfer aus der Gemeinde erinnern, so Sprecher Michael Tann.

Hobbyhistoriker hoffen nun auf Zufallsfunde

Seine ehrenamtlichen Mitstreiter und er hoffen nun auf Zufallsfunde aus dem Leserkreis unserer Zeitung. „Vielleicht hat jemand ein Schul- oder Hochzeitsbild, auf dem einer der Gesuchten abgebildet ist, oder vielleicht kennt jemand noch entfernte, dem Arbeitskreis unbekannte Familienangehörige“, so Tann, der vor allem Fotos und Unterlagen von und über diese 36 Männer und eine Frau sucht.

„Alles wird kopiert und im Original zurückgegeben. Auch letzte Briefe sind von großer Wichtigkeit.“ Warum sich der Arbeitskreis rund 75 Jahre nach Kriegsende gegründet hat? „Wer bei der Kirmes am Ehrenmal steht und die Namen der Weltkriegsopfer liest, hat sich vielleicht schon einmal gefragt, was das für Menschen waren, von denen man nichts außer den Namen weiß“, hatte Tann zum Start des Erinnerungsprojekts im Gespräch mit unserer Zeitung gesagt.

Um diese 37 Menschen geht es

Konkret sucht der Arbeitskreis Fotos von 36 Männern und einer Frau aus Wildeck. Angehörige haben die Hobbyhistoriker zwar schon gefunden, doch auch sie hätten keine Bilder mehr, sagt Michael Tann. Die Suchliste im Überblick:

Bosserode: Franz Christof (geboren 1909 in Niedergrund), Helmut Eckhardt (1922, Ort unbekannt), Franz Feest (1923 Goldenöls), August Rutz (1919, Bosserode)

Hönebach: Wilhelm Hörster (1912), Georg Franz Möller (1915), Reinhold Nölker (1925), Karl Steinmetz (1925, alle Hönebach)

Obersuhl: Valentin Bachmann (1883 Obersuhl, gestorben 20. Juli 1944 in Gerstungen), Sabine Becker (geb. Schäfer, 1909, Obersuhl, gest. 22. Oktober 1943, Kassel), Wilhelm Becker (1915, Obersuhl), Adolf Breitbart (1922, Obersuhl), Bernhardt Burghardt (1900, Unhausen) sowie die drei Heimatvertriebenen Hans Dausche (1904, Warnsdorf), Oskar Dausche (1913, Warnsdorf) und Ernst Findeis (1918, Neosablitz), Heinrich Frese (1921, Obersuhl), Wilhelm Georg Kaufmann (1908, Völklingen), Hermann Fritz Koch (1925, Ort unbekannt), Karl Koelschkzy (1912, Kassel, später Obersuhl, verheiratet mit Frau Pfeffer), Franz Ksiazek (1916, Berlin), Georg Schäfer (1901, Widdershausen), Horst Schäfer (1925 Kassel), Georg Wilhelm Schmidt (1914, Obersuhl), Eberhard Schüler (Heimatvertriebener, 1907, Breslau), Heinrich Johannes Trieschmann (1926, Obersuhl), Christian Weyh (1919, Ort unbekannt, gestorben 1943 in Buchenwald), Georg Andreas Zimmermann (1900, Obersuhl)

Richelsdorf: Heinrich Burghardt (1919), Otto Geber (1924), Heinrich Gebhardt (1924), Karl Kurz (1908), Karl Rüdiger (1917), Heinrich Schran (Sohn der ledigen Katharina Schran, 1916, alle Richelsdorf), Gustav Jakobus (1909, Ostpreußen, vermisst), Bruno Pahl (1909 Budsin, später Richelsdorf), Christian Reichhardt (1904, Krauthausen).

Der Arbeitskreis, der mittlerweile auch Informationen und Bilder der jüdischen Gemeinde aus Richelsdorf sucht, begann vor gut zwei Jahren damit, die Wildecker Ehrenmäler zu sichten, die Namen mit den Einträgen in den standesamtlichen Unterlagen sowie Kirchenbüchern abzugleichen. Dabei seien weitere Kriegsopfer entdeckt worden, die sich nicht auf den Gedenktafeln befinden.

Die ermittelten Namen ordnet der Arbeitskreis den Ortsteilen zu und ergänzt sie mit den vorhandenen Daten. Unterstützt werden sie von Vereinen wie dem Geschichtsverein Wildeck, dem Heimat- und Verkehrsverein Kleinensee, den Kirchen sowie vielen Bürgern aus den Ortsteilen. Auch die Archive des DRK und des Volksbundes sowie diverse Militärarchive seien eingebunden.

Bei einer heißen Spur wird durch die halbe Republik telefoniert

So haben die Ehrenamtlichen, die hauptberuflich als Finanzwirte und Handelsvertreter arbeiten, schon zahlreiche Angehörige gefunden, die ihnen Informationen, Bilder und Unterlagen zur Verfügung gestellt haben. „Oftmals telefonieren wir durch die halbe Republik, wenn wir eine heiße Spur haben“, so Tann.

Hinweise an Michael Tann, Arbeitskreis der Heimatabteilung der Sport- und Freizeitfreunde Raßdorf, Tel. 0 66 78 /91 88 10, Mail: wildecker-vergangenheit@web.de, ans Bürgermeisteramt oder die Ortsvorsteher. (Sebastian Schaffner)

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