Auswirkung auf Spielplatz-Sanierung

Gift-Gutachten für Richelsdorf soll im Frühjahr 2020 fertig sein

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Das Aufstellen eines Sanierungsplans für den Minigolfplatz (Foto) und den dahinter liegenden Spielplatz verzögert sich: Die Gemeinde hofft, dass die Sanierung dort 2019 beginnen kann. Wegen starker Arsen-Belastung wird Boden abgetragen werden müssen. Die Spielplätze bleiben also weiter gesperrt. Der neue Minigolfplatz war noch gar nicht in Betrieb genommen worden.

Bis Richelsdorf wieder ein „normales“ Dorf ist, wird es noch dauern. Der Wildecker Ortsteil leidet unter den Altlasten des Bergbaus, der sich auch auf das Grundwasser auswirkt. 

Der Bergbau der Richelsdorfer Hütte wurde vor über 50 Jahren eingestellt. 

Die Untersuchung der Grundstücke im Ort ist fast abgeschlossen, die Analysen des Grundwassers aber werden noch länger dauern. Dazu die wichtigsten Fakten.

Wann können die Spielplätze saniert werden?

Die Gemeinde hatte einen Planer beauftragt, ein Konzept zu erstellen. Dieses Konzept muss jetzt aber noch einmal überarbeitet werden, weil es nicht ausgereift war. Steht das Konzept, wird auf dieser Basis ein Sanierungsplan für den Minigolfplatz und den Spielplatz aufgestellt. Wegen starker Arsen-Belastung wird Boden abgetragen werden müssen. „Ich hoffe, dass die Sanierungsarbeiten 2019 beginnen können“, sagt Wildecks Bürgermeister Alexander Wirth.

Wer muss die Sanierung der Spielplätze bezahlen?

Der ebenfalls stark mit Giftstoffen belastete Bodenaushub vom Bau des Minigolfplatzes ist bereits abtransportiert. Er wird beim ehemaligen Betriebsgelände der Richelsdorfer Hütte in Containern zwischengelagert. Die Container stellt die Hessische Industriemüll GmbH (HIM) der Gemeinde Wildeck kostenlos zur Verfügung. Die HIM ist vom Land Hessen mit der Sanierung beauftragt. Laut Gesetz muss der Eigentümer für die Sanierungskosten aufkommen. Und das Land ist bislang nicht bereit, dafür Geld zu geben.

„Wir erwarten schon eine finanzielle Unterstützung vom Land für die Gemeinde und die betroffenen Grundstücksbesitzer“, betont der Bürgermeister. Das Land hat allerdings schon alle bisherigen Sicherungsarbeiten und Untersuchungen bezahlt.

Der belastete Boden des Spiel- und Minigolfplatzes soll dann noch oben auf die riesige Zinkhalde hinter dem Gelände aufgeschüttet werden, wenn das Regierungspräsidium grünes Licht für den Sanierungsplan gegeben hat.

Wie weit ist die Untersuchung des Grundwassers?

Seit April 2018 werden in vorhandene Grundwasser-Messstellen Datensammler eingebaut, die täglich Daten speichern. Die Messstellen sind immer Pärchen. Ein Teil sammelt die Daten der tieferen Grundwasserschichten. Dort sind bislang nur geringe und vereinzelte Belastungen festgestellt worden. Der andere Teil misst den sogenannten Poren-Grundwasserleiter, der höher liegt. In dem Bereich ist die Belastung mit Zink, Cadmium und Arsen größer. Bis Februar sollen 12 weitere Messstellen eingerichtet werden. Das ehemalige Betriebsgelände liegt etwa 600 Meter vom Ortsrand entfernt. Die neuen Messstellen werden auf dem Betriebsgelände, der Brachfläche und im Ort installiert.

Was ist das Ziel dieser Untersuchungen?

Mit den Untersuchungen soll geklärt werden, ob auch das Grundwasser gefährdet ist. Dafür sind aufwendige Analysen und Versuche erforderlich. „Danach können wir abschätzen, wie groß die Gefahr zurzeit und in der Zukunft ist, ob sich die Belastungen im Grundwasser ausdehnen, wie viel schon abgeflossen ist und ob weitere Maßnahmen erforderlich sind oder wir die Lage nur weiter beobachten müssen“, erläutert Rezic das Vorgehen.

Welche Schwermetalle sind gefunden worden?

Auf der Brachfläche sind Zink und Cadmium in zusammenhängenden Bereichen im Grundwasser gefunden worden, Arsen nur an einzelnen Punkten. Wo die Belastung mit Schwermetallen gefunden wurde, ist sie „deutlich“, sagt HIM-Mitarbeiter Zrinko Rezic. Die entscheidende Frage, die geklärt werden müsse, sei, wie sich die Schwermetalle in Zukunft im Grundwasser verhalten werden.

Das Gutachten zur Gefährdungsabschätzung soll im Frühjahr 2020 fertig sein. Dann ist auch in diesem Bereich klar, ob und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen. Und erst dann ist es sinnvoll, eventuell erforderliche Sanierungsmaßnahmen in den Bereichen Böden und Grundwasser in Angriff zu nehmen. 

Ein Drittel der Grundstücke entlang der Weihe ist stark belastet

Die Untersuchung der Grundstücke im Ort entlang des Baches Weihe ist fast abgeschlossen. Am Ortsausgang von Richelsdorf müssen noch vier bis fünf private Grundstücke unter die Lupe genommen werden. Bis zum Frühjahr sollen diese Untersuchungen abgeschlossen sein, berichtet Zrinko Rezic von der HIM. Bisher sind etwa 20 private Grundstücke untersucht worden. Dazu kommen viele öffentliche Flächen, die aber zum Teil nur sehr klein sind. Etwa ein Drittel der entlang der Weihe untersuchten Grundstücke sind an der Oberfläche gar nicht oder nur gering mit Arsen belastet, ein weiteres Drittel mittelschwer und das letzte Drittel schwer. In der Tiefe sind alle Grundstücke entlang des Baches mit Arsen belastet. Der abschließende Gesamtbericht über die oberflächliche Bodenbelastung auf den Grundstücken soll im ersten Halbjahr 2019 vorliegen. Das Gutachten wird Empfehlungen abgeben, in welchen Bereichen weitere Maßnahmen nötig sind. Dazu können eine Sanierung oder Nutzungseinschränkungen gehören. Es wird auch Flächen geben, wo nichts getan werden muss.

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