Entwicklungsplan sieht mögliche Schließung ab 2021 vor

Erhalt der Grundschule Hönebach: Lösungsvorschläge geprüft

Steht vor einer ungewissen Zukunft: die Grundschule im Wildecker Ortsteil Hönebach. Foto: Dupont

Hönebach/Kleinensee. Der Entwurf des Schulentwicklungsplans sieht vor, dass die Grundschule in Hönebach geschlossen wird, sobald die Gesamtschülerzahl nicht mehr für zwei Klassen ausreicht. Die Grundschule hat Lösungsvorschläge vorgelegt, wie die Mindestschülerzahl auch in Zukunft erreicht werden kann.

Die Schule nutzen auch Kinder aus Kleinensee. Die Prognosen zeigen, dass die Schülermindestzahl von 25 ab dem Schuljahr 2021/22 knapp unterschritten wird.  Bei der Informationsveranstaltung von Schulamt und Landkreis im Oktober hatte Landrat Dr. Michael Koch zugesichert, jeden Vorschlag zu prüfen. „Wir kämpfen um jede Schule“, hatte der Landrat gesagt. Wir haben beim Staatlichen Schulamt nachgefragt, welches Ergebnis die Prüfung gebracht hat. Der Kreistag wird am 19. Februar über den Schulentwicklungsplan entscheiden. 

1.Der Vorschlag: Eine Sonderregelung für die jahrgangsgemischte Grundschule. Hönebach ist eine jahrgangsgemischte Grundschule mit zwei Flex-Klassen. Dadurch erhöhen sich die Anforderungen. Die Anzahl der Schüler sollte deshalb in diesen Lerngruppen deutlich geringer sein als in herkömmlichen Jahrgangsgruppen. Wenn die übliche Mindestgröße für jahrgangshomogene Klassen von 13 Kindern an der Grundschule Hönebach um 1 bis 2 Kinder unterschritten würde, sollte nach Meinung der Schule eine Sonderregelung greifen, sodass auch eine Gruppe mit einer etwas geringeren Schülerzahl akzeptiert würde. In den nächsten Jahren werden mehrere Schulen von dieser Sonderregelung profitieren – so sieht es der Entwurf des Schulentwicklungsplanes vor.

Die Antwort: Für Flex-Klassen sieht der Gesetzgeber keine Ausnahmemöglichkeit, die Mindestgröße der Klassen zu unterschreiten, betont Anita Hofmann, die Leiterin des Staatlichen Schulamtes. Dem Modell des flexiblen Schulanfangs werde durch eine zusätzliche Zuweisung von Stunden pro Klasse Rechnung getragen, unabhängig davon, ob in der jahrgangsgemischten Gruppe 14 Schüler oder 25 Schüler sind. Das Schulamt habe keine Möglichkeit, regionale Sonderregelungen zu unterstützen oder zusätzliche Ressourcen bereitzustellen.

Anita Hofmann

2.Der Vorschlag: Gestattungsverträge mit pädagogischen Begründungen befürworten. Dabei geht es darum, dass Kinder auch außerhalb der vorgegebenen Schulbezirksgrenzen zur Schule gehen dürfen. Das besondere Angebot der Hönebacher Schule ist auch für auswärtige Kinder interessant, die zum Beispiel etwas langsam sind.

Die Antwort: Gemäß § 66 des Hessischen Schulgesetzes und § 4 der Verordnung zur Gestaltung des Schulverhältnisses gibt es eindeutig formulierte Gestattungsmöglichkeiten. Gestattungen sind grundsätzlich als Einzelfallentscheidungen zu prüfen, betont Hofmann. Eine Mehrklassenbildung durch Gestattungsfälle sei ausgeschlossen. Dies habe sie bereits in der Veranstaltung im Oktober erklärt.

3.Der Vorschlag: Die Zusätzliche Aufnahme von Vorschulkindern. Im Altkreis Rotenburg werden Vorklassen-Kinder normalerweise nach Bebra geschickt. Mittlerweile schicken aber immer mehr Eltern ihre Kinder nach Sontra. Die Hönebacher Schule bat darum zu prüfen, ob solche Kinder auch in der flexiblen Eingangsstufe in Hönebach aufgenommen werden könnten.

Die Antwort: Das Hessische Kultusministerium hat die Ansicht des Schulamtes bestätigt, dass das Flex-Modell kein Gestattungsgrund ist. Die bisherige Praxis seit einigen Jahren, dass Kinder, die vom Schulbesuch zurückgestellt werden, die Vorklasse in Sontra besuchen, soll nach dem Entwurf des Schulentwicklungsplans zukünftig geändert werden. Diese Kinder sollen die Vorklasse an der Grundschule Bebra besuchen.

4.Der Vorschlag: Die Aufnahme von Asylanten- und Flüchtlingskindern. Durch die kleinen Lerngruppen und die familiäre Struktur seien die Chancen gut, dass Integration gelingen könne, begründet die Hönebacher Schule ihren Vorschlag.

Die Antwort:Die Aufnahme von Flüchtlingskindern setzt eine entsprechende Infrastruktur voraus und kann zukünftig geprüft werden, falls in Ronshausen oder in Obersuhl außergewöhnlich viele Flüchtlingskinder beschult werden müssten. Derzeit würden jedoch keine neuen Flüchtlinge im Landkreis erwartet, betont Anita Hofmann.

Das sagt die Schulleitung: Gemeinsam eine Lösung finden

„Auch wenn unsere bisherigen Lösungsvorschläge offensichtlich nicht aufgegriffen werden, hoffen wir trotzdem weiter darauf, dass noch eine Lösung gefunden wird, mit der die Zukunft der Hönebacher Grundschule gesichert ist“, betont Schulleiterin Evelyn Schwab auf Anfrage unserer Zeitung. „Wir sind weiter bemüht, unsere Schülerzahlen zu stabilisieren, und wir sind aufnahmebereit für Schüler anderer Schulen. Damit könnten wir auch zur Entlastung dieser Schulen beitragen.“ 

Hoffnung mache, dass Landrat Koch erklärt habe: „Kein Landrat schließt gerne Schulen.“ Auch das Schulamt habe doch sicher Interesse daran, die Schule zu erhalten. Hoffnung mache auch, dass für die bedrohten Schulen in Heimboldshausen und Wölfershausen anscheinend Lösungen gefunden worden seien. „Mit kreativen Ideen und einer Portion guten Willens müsste dies doch gemeinsam auch für Hönebach zu schaffen sein“, sagt Schulleiterin Schwab. „Die Grundschule Hönebach steht so immer noch vor einer ungewissen Zukunft“, bedauert Schwab. Gerade in unserem ländlichen, strukturschwachen Raum sei es aber wichtig, vorhandene Einrichtungen zu erhalten. „Wir hoffen auf ein positives Signal vom Kreistag.“ (dup)

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