Giftstoffe auch in Kläranlage

Arsen in Richelsdorf: Bergbaualtlast kostete Gemeinde Wildeck bislang 750 000 Euro

Die Sanierung der vier stark mit Arsen belasteten Flächen der Gemeinde Wildeck läuft auf Hochtouren: Auf dem Spielplatz und dem Minigolfplatz ist die Erde bereits abgetragen und auf die Halde umgelagert. Beim Minigolfplatz wurde schon neuer Boden aufgefüllt. Unser Foto zeigt die Arbeiten beim Backhaus.
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Die Sanierung der vier stark mit Arsen belasteten Flächen der Gemeinde Wildeck läuft auf Hochtouren: Auf dem Spielplatz und dem Minigolfplatz ist die Erde bereits abgetragen und auf die Halde umgelagert. Beim Minigolfplatz wurde schon neuer Boden aufgefüllt. Unser Foto zeigt die Arbeiten beim Backhaus.

Die Bergbaualtlasten der Richelsdorfer Hütte treffen nicht nur private Grundstücksbesitzer sehr hart, deren Flächen mir Arsen belastet sind, sondern auch die Gemeinde Wildeck.

Richelsdorf - Denn auch Flächen der Gemeinde sind betroffen. Zusätzlich hat sie mit ganz anderen Folgen zu kämpfen. Insgesamt haben die Folgeschäden des Bergbaus die Gemeinde bislang über 750 000 Euro gekostet. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Die Gemeinde erwartet weitere erhebliche Kosten.

Allein das Ausbaggern und die Entsorgung des Klärschlamms der Kläranlage Richelsdorf hat die Gemeinde Wildeck seit dem Jahr 1997 insgesamt 315 000 Euro gekostet. Seit 1997 ist das sechs mal vorgekommen. Und die Kosten steigen. 2017 musste die Gemeinde 91 000 Euro aufbringen, zwei Jahre später 100 000 Euro.

Das Kanalsystem beim ehemaligen Gelände der Richelsdorfer Hütte ist veraltet und nicht mehr dicht, berichtet Bürgermeister Alexander Wirth. Das Gelände liegt etwa 600 Meter entfernt vom nordwestlichen Ortsrand. Unter anderem die Schwermetalle Cadmium und Zink, aber auch Arsen belasten das Gelände und die angrenzende Halde. Die Giftstoffe dringen in das Kanalsystem ein und gelangen so in die Richelsdorfer Kläranlage, die am anderen Ortsrand liegt.

Auffällige Werte in der Kläranlage führten erst zur Untersuchung der Richelsdorfer Hütte

„Der Klärschlamm muss in unregelmäßigen Abständen als Sondermüll entsorgt werden. Das ist teuer“, erläutert Bürgermeister Wirth. Man sei Ende der 80er-Jahre durch die gestiegenen Werte in der Kläranlage überhaupt erst darauf gekommen, das Betriebsgelände der Richelsdorfer Hütte näher unter die Lupe zu nehmen.

Auch vier Flächen der Gemeinde, die am Bach Weihe liegen, müssen saniert werden. Dazu gehören der Spielplatz und der Minigolfplatz. Die Sanierung läuft zurzeit. Sie wird die Gemeinde voraussichtlich 300 000 Euro kosten.

Schon beim Bau der Minigolfanlage 2016 war belastete Erde angefallen, die bereits auf die Halde umgelagert worden ist. Die Kosten: 26 000 Euro – unter anderem für den Transport der 50 Container von Biebesheim nach Richelsdorf und zurück.

Gemeinde rechnet mit weiteren bösen Überraschungen beim Straßenbau

Eine böse Überraschung gab es auch bei der Straßen- und Kanalsanierung in der Straße Vor der Gasse im Juli 2017. Dort wurden in der Frostschutzschicht unter dem Asphalt ebenfalls Schwermetalle gefunden. Dabei handelte es sich offensichtlich um Abfallmaterial vom Betriebsgelände der Richelsdorfer Hütte. Die Entsorgung der Erde kostete die Gemeinde 115 000 Euro, berichtet Wirth.

Und das wird nicht die letzte böse Überraschung beim Straßenbau bleiben, ist sich der Bürgermeister sicher. Zurzeit werden in der Kupferstraße nur die Wasserleitungen erneuert. In den nächsten Jahren müssen auch die Gehwege erneuert werden. „Auch da erwarten wir entsprechende Probleme“, betont Wirth. Das Gleiche gilt für den Kastanienweg zwischen den Sportplätzen, der über den Bach Weihe führt. Ein Ende der Kostenlawine ist für die Gemeinde also nicht in Sicht. (René Dupont)

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