Bürgerinitiative gegründet

Arsen-Protest in Richelsdorf: 2000 Postkarten werden in alle Welt verschickt

Die Sanierung der vier Grundstücke der Gemeinde steht kurz vor dem Abschluss. Das Foto zeigt den Bereich um das Wohnhaus.
+
Die Sanierung der vier Grundstücke der Gemeinde steht kurz vor dem Abschluss. Das Foto zeigt den Bereich um das Wohnhaus.

Um den Druck auf das Land Hessen zu erhöhen, geht die neu gegründete Bürgerinitiative in Wildeck-Richelsdorf auf die Straße und startet eine ungewöhnliche Postkartenaktion.

Richelsdorf – Die erste Postkartenaktion, die Dr. Kurt Schreiner gestartet hat, war von Erfolg gekrönt. Sie trug damals in den 90er-Jahren maßgeblich zum Erhalt der Grundschule in Hönebach bei, deren Schließung eigentlich schon beschlossene Sache. Auf seine Anregung hin wollen jetzt auch die Richelsdorfer, die unter den Folgen des Betriebs der Richelsdorfer Hütte leiden, dieses Erfolgsmodell als Instrument des Protests nutzen.

Schreiner, der auch bei der neu gegründeten „Bürgerinitiative Arsen“ mitarbeitet, entwarf eine entsprechende Postkarte mit der Forderung an das Land, sämtliche Kosten der Sanierung der arsen-belasteten privaten und gemeindlichen Grundstücke zu übernehmen.

Post auch für Angela Merkel

Die Postkarten können Interessierte bei Dr. Schreiner in Hönebach oder Dirk Köhler in Richelsdorf erhalten. Interessierte tragen dann sich selbst als Absender ein, kleben eine 60-Cent-Marke auf die Postkarte und wählen einen Adressaten aus, erläutert Schreiner. Als mögliche Vorschläge hat er 80 Adressaten aufgelistet, von Institutionen und Personen, die Einfluss haben in der Gesellschaft. Das reicht von den Politikern, über die Medien bis hin zu den Kirchen. Die Adressen von Angela Merkel und Wolfgang Schäuble sind ebenso dabei wie die von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der hessischen Umweltministerin Priska Hinz. 2000 Karten hat Schreiner drucken lasssen. „Jetzt ist es wichtig, dass sie schnell verschickt werden“, sagt der engagierte Kommunalpolitiker.

Bürgermeister: Seit fünf Jahren gewünscht

„Ich sehe es sehr positiv, dass sich jetzt endlich eine Bürgerinitiative gegründet hat, die ich mir seit fünf Jahren schon wünsche. Es ist hierzu nie zu spät. Und die Gemeinde wird die Initiative nach ihren Möglichkeiten voll unterstützen“. betont Bürgermeister Alexander Wirth.

Die Gemeinde hat mir ihren vier betroffenen Flächen auch ein eigenes Interesse daran. Die Sanierung dieser vier Flächen steht kurz vor dem Abschluss. Dazu gehören der Minigolfplatz, der Spielplatz und der Bereich um das Backhaus und ein Wohnhaus.

Fördergeld für Spielplatz

Wirth geht davon aus, dass der Spielplatz im Spätherbst wieder nutzbar sein wird. Für neue Spielgeräte stehen noch 60 000 Euro an Fördergeld zur Verfügung.

Die Minigolfanlage, die noch gar nicht in Betrieb gegangen war, muss nach dem Austausch des Bodens von der Firma, die sie aufgebaut hat, noch mal wieder komplett in Schwung gebracht werden. Auch der Innenausbau des Wirtschaftshäuschens steht noch bevor. Der Startschuss für die Minigolfanlage wird deshalb erst im nächsten Jahr fallen. (Von René Dupont)

Demonstration am Donnerstag

In Richelsdorf ist vor kurzem die „Bürgerinitiative Arsen“ gegründet worden. Ihr Hauptziel ist, den Druck auf das Land Hessen zu erhöhen, die Kosten für die Sanierung der arsenverseuchten Grundstücke zu übernehmen. Gegründet hat die Initiative Dirk Köhler, der selbst betroffen ist. Bei der Gruppe machen fast alle Richelsdorfer mit, deren Grundstücke saniert werden müssen oder sollen. Die erste Aktion wird eine Demonstration am Donnerstag, 15. Juli, sein. „Wir werden entschlossen gegen die Entscheidung der hessischen Landesregierung vorgehen, die Kosten der Arsenbeseitigung auf die Grundstückeigentümer und die Gemeinde Wildeck abzuladen“, betont Köhler. Die Demonstration startet am Donnerstag um 16 Uhr in Richelsdorf unterhalb des Friedhofs am Kriegerdenkmal. Die Polizei wird die Straße sperren. (dup)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare