Hohe Kosten für Sanierung der Grundstücke

Arsen-Belastung: 250 Bürger demonstrieren in Richelsdorf

Nicht nur die Richelsdorfer sehen das Land Hessen in der Pflicht, alle Kosten der Arsen-Sanierung zu tragen: Dies machten die Menschen bei dem Demonstrationszug durch den Ort gestern Nachmittag deutlich.
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Nicht nur die Richelsdorfer sehen das Land Hessen in der Pflicht, alle Kosten der Arsen-Sanierung zu tragen: Dies machten die Menschen bei dem Demonstrationszug durch den Ort gestern Nachmittag deutlich.

Die Richelsdorfer werden keine Ruhe geben. Sie wollen nicht hinnehmen, dass sie einen großen Teil der Kosten für die Sanierung der verseuchten Grundstücke selbst zahlen sollen.

Richelsdorf - Die Wildecker sind ein liebenswertes, aber eigenwilliges Völkchen. Und manchmal ganz schön stur, vor allem, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen. Das machen 250 Demonstranten allen im Land Verantwortlichen am Donnerstagnachmittag in Richelsdorf nur allzu klar. Auch von dem einsetzenden Regen lassen sich die Protestler nicht beeindrucken. Zum Teil pitschnass, harren sie bis zum Ende aus.

Die Demonstranten fordern, dass das Land Hessen und der Bund 100 Prozent der Kosten für die arsenverseuchten Grundstücke in Richelsdorf übernehmen, „Bevor wir das nicht erreicht haben, werden wir in Richelsdorf keine Ruhe geben“, gibt nicht nur Dirk Köhler, der Sprecher der Bürgerinitiative Arsen, unter lautem Beifall zu Protokoll.

Protestzug ohne Probleme

„Was können wir dafür?“ ist auf einem der vielen Transparente zu lesen, auf einem anderen „Die Landespolitik lässt uns allein“. Ein Mädchen saust mit ihrem Roller mit, eine Mutter trägt ihr Kleinkind auf dem Arm, ein alter Herr hält den Protestzug mit seinem Handy auf Video fest. Junge und alte Richelsdorfer sind auf den Beinen – unterstützt von Menschen aus den anderen Ortsteilen und Nachbarkommunen. Polizei und Feuerwehr sperren die Haupt- und Nebenstraßen ab. Probleme gibt es keine.

„Die Landesregierung lässt uns im Regen stehen“, sagt Köhler und zeigt auf den Himmel, aus dem es gerade schüttet. „Das nehmen wir nicht hin und planen weitere Aktionen“, kündigt er an. Zurzeit werden gerade 2000 Postkarten in alle Welt verschickt. „Wir werden auch den Wahlkampf zur Bundestagswahl im September empfindlich stören.“

Untersuchungen laufen noch

„Ich kann Ihren Ärger und Ihren Frust verstehen“, sagt die Landtagsabgeordnete Kaya Kinkel (Grüne). Sie erinnert an die Kosten, die das Land schon übernommen hat. „Wenn nach den laufenden Untersuchungen feststeht, wie viele Grundstücke betroffen sind, sehen wir, ob die 200 000 Euro, die der Kreistag zur Verfügung stellt, ausreichen, oder ob weitere Unterstützung nötig ist“, sagt Kinkel. „Ich werde weiter am Ball bleiben, damit die Kosten, die für die Betroffenen entstehen, noch weiter gedrückt werden“, betont sie.

Der Herkules fasst sich an den Kopf

„Der Herkules, der aus dem Kupfer aus Richelsdorf hergestellt wurde, würde sich schämen, wenn er reden könnte“, betont Kurt Schreiner. „Er würde anmerken, dass genug Geld da ist, um das Arsen-Problem in Richelsdorf zu lösen. Er würde daran erinnern, dass die Restaurierung seines Standortes etwa 40 Millionen Euro kostet. Auch das Wolfsmanagement hat schon Millionen gekostet. Nur für Richelsdorf reicht das Geld nicht.“ Schreiner trägt ein Transparent mit einem Herkules, der sich an den Kopf fasst, statt nach einer Keule zu greifen.

Bürgerinitiative fordert 100-prozentige Kostenübernahme für Arsenbeseitigung

Die rund 250 Demonstranten forderten vom Land Hessen und vom Bund, 100 Prozent der Kosten für die arsenverseuchten Grundstücke in Richelsdorf zu übernehmen.
Die rund 250 Demonstranten forderten vom Land Hessen und vom Bund, 100 Prozent der Kosten für die arsenverseuchten Grundstücke in Richelsdorf zu übernehmen.
Die rund 250 Demonstranten forderten vom Land Hessen und vom Bund, 100 Prozent der Kosten für die arsenverseuchten Grundstücke in Richelsdorf zu übernehmen.
Die rund 250 Demonstranten forderten vom Land Hessen und vom Bund, 100 Prozent der Kosten für die arsenverseuchten Grundstücke in Richelsdorf zu übernehmen.
Bürgerinitiative fordert 100-prozentige Kostenübernahme für Arsenbeseitigung

„Ich war die vergangenen Jahre an Ihrer Seite und werde es auch in Zukunft sein“ verspricht Landtagsabgeordnete Karina Fissmann (SPD). „Wir alle hier sind nicht die Millionäre aus dem Süden Hessens.“

„Es ist scheißegal, wer die Kohle bezahlt. Nur die Richelsdorfer Bürger dürfen es nicht sein“, solidarisiert sich auch Wilhelm Gebhard, Bürgermeister von Wanfried und CDU-Bundestagskandidat.

Bei dem Zug dabei ist auch der Landtagsabgeordnete Gerhard Schenk (AfD).

„Ein Kleckschen für das Land“

„In Summe hat das Land schon viel an Unterstützung gezahlt“, sagt Wildecks Bürgermeister Alexander Wirth. Auch noch den Rest zu zahlen, wäre für das Land ein Kleckschen, für die Betroffenen aber ein dicker Brocken, sagt der Bürgermeister. (René Dupont)

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