Kommunen beschweren sich über verspätete Briefe

Wieder massive Probleme bei Postzustellung in Hersfeld-Rotenburg

Hersfeld-Rotenburg. Erneut steht die Post im Landkreis Hersfeld-Rotenburg in der Kritik: Mehrere Kommunen beschweren sich über eine unzuverlässige Zustellung von Briefen. 

Bereits im vergangenen Jahr hatte es eine massive Beschwerdewelle gegeben, die Post versprach Besserung. Das hat offenbar nur vorübergehend geklappt.

Betroffen sind nicht nur Privatleute, sondern auch Gemeinden und Städte, die wichtige Unterlagen verschicken müssen. Beschwerden kommen vor allem aus Bad Hersfeld und Alheim. Dort warten Empfänger bis zu zwei Wochen auf wichtige Briefe, sagt Gewerbevereinsvorsitzender Aribert Kirch. Bei der jüngsten und wichtigen Parlamentssitzung der Gemeinde erreichten die Unterlagen trotz frühzeitigem Einwurf bei der Poststelle nicht alle Parlamentarier rechtzeitig. Bürgermeister Georg Lüdtke verglich die moderne Post anschließend mit einem mittelalterlichen Postesel.

In Bad Hersfeld beugt die Verwaltung bereits vor: um Fristen bei den städtischen Gremien einzuhalten, werden wichtige Unterlagen per Bote direkt an die Magistratsmitglieder zugestellt. „Dass wir uns dabei in guter Gesellschaft mit unseren Nachbargemeinden wissen, ist nur ein schwacher Trost“, sagt Bürgermeister Thomas Fehling. Es sei schon mehrfach auf das Problem hingewiesen worden, zum Teil bis in die Vorstandsebene der Post hinein – Erfolg habe das nur vorübergehend gezeigt.

Verzögerungen bei der Zustellung gebe es laut Post nur durch zeitlich begrenzte Engpässe bei den Zustellern: So habe es etwa im Juni einen außergewöhnlich hohen und nicht zu erwartenden Krankheitsstand gegeben. Seit dem 1. Juli seien allerdings fast 20 zusätzliche Mitarbeiter an Bord, die sowohl die kranken als auch die in Urlaub befindlichen Zusteller vertreten, sagt Postsprecher Thomas Kutsch.

So ist die Post im Landkreis organisiert

Die Postzustellung im Landkreis Hersfeld-Rotenburg wird aus dem Zustellstützpunkt mit Leitungsfunktion in Bad Hersfeld gesteuert. Dieser ist für insgesamt 16 weitere Zustellstützpunkte in Osthessen und Westthürigen zuständig. Die Leitungsfunktion ist derzeit kommissarisch besetzt. Etwa 288 Mitarbeiter sind im osthessischen Bereich bei der Post tätig. 183 von ihnen sind Zusteller, die in insgesamt 116 Bezirken austragen. 

Acht Bezirke sind Fußbezirke, der Rest Verbundbezirke – was bedeutet, dass Briefe und Pakete mit dem Fahrzeug zugestellt werden. Die Zusteller bedienen insgesamt rund 70.000 Haushalte. Sie verteilen pro Woche im Schnitt etwa 500.000 Briefe und 35.000 Pakete (Tendenz steigend). Bundesweit erreichen laut Post 93 Prozent der Briefe ihren Empfänger am nächsten Werktag.

Neue Mitarbeiter für Bad Hersfeld

Die gelbe Post ist bei der Briefzustellung nicht zuverlässig – dieser Vorwurf ist nicht neu. Mit Engpässen durch erkrankte Zusteller sei das aber nicht mehr zu erklären, heißt es etwa aus Alheim: „Die Postboten können nichts dafür“, sagt Bürgermeister Georg Lüdtke, die Probleme mit der gelben Post seien systembedingt. Aribert Kirch, Vorsitzender des Alheimer Gewerbevereins, sieht das Problem bei der Monopolstellung der Post: Beim Paketdienst gebe es Konkurrenz, das sei bei der Briefpost im ländlichen Raum nicht der Fall. „Es entsteht der Eindruck, dass Engpässe bei der Paketzustellung auf Kosten der Briefpost ausgeglichen werden“, sagt Kirch. Wochenlanges Warten auf wichtige Briefe sei für die Gewerbetreibenden in Alheim allerdings nicht mehr hinnehmbar. Nach Angaben der Post werden neue Mitarbeiter hauptsächlich in der Paketzustellung eingestellt. 

Haben Pakte also Vorrang vor Briefen? „Nein, jeder vollbezahlte Brief und jedes Paket sind gleichwertig“, sagt Postsprecher Thomas Kutsch. Lediglich Werbesendungen hätten in der Regel eine Laufzeit von vier Tagen, in diesem Zeitfenster könnte die Zustellung für den Kunden variieren. Was die Unregelmäßigkeiten im Zustellbereich Hersfeld-Rotenburg angeht, gibt sich Kutsch zerknirscht: „Jede nicht oder verzögert zugestellte Sendung ist eine zuviel, wofür wir uns bei den Kunden nur entschuldigen können“, sagt er. Etwa 20 zusätzlichen Mitarbeiter für den Zustellbereich würden bereits ausgebildet. Sie sollen ihre Kollegen ab sofort vor Ort unterstützen. Laut Kutsch bleiben die neuen Zusteller bei „entsprechender persönlicher Eignung“ dauerhaft und nicht nur, um einen vorübergehenden Engpass zu überbrücken. Ob die wiederholte Kritik aus dem Landkreis auch personelle Konsequenzen in Bad Hersfeld nach sich gezogen hat, wollte die Post nicht beantworten. 

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Derzeit wird der Zustellungsstützpunkt allerdings kommissarisch geführt. Auf Anfrage unserer Zeitung an die Verwaltungen der Kreis-Kommunen äußerten sich auch Heringen, Rotenburg und Ludwigsau zu Verzögerungen bei der Briefzustellung. Das komme vor, sagt Ludwigsaus scheidender Bürgermeister Thomas Baumann, „Wochen sind aber sicher die Ausnahme“. Der Kontakt zur Post sei eng, bei Problemen werde man informiert. Ähnlich die Situation in Rotenburg: Die Probleme mit der pünktlichen Zustellung von Briefen seien bekannt, „derzeit ist die Lage aber nicht akut“, so Bürgermeister Christian Grunwald. In Heringen gebe es häufiger Unregelmäßigkeiten bei der Auslieferung, heißt es aus dem Rathaus. In manchen Stadtteilen kommt die Post nicht täglich, sondern nur ein- bis zweimal die Woche. Laut Postuniversaldienstleistungsverordnung (PUDLV) muss die Zustellung mindestens einmal pro Werktag erfolgen, 95 Prozent der Briefe müssen bis zum zweiten Werktag nach Eingang ausgeliefert sein. „Wir halten das Postgesetz und die PUDLV ohne wenn und aber ein“, so Kutsch. 

Post-Test: Alle Briefe kamen an

Quelle: HNA

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