Nach Saisonschluss ist noch lange nicht Schluss

Wie die Freibäder im Kreis Hersfeld-Rotenburg überwintern

Im Winterschlaf: Das Schenklengsfelder Freibad ist derzeit fest in der Hand von Regen, Frost, Schnee und Eis. Foto: Kay Thimet/nh

Hersfeld-Rotenburg. Dass in den Freibädern im Landkreis Hersfeld-Rotenburg die letzten Bahnen gezogen wurden, ist mittlerweile vier Monate her. Kay Thimet, der mehrere Bäder betreibt, erzählt, was im Winter dort zu tun ist.

An Sonnenbaden und ausgelassenes Planschen unter freiem Himmel denkt jetzt, Mitte Januar bei Temperaturen um null Grad, wohl niemand mehr. Herrscht in der kalten Jahreszeit in den Freibädern also Winterschlaf?

Einer, der es genau wissen muss, ist Kay Thimet. Der 35-Jährige betreibt vier Freibäder im Landkreis – Nentershausen, Schenklengsfeld, Philippsthal und Kirchheim – und betreut das Freibad Geistal in Bad Hersfeld. Wir haben ihn gefragt: Wie überwintert eigentlich ein Freibad?

„Das Wasser bleibt im Becken“, sagt er. Denn so entstehe der nötige Gegendruck, der die gesamte Beckenkonstruktion vor äußeren Einflüssen schützt. „Das Wasser ist außerdem der ideale Frostschutz“, sagt Thimet. „Nur darf auf keinen Fall eine geschlossene Eisdecke entstehen.“ Der Eisdruck würde das Becken zu stark belasten und Bauschäden verursachen.

Vier Grad unter dem Eis

„Unter der Eisdecke hat das Wasser immer eine Temperatur von vier Grad Celsius“, sagt er und tritt behutsam auf die dünne Eisfläche, die über dem Schwimmbecken des Geistal-Bades liegt, in dem sich noch immer Wasser befindet. Die Decke zerbricht. „Das ist genau richtig so“, weiß der Schwimmbad-Experte, der vor acht Jahren in das Familienunternehmen, den Bäderbetrieb Thimet, eingestiegen ist. In dem Freibad verhindern zudem schwarze Schwimmkörper, dass der Beckenrand gefriert. „Die Polster speichern die Wärme aus dem Sonnenlicht“, erklärt Thimet.

Wenn im September in vielen Bädern im Landkreis die Saison endet, heißt es also nicht, dass sich der Freibadbetreiber in einen langen Urlaub verabschiedet. Im Gegenteil: Bevor es im Frühjahr wieder losgehen kann, müssen erst einmal Inventuren gemacht und die Saison ausgewertet werden. Jeden Winter steht auch ein Treffen mit Vertretern aus der Politik an, um die Saison zu analysieren.

Noch lange nicht Feierabend

„Feierabend“ heißt es mit Ende des Badebetriebs auch für das Schwimmbadpersonal noch nicht. Pflanzen und Liegewiese müssen auf den Winter vorbereitet, außerdem Rohre, Filter und Pumpen entleert, gereinigt und geölt werden. Alle Motoren werden 14-tägig kontrolliert und bewegt, der Sanitärtrakt gereinigt, Arbeitsplätze aufgeräumt und alle einlagerungsfähigen Teile wie Bänke, Rinnenroste und elektrische Geräte winterfest verstaut.

Der Heizungsraum und der Technikkeller müssen zudem stets frostfrei bleiben, also läuft die Heizung hier den ganzen Winter über weiter. Strom- und Heizkosten werden also auch im „Stillstand“ verursacht, wie Thimet sagt. Diese Kosten hielten sich mit 1500 und 2000 Euro für die gesamte Winterzeit allerdings im Rahmen.

In knapp vier Monaten, am 2. Mai, wird Kay Thimet seine Freibäder aus dem Winterschlaf wecken. Und dann werden auch wieder überall Bahnen gezogen. 

  Von Mona Linke

Quelle: HNA

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