Nicht nur Corona-Pandemie stoppte Besucher

Wetter verhagelt Bilanz der Freibäder im Kreis Hersfeld-Rotenburg

Das Bild zeigt zwei Frauen und einen Mann gut gelaunt im Sportbecken des Bad Hersfelder Geistalbads.
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Echte Stammgäste lassen sich von schlechtem Wetter nicht vom Schwimmen abhalten: Das gilt auch für Antje Zündel (vorn), Gisela Birnbaum und Hans Häußler, die den letzten Tag im Bad Hersfelder Geistalbad noch ausgiebig nutzten und in der Wintersaison nun im Hallenbad ihre Bahnen ziehen.

Gleich doppelt getroffen waren einige Freibäder im Landkreis Hersfeld-Rotenburg: Die Corona-Pandemie und das schlechte Wetter haben sich negativ auf die Besucherzahlen ausgewirkt.

Hersfeld-Rotenburg - Schon im vergangenen Jahr waren in allen Bädern des Kreises Hersfeld-Rotenburg deutlich weniger Gäste registriert worden.

Auch Jan Reichardt, Schwimmmeister im Heringer Fritz-Kunze-Bad, macht vor allem das über Wochen wenig sommerliche Wetter für den erneuten Rückgang verantwortlich. 12 075 Besucher wurden zwischen 12. Juni und 10. September gezählt, im vergangenen Jahr waren es rund 15 000. Sonst sind 25 000 bis 30 000 üblich. Lediglich die erste Woche sei super gelaufen. Im Biberbad Bebra verlief die Saison ebenfalls „nicht besser als letztes Jahr“, wie Betriebsleiter Gerald Mock berichtet. Vielmehr lag die Gästezahl noch knapp unter der von 2020 mit rund 8500 Badegästen. Geöffnet war vom 21. Juni bis 10. September. Zum Vergleich: 2019 wurden um die 30 000 Besucher gezählt.

Im Rotenburger Waldschwimmbad habe man sich laut Betriebsleiter Tim Hildebrand nach einem super Start am 12. Juni bis zum Saisonende am 5. September schließlich auf ähnlichem Niveau wie im Vorjahr bewegt. 13 850 Besucher hat Hildebrand verzeichnet.

Besser sah es im Bad Hersfelder Geistalbad aus, für das Kay Thimet zwischen 5. Juni und 15. September fast 35 000 Gäste registrierte. Das Bad war das erste im Kreis, das geöffnet hatte. Im Vorjahr blieb es bei knapp 25 000 Besuchern, 2019 waren es 45 000. „Das Wetter war nichts, aber ich bin echt zufrieden“, so Thimet. Auch in den von ihm betriebenen Bädern in Philippsthal, Kirchheim, Schenklengsfeld und Nentershausen sei die Saison nicht schlechter verlaufen.

Im Badepark Ronshausen ist die Gästezahl trotz des mauen Sommers ebenfalls leicht gestiegen. 6426 Besucher kamen zwischen 10. Juni und 28. August, 6276 waren es im coronagebeuteltem Vorjahr. In Obersuhl wurden mit 5500 Badegästen vom 15. Juni bis 2. September rund 2500 mehr als 2020 gezählt, üblich sind sonst aber 12 000 bis 15 000.

Landkreis unterstützt Betrieb der Freibäder

Da Freibäder in der Regel nicht kostendeckend betrieben werden können, sie aber zur Infrastruktur gehören und der Erholung der Bürger dienen, hat der Landkreis die für die zehn Freibäder im Kreis zuständigen Kommunen auch dieses Jahr – zum dritten Mal in Folge – mit insgesamt 200 000 Euro bedacht. Die Zuschüsse flossen demnach nach Heringen, Ronshausen, Bebra, Rotenburg, Obersuhl, Nentershausen, Schenklengsfeld, Philippsthal, Kirchheim und Bad Hersfeld.

Spontanbesucher fehlten

Zehn Freibäder gibt es im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Während die einen noch weniger Besucher registrierten als im vergangenen Jahr, als die Corona-Pandemie erstmals dazwischenfunkte, waren es in anderen sogar wieder mehr Gäste. Ein Problem aber hatten freilich alle: Das über Wochen wenig sommerliche Wetter hielt viele Spontanbesucher fern.

Auch Jan Reichardt vom Fritz-Kunze-Bad in Heringen hat den Eindruck, dass sich die Corona-Pandemie in diesem Jahr weniger ausgewirkt hat als das schlechte Wetter. Vor allem junge Familien und Jugendliche hätten seinem Empfinden nach kaum Sorge vor Ansteckung im Freibad gehabt und deshalb auf den Besuch verzichtet. Die von der Stadt ausgegebene kostenfreie Ferienkarte für Schüler bis 16 Jahren sei aufgrund des Wetters allerdings kaum genutzt worden. Immerhin gab es in Heringen die Möglichkeit, kurzfristig auch das Hallenbad ab nachmittags noch zu öffnen.

Und aufgrund der vergleichsweise großen Fläche mit rund 20 000 Quadratmetern konnten trotz Pandemie 900 Besucher ins Freibad eingelassen werden. Zeitliche Begrenzungen fürs Schwimmen, feste Zeitfenster und Vorab-Reservierungen hält Reichardt in Freibädern ohnehin für wenig sinnvoll, zum Beispiel weil viele Besucher sich je nach Wetter für einen Besuch entscheiden oder dagegen.

„Viele melden sich an, aber keiner meldet sich ab“, meint auch der Betriebsleiter des Bebraer Biberbads Gerald Mock. Dort gab es drei Zeitfenster mit einer Stunde für die Reinigung dazwischen. 300 Besucher durften zeitgleich ins Bad, 150 gemeinsam ins Becken. „Damit waren nicht alle glücklich“, weiß Mock, wenngleich die Anmeldung bei freien Kapazitäten auch flexibel gehandhabt worden sei. Mit allen von der Politik vorgegebenen Regeln geht Mock ebenfalls nicht konform. So könne man nicht die Vorlage eines Tests verlangen und gleichzeitig erwarten, dass Warteschlangen vermieden werden. „Die regelmäßigen Früh- und Spätschwimmer waren da, aber die große Masse hat gefehlt“, fasst der Betriebsleiter die Saison zusammen.

„Der August war ziemlich mau“, sagt Tobias Bornschier, stellvertretender Betriebsleiter der Wildecker Gemeindewerke. Dort gab es nun auch wieder Jahreskarten und die Tageskarten konnten direkt an der Kasse gekauft werden. Onlinereservierungssysteme seien in vielen kleinen Bädern auch gar nicht vorhanden, weiß Bornschier.

Nur reservierte Tageskarten, keine Zeitfenster gab es im Bad Hersfelder Geistalbad, und auch Saisonkarten wurden in allen „Thimet-Bädern“ verkauft. Von Stundentarifen hält Thimet hingegen nichts, wenn laut Coronaschutzverordnung doch eigentlich Schlangenbildung im Eingangsbereich vermieden werden soll.

Insgesamt habe das Prozedere „super funktioniert“, so Thimet mit Blick auf die Reservierungen. Nachdem man festgestellt habe, dass nicht alle, die angemeldet waren, auch tatsächlich kamen und Gäste, die leer ausgegangen waren, das Nachsehen hatten, habe man schnell „nachjustiert“ und das Kontingent erweitert. „Das System hat gelebt“, so Thimet.

Gerade das Freibad in Schenklengsfeld habe auch dieses Jahr von neuen Kunden aus Nachbarlandkreisen profitiert, wo 2020 Bäder geschlossen oder voll waren. Gleichzeitig sei schlechtes Wetter vor allem für Schenk-lengsfeld und Nentershausen negativ, da dort nur per Solaranlage geheizt wird. Einen Tag geschlossen bleiben musste mitten in der Saison der Badepark Ronshausen. Dort hatten Jugendliche nachts derart randaliert, dass das Bad für die Beseitigung der Schäden sonntags geschlossen werden musste. Es hätte allerdings noch schlimmer kommen können, wenn auch das Wasser hätte abgelassen werden müssen.

Eine positive Bilanz zieht der Betriebsleiter des Waldschwimmbads Rotenburg, Tim Hildebrand von der Bädercoach GmbH, trotz Corona und Regen: „Wir hatten keine Unfälle und die Gäste hatten Spaß.“ Gab es anfangs noch Zeitkarten für vor- und nachmittags, waren unter dem Motto „Urlaub in der Heimat“ ab den Sommerferien dann nur noch Tageskarten erhältlich. (nm)

Die Hallenbäder öffnen nun wie folgt: Bad Hersfeld seit 18. September, Rotenburg ab 25. September, Heringen ab 27. September, Obersuhl ab 10. Oktober

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