Montagsinterview

"Weiche Standortfaktoren zählen": Wirtschaftsförderer Michael Müller über Stärken und Schwächen der Kreisstadt Bad Hersfeld 

Mit dem Blick nach vorn: Michael Müller, Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe der Stadt Bad Hersfeld, vor seinem künftigen Büro in der ehemaligen Schilde-Verwaltung. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Wirtschaftsförderung ist das große Thema von Michael Müller, der seit Beginn dieses Jahres neben Johannes van Horrick als weiterer Geschäftsführer der Bad Hersfelder Wirtschaftsbetriebe arbeitet. Wir haben mit ihm über seine Aufgaben sowie über Stärken und Schwächen der Kreisstadt gesprochen.

Herr Müller, was machen Sie eigentlich genau?

Michael Müller: Ich habe zwei Aufgabenfelder. Einmal die Betreuung kommunaler Hochbau- und Erschließungsmaßnahmen, wie etwa des Umbaus des Stadions an der Oberau, des Feuerwehrgerätehauses in Asbach, des Wohnbaugebietes am Schieferstein oder ganz neu des Gewerbegebietes „Kühnbach“. Der zweite Teil ist, hier eine funktionierende Wirtschaftsförderung aufzubauen, die exklusiv für die Stadt da ist. Dabei geht es nicht mehr wie früher in erster Linie nur um Neuansiedlungen, sondern auch um die Bestandspflege. Das kann die Unterstützung bei Bauvorhaben sein, aber auch Hilfe bei der Suche nach Fachkräften.

Die Position an sich hatte Bürgermeister Thomas Fehling bisher im Nebenjob inne. Und es gibt noch einen zweiten Geschäftsführer. Warum hat man das jetzt neu strukturiert?

Müller: Ich denke, dass der Bürgermeister einer 30 000 Einwohner-Stadt mit vielen Projekten betraut ist. Die Bedeutung der Projekte, die jetzt anstehen, haben es meiner Ansicht nach erforderlich gemacht, einen hauptamtlichen Geschäftsführer einzustellen. der von morgens bis abends mit einer gewissen Vehemenz unterstützt und vollziehen kann. Zudem soll das Themenfeld Wirtschaftsförderung besetzt werden. Seit 25 Jahren bin ich in der kommunalen Projektentwicklung und Wirtschaftsförderung tätig, deshalb hat man sich für mich entschieden.

Stichwort Wirtschaftsförderung. Da gibt es ja bereits eine entsprechende Stelle des Landkreises. Warum geht die Stadt Bad Hersfeld jetzt einen eigenen Weg?

Müller: Die Wirtschaftsförderung des Kreises hat andere Schwerpunkte, die sehr nützlich sind, aber der Stadt Bad Hersfeld nicht ausreichend erscheinen. Neben der Bestrebung, Ansiedlungen zu generieren, geht es bei meiner Tätigkeit gerade auch um die Bestandspflege bereits vorhandener Unternehmen, den Abbau des Fachkräftemangels und den Ausbau des Standort- und Regionalmarketings. Zudem betreue ich kommunale Bauprojekte; gerade diese Aufgabe kann die Wirtschaftsförderung des Kreises nicht leisten.

Wo sehen Sie die Stärken von Bad Hersfeld?

Müller: Eine ganz große Stärke ist die niedrige Arbeitslosigkeit zwischen vier und viereinhalb Prozent, das ist praktisch Vollbeschäftigung. Auch gibt es hier keine Abhängigkeit von einem einzigen Unternehmen, also keine Monostruktur. Wir haben hier einen sehr guten, gesunden Mix von Unternehmen. Seit der Wiedervereinigung ist die Stadt durch die zentrale Lage ein hervorragender Logistik-Standort. Für eine 30 000 Einwohner-Stadt ist auch das Gesundheitswesen mit seinen Kliniken sehr beeindruckend. Auch das Schulwesen ist hier sehr ausgeprägt.

Gesundheit und Schulen - das sind Themen, die in die Zuständigkeit des Kreises fallen. Ihre Arbeit beschränkt sich also nicht nur auf die Stadt.

Müller: Nein, und auch nicht nur auf den Kreis. Das geht viel weiter. Das Standort- und Regionalmarketing muss weiter verstärkt werden. Mittlerweile haben doch alle eine Autobahn, Bahn-Anschluss und einen Flughafen in der Nähe. Es kommt also auf die weichen Standortfaktoren an, dazu zählt auch eine gut funktionierende Wirtschaftsförderung. Gerade große Konzerne sind sehr dankbar für Hilfestellung der Wirtschaftsförderung im Zuge einer Ansiedlung.

Sie sind jetzt drei Monate hier. Haben Sie schon etwas entdeckt, wovon Sie meinen: Das geht gar nicht?

Müller: Es wäre sehr vermessen, nach so kurzer Zeit Kritik in der Form zu üben, dass dies oder jenes gar nicht gehe. Aber ich habe feststellen müssen, dass Bad Hersfeld kaum noch über ausreichende Gewerbeflächen verfügt. Hier sollte über eine Neuausweisung von Gewerbegebieten und/oder das Recyceln von Brachflächen nachgedacht werden.

Dann mal anders formuliert: Was hat Ihnen bisher gefallen und was nicht so?

Müller: Gefallen hat mir die Zusammenarbeit mit den Gremien und der Verwaltung, auch mit meinem Mit-Geschäftsführer Johannes van Horrick klappt das sehr gut. Aber vielleicht gibt es in der Selbstdarstellung Nachholbedarf. Wir sollten schon bestrebt sein, die Erkennbarkeit von Bad Hersfeld überregional zu stärken.

Zur Person 

Michael Müller (58) stammt aus Erkenschwick, ist Jurist und arbeitet seit den 90er Jahren in leitenden Positionen in der Wirtschafts- und Strukturförderung sowie in der Bauwirtschaft. So war er beispielsweise für das Neue Gymnasium in Bochum, den Indemann im Kreis Düren oder die Film-Autobahn von RTL verantwortlich. In Bad Hersfeld hat er die Projektleitung für die Stadionanlage Oberau, die Fußgängerbrücke über die Fulda und das Feuerwehrgerätehaus in Asbach übernommen. Müller ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern. Zur Familie gehört auch eine „relativ großer Zoo“ mit Schäferhund und Katze. (ks)

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