65-Jähriger geht in Rente

Wechsel am Dirigentenstab des JGS-Blasorchesters: Leiter Manfred Schmidt hört auf

Förderer der Städtepartnerschaft: Manfred Schmidt mit dem Rotenburger Blasorchester in Argentan.
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Förderer der Städtepartnerschaft: Manfred Schmidt mit dem Rotenburger Blasorchester in Argentan.

Das Ensemble ist für den Rotenburger eine Herzensangelegenheit.

Rotenburg – Dreimal hat er sich schon von der Jakob-Grimm-Schule verabschiedet: 1975 als Abiturient, 1984 als Referendar und am 31. Januar 2021, einen Tag nach seinem 65. Geburtstag, als Lehrer für Musik und Religion. Jetzt hat Manfred Schmidt auch den Dirigentenstab für Bläserklassen und Blasorchester an Alisa Walter weitergereicht.

Als Honorarkraft mit Lehrauftrag gibt er in diesen Gruppen noch bis zu den Sommerferien den Ton an. Danach wird Michael Horber, Musik- und Mathematiklehrer und Trompeter, gemeinsam mit Alisa Walter Bläserklassen und Blasorchester leiten.

Gerne hätte Schmidt im vergangenen Jahr das zehnjährige Bestehen des JGS-Blasorchesters im Schlosspark gefeiert. Die Veranstaltung war schon bis ins kleinste Detail geplant, musste aber wegen der Pandemie abgesagt werden. Das war eine herbe Enttäuschung für Manfred Schmidt. Denn das Ensemble ist für den gebürtigen Rotenburger eine Herzensangelegenheit. Und alles Üben, Lernen und Perfektionieren läuft schließlich auf ein Ziel hinaus: gemeinsam in einer Gruppe und vor einem Publikum zu musizieren.

Geprägt vom Posaunenspiel des Vaters begeisterte sich der junge Manfred Schmidt schon früh für die Musik. Er bekam Orgel- und Klavierunterricht und spielte im Posaunenchor der Chrischona-Gemeinde. In den Oster- und Sommerferien fuhr der 14-Jährige zu Organisten-Kursen mit dem Zug nach Schlüchtern. Mit 16 Jahren bestand er die Organistenprüfung in Theorie und Praxis.

Auch die Vorbereitungen für die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule Hannover liefen parallel zu Abi-Arbeiten und anderen schulischen Herausforderungen. Von 120 Bewerbern wurden 30 angenommen. Darunter ein glücklicher Manfred Schmidt.

Obwohl er hin und wieder mit dem Gedanken spielte, Kirchenmusiker zu werden, entschied er sich für die Schulmusik und das gymnasiale Lehramt mit dem Hauptfach Orgel. Das zweite Unterrichtsfach, Evangelische Religion, studierte Schmidt in Göttingen und Hildesheim. Und von 1975 bis 1984 leitete er den Jugendchor der Chrischona-Gemeinde in Heinebach. 1979 heiratete der Student seine Ehefrau Jutta. Justin, das erste Kind, kam im Juni 1982 – drei Wochen vor dem Ersten Staatsexamen – zur Welt.

Nach dem Referendariat bekam er den Lehrauftrag am Werner-von-Siemens-Gymnasium in Bad Harzburg. Da hat der Mann, der gerne Strukturen für Schulmusik schafft, bis zu seinem Abschied 2006 Spuren hinterlassen. Er gründete Chöre in Mittel- und Oberstufe, auch Lehrer-Kollegen begeisterte er für den Chorgesang.

Zur Expo installierte er mit Künstlerkollegen Lautsprecher in Kastanienbäumen – unterlegt mit Alltagsgeräuschen und der Toccata von Bach. Er schuf eine Klang-Skulptur mit 2000 unterschiedlich befüllten Mineralwasser-Flaschen und kam damit sogar ins Guinnessbuch der Rekorde.

Zurück im heimatlichen Rotenburg musste Manfred Schmidt dickere Bretter bohren. Für sein Konzept von Bläserklassen und Blasorchester gab es neben Unterstützung auch Vorbehalte. Immerhin ging es um eine Summe von 25 000 Euro für die 25 Instrumente der ersten Bläserklasse.

Doch Schmidt gab nicht auf. Ging in Sitzungen der Gewerbetreibenden in Rotenburg. Er überzeugte zum Beispiel Uwe Schöberlein, der als einer der ersten die Patenschaft für eine Posaune übernahm. 2010 war das Blasorchester geboren mit der Dream-Team-Leitung Schmidt/Walter und den zwei K – Kontinuität und Kreativität. Mittlerweile sind bis zu 60 Musikerinnen und Musiker im Blasorchester, und es gibt nach wie vor ein großes Interesse für die Bläserklassen. Höhepunkte gab es viele. Doch einer bleibt für Manfred Schmidt außergewöhnlich: das gemeinsame Konzert mit dem Heeresmusikkorps Kassel 2019.

Viele schöne Erinnerungen behält Manfred Schmidt in diesen Tagen in seinem Herzen: Die umjubelten Musikveranstaltungen für die Aktion Advent der HNA, die Benefizkonzerte in der Rotenburger Jakobikirche, die Proben-Tage in der Landesmusikakademie in Schlitz und sowieso: die Begegnungen mit jungen und begeisterungsfähigen Menschen. „Ich habe – außer einer Oper – die ganze Bandbreite schulischer Musik umgesetzt“, sagt er zufrieden. Und irgendwie klingt das bescheiden.

Gelassen und erwartungsvoll zugleich sieht er der Zukunft entgegen. Musik wird immer eine Rolle spielen. Auch Architektur und Heimatgeschichte sind Themen, für die er sich interessiert. Aber eines ist Manfred Schmidt noch wichtiger: „Der Glaube an Christus hat mich immer getragen. Er hat mir stets sehr viel Kraft gegeben.“ (Susanne Kanngieser)

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