Gegen die Übersäuerung des Bodens

Kalk rieselt für gute Böden in Ronshausen

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Kontrolle: Wolfgang Adam vom Forstamt Rotenburg mit einer der Wannen, die zur stichprobenartigen Messung im Wald ausgelegt werden. Damit wird überwacht, ob die Kalkmenge pro Quadratmeter stimmt. 

Ronshausen/Hönebach. Hubschrauber und Radlader folgen einer strengen Choreografie, die sich in kaum dreiminütigem Takt und hoher Geschwindigkeit wiederholt: In immer derselben Kurve nähert sich der Hubschrauber und setzt den an ihm befestigten Behälter auf den Boden.

In etwa 20 Metern Höhe steht er in der Luft, während der Radlader den Behälter befüllt und sich im Rückwärtsgang rasch entfernt. Über dem Wald bei Ronshausen wird derzeit Kalksand verstreut, um so die Bodenqualität zu verbessern.

In Auftrag gegeben hat die Maßnahme das Forstamt Rotenburg. Dieses ist gesetzlich verpflichtet, auf diese Weise der Übersäuerung des Bodens entgegenzuwirken. Umweltverschmutzung durch Auto- und Industrieabgase sowie Stickstoff-Freisetzung, etwa durch Tierhaltung, seien Gründe dafür, dass sich der Säurewert des Bodens verändere, erklärt Forstamts-Mitarbeiter Wolfgang Adam. Der leicht alkalische Kalk „puffert den Säurewert im Boden ab“, so Adam.

Nachladen: Der Behälter, der am Hubschrauber hängt, wird mit Kalk befüllt.

Durch den Kalk, der sich ganz langsam zersetze, wird der Boden belebt. Die Feinwurzeln der Bäume bilden sich besser aus, so dass diese mehr Wasser und Nährstoffe aufnehmen können. Bäume werden dadurch „stressfester“, sind beispielsweise in längeren Trockenperioden weniger anfällig für Käfer.

Seit fast 40 Jahren wird der Wald daher gekalkt, früher vom Boden aus per Gebläse, heute per Hubschrauber aus der Luft. Über jedem Waldgebiet werde dieser Vorgang etwa alle zwölf Jahre wiederholt, erklärt Adam. Per Bodenanalyse findet das Forstamt mit Hilfe eines Labors heraus, welche Maßnahme wo erforderlich ist und macht einen passgenauen Plan. Adam: „Wir kennen unsere Böden gut und wissen, wie sie reagieren.“

1200 Hektar in Arbeit

Die überwiegend zum Revier Ronshausen und zu kleinen Teilen zum Revier Hönebach zählende Waldfläche, die momentan gekalkt wird, umfasst 1200 Hektar. 3600 Tonnen Kalksand aus einem Bruch am Meißner werden dort verteilt, also 300 Gramm pro Quadratmeter.

Circa eine Tonne Kalksand kann der am Hubschrauber befestigte Behälter aufnehmen, die der geübte Pilot Bahn für Bahn über den Wald rieseln lässt – so sorgfältig, dass die vom Forstamt stichprobenartig gemessene Menge pro Quadratmeter überall nur minimal vom Sollwert abweicht. Die Kosten von etwa 300 Euro pro Hektar trage das Land Hessen, sagt Wolfgang Adam. Bis Anfang April soll der Vorgang abgeschlossen sein.

Von dem Kalk-Granulat gehe keine Gefahr aus, sagt Adam. Selbst, wenn er unvorhergesehener Weise auf ein Beet rieseln sollte, könne etwa gewaschener Salat trotzdem verzehrt werden.

Das Forstamt bittet Anwohner aber um Verständnis für mögliche Lärmbelästigungen und Waldbesucher darum, Hinweisschilder zu respektieren.

Quelle: HNA

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