„Mehr als zehn Tage Party“

Vor dem Hessentag in Bad Hersfeld: Interview mit Hofgeismars Bürgermeister Markus Mannsbarth

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Beim Hessentag 2015 mit Ministerpräsident Volker Bouffier: Hofgeismars Bürgermeister Markus Mannsbarth (Zweiter von links). 

Bad Hersfeld. Etwas mehr als ein Jahr noch, dann wird in Bad Hersfeld der Hessentag gefeiert. Vom 7. bis 16. Juni 2019 findet das Landesfest in der Kreisstadt statt – so richtig euphorisch scheinen viele Bürger und Verantwortliche aber noch nicht zu sein.

Wir haben mit Hofgeismars Bürgermeister Markus Mannsbarth über positive Auswirkungen, die Herausforderungen und Tipps gesprochen.

Hofgeismar war 2015 Hessentagsstadt. Was ist davon „hängengeblieben“?

Markus Mannsbarth: Wir waren die erste Stadt, die damals im konsumtiven Bereich stärker vom Land unterstützt wurde als die Städte zuvor, und zwar mit 3,5 Millionen Euro für den Fest- beziehungsweise Partybereich. Zudem gab es Geld für die sogenannten Hessentagsprojekte.

Die drei großen Projekte, von denen wir auf lange Sicht profitieren, sind das neu gebaute Bahnhofsgebäude sowie die Sanierung der Fußgängerzone und eines historischen Fachwerkgebäudes am Marktplatz, die noch nicht abgeschlossen ist. Darüber hinaus sind wir dank des Hessentags in das Förderprogramm ‘Aktive Kernbereiche’ gekommen, von dem wir auch in den nächsten Jahren noch zehren und das uns Fördermittel im insgesamt zweistelligen Millionenbereich beschert. Das sind Projekte, die für die Stadtentwicklung entscheidend sind und die wir sonst nicht hätten angehen können. Vom ersten Hessentag in Hofgeismar 1978 zeugt zum Beispiel immer noch das Sportstadion.

Und sonst?

Mannsbarth: Das Stimmungsbild in der Stadt hat sich dank der vielen begeisterten Besucher ebenfalls verändert. Viele Bürger haben unsere schöne Fachwerkstadt nach dem Hessentag wieder anders wahrgenommen. Und auch daraus ist ein Förderprogramm für Eigentümer entwickelt worden – ein voller Erfolg, 40 Gebäude wurden seitdem saniert.

Kulturell und touristisch hat sich ebenso einiges entwickelt. Es hat sich ein Kulturverein gegründet, der von Lesungen bis Open-Air-Veranstaltungen auch heute noch ein attraktives Angebot bietet, und wir registrieren seitdem stetig steigende Übernachtungszahlen, sowohl auf dem Wohnmobilstell- und Campingplatz als auch in den Hotels. Viele Besucher des Hessentags kommen wieder und sehen sich unsere Stadt in Ruhe an.

Gab es denn auch in Hofgeismar anfangs Skeptiker und Kritiker?

Mannsbarth: Ja. Denn es ist von Anfang an klar, dass so ein Hessentag ein paar Millionen Euro an Steuergeld kostet und man als Stadt nicht alle Ausgaben durch Sponsoring, Ticketeinnahmen etc. ausgleichen kann. Man legt immer drauf, die Frage ist nur, wie viel ... Wir sind mit dem kalkulierten Defizit von Anfang an offen umgegangen, und heute würde wohl niemand mehr sagen: Hätten wir besser auf den Hessentag verzichtet. Wer seinen Geburtstag feiert, legt auch drauf und bekommt den Gegenwert nicht in Geschenken zurück. Das ist die falsche Betrachtungsweise.

Sie haben rund 1,3 Millionen Euro „draufgelegt“ – das waren weniger als zunächst kalkuliert.

Mannsbarth:Wir haben immer versucht, unseren Hessentag zu feiern und die Kosten so gering wie möglich zu halten. Wir haben zum Beispiel bewusst auf den Hessen Palace verzichtet und stattdessen eine weniger teure regionale Bühne durchgesetzt, wo ausschließlich Künstler aus der Region aufgetreten sind. Eine echte Bilanz ziehen lässt sich aber eigentlich ohnehin erst zehn bis 15 Jahren später.

Was hat Sie besonders überrascht?

Mannsbarth: Sehr beeindruckt war ich von der offenen und positiven Stimmung in der Stadt sowie den vielen positiven Rückmeldungen, ob von Besuchern oder anfangs kritischen Bürgern.

Was man wirklich nicht unterschätzen darf, ist der große Aufwand für die Stadtverwaltung. Gerade kurz bevor es losgeht, ist man Tag und Nacht im Dauereinsatz und da fließen auch schon mal Tränen.

Genießen kann man das Ganze eigentlich erst nach zwei, drei Tagen.

Welche Fehler sollten Hessentagsstädte unbedingt vermeiden?

Mannsbarth: Schwierig zu sagen. Wir sind alle keine Profis bei der Organisation von Großveranstaltungen, nicht jeder Hessentag ist gleich und es gibt immer Fettnäpfchen, in die man treten kann. Unsere oberste Priorität waren kurze Wege, was ein großer Vorteil bei der Infrastruktur ist. Aber das ist eben nicht überall möglich. Tipps kann man sich natürlich auch von den ehemaligen Hessentagsstädten holen.

Wie haben Sie sich vom Land unterstützt gefühlt?

Mannsbarth: Ein wichtiger Ansprechpartner ist der Hessentagsbeauftragte des Landes, und man wird zu allgemeinen Themen wie Sicherheit und Künstlerbuchung beraten. Aber das Land kann eben auch nur beraten, umsetzen muss jede Stadt das Ganze selbst. Und ja, so ein Hessentag macht richtig viel Arbeit.

Was können Sie den Organisatoren und Bürgern in Bad Hersfeld mitgeben?

Mannsbarth: Der Hessentag ist definitiv mehr als zehn Tage Party und kann einen riesigen Impuls geben. Wenn der Entschluss steht, sollten auf jeden Fall alle an Bord sein, ihren Teil beitragen und sich gemeinsam freuen. Nur wenn sich die Besucher gut aufgehoben und betreut fühlen, hat die Veranstaltung einen Mehrwert. So etwas bleibt im Gedächtnis, nicht ob Herbert Grönemeyer gut gesungen hat.

Ganz wichtig ist die Eigen-identifikation – wer sind wir und was wollen wir vermitteln? Das muss rüberkommen, und so zieht man auch die Einwohner auf seine Seite. Wir hatten beispielsweise auch nicht das typische Hessentagspaar, sondern stattdessen Dornröschen und seinen Prinzen, weil wir uns als Dornröschenstadt vermarkten.

Würden Sie den Hessentag noch einmal ausrichten?

Mannsbarth: (lacht und überlegt) Zumindest nicht in den nächsten Jahren. Der Hessentag war ein tolles Fest, aber noch einmal kann ich das meinen Mitarbeitern so schnell nicht zumuten. Für die nächsten Jahre besuchen wir den Hessentag gerne und genießen ihn in vollen Zügen.

Dann kommen Sie nächstes Jahr auch nach Bad Hersfeld?

Mannsbarth: Mit Sicherheit.

Hintergrund: Hessentag in Hofgeismar

Hofgeismar mit seinen rund 16 000 Einwohnern war vom 29. Mai bis zum 7. Juni 2015 Hessentagsstadt. 750 000 Besucher wurden damals gezählt, erwartet hatte man 700 000. Das Festzelt stand mitten in der Stadt, direkt an der Hessentagsstraße, die Hessentagsarena auf einer Wiese in der Nähe des Bahnhofs und des Großparkplatzes für Pkw an der Ortsrandlage. Unter anderem traten in der nordhessischen Kleinstadt Herbert Grönemeyer und die Fantastischen Vier auf. Größte Veranstaltung war die Just-White-Party mit rund 30 000 Besuchern.

Quelle: HNA

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