Schlechte Ernte fast überall

Viehfutter wird knapp: Landwirte im Kreis leiden unter Trockenheit

Waldhessische Steppe: (von links) Landwirt Ralf Diegel, Lohnunternehmer Kai Schmauch, Friedhelm Diegel, Vorsitzender des Kreisbauernverbands, und Anke Roß, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes auf einer Weide im Cornberger Ortsteil Königswald.

Hersfeld-Rotenburg. Durch die extreme Trockenheit der vergangenen Wochen wird bei den Landwirten im Kreis das Viehfutter knapp.

Weil nicht genügend Gras nachwächst, konnten die Wiesen in diesem Jahr seltener gemäht werden. „Beim zweiten Silageschnitt haben bereits 40 Prozent der Erntemenge gefehlt. Der dritte Schnitt ist komplett ausgefallen“, berichtet beispielsweise Landwirt Ralf Diegel aus dem Cornberger Ortsteil Königswald.

Der Zukauf von Futter scheitere oft daran, dass die Erntemenge flächendeckend niedrig ausgefallen ist. „Alle Landwirte haben das gleiche Problem“, verdeutlicht der Vorsitzende des Kreisbauernverbands, Friedhelm Diegel, aus dem Alheimer Ortsteil Erdpenhausen. Auch finanzielle Unterstützung helfe deshalb nur bedingt: „Geld nützt nichts, wenn es kein Futter zu kaufen gibt“. Zwar seien Importe aus weniger von der Dürre betroffenen Gebieten in Süddeutschland denkbar, allerdings lasse sich Gärfutter nur schlecht ohne Qualitätsverlust über weite Distanzen transportieren. „Dafür bieten sich vor allem Heu und Rübenschnitzel an“, erklärt der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes.

Überzähliges Getreidestroh, das sonst als Dünger auf dem Feld gehäckselt wurde, hätten die Landwirte in diesem Jahr als Futterreserve eingelagert oder an Berufskollegen abgegeben.

Den Viehbestand kurzfristig zu reduzieren, sei ebenfalls schwierig. Für Jungrinder gebe es derzeit kaum Abnehmer, berichtet Kreisbauernverbands-Geschäftsführerin Anke Roß: „In der aktuellen Situation stellt sich niemand zusätzliche Fresser in den Stall.“

Bereits Anfang August und damit so früh wie selten zuvor hat im Landkreis die Maisernte begonnen: Angesichts vertrockneter Pflanzen und kleiner Kolben rechnen die Landwirte auch hier mit Einbußen. 

Zuckerschnitzel, um über den Winter zu kommen

Um über den Winter zu kommen, hat Ralf Diegel Zuckerrübenschnitzel bestellt. „Ob ich wirklich welche bekomme, weiß ich allerdings nicht“, erklärt der Landwirt aus Königswald schulterzuckend. Rund 100 Milchkühe sowie deren Nachkommen stehen in seinen Ställen und auf den Wiesen rund um den Cornberger Ortsteil. Mit zwei Hilfskräften bewirtschaftet die Familie rund 200 Hektar Acker- und Grünland. Wobei „grün“ für die Wiesen derzeit nur bedingt zutrifft: „Heu am Stiel“, scherzt der Landwirt beim Blick auf die trockenen Grasstängel auf der Weide hinter dem Kuhstall am Ortsrand. 

Auf dem Futtertisch der Tiere landet bereits die Silage, die der Landwirt als Vorrat für den Winter eingebracht hat. „Gute Qualität“, freut sich der Ralf Diegel. Die Erntemenge lasse hingegen zu wünschen übrig. Eigentlich sollten die Fahrsilos, in denen der vergorene Grasschnitt gelagert wird, jetzt gut gefüllt sein. Tatsächlich ist einer der Futterspeicher bereits zur Hälfte geleert. Er wolle die Lage nicht zu pessimistisch sehen, betont Ralf Diegel. Dennoch: Einen derart extremen Sommer habe es in den vergangenen Jahren nicht gegeben, betont der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Friedhelm Diegel. Leidtragende seien insbesondere die Viehhalter. Steigende Preise infolge geringerer Erntemengen kämen nicht bei ihnen an, sondern würden durch höhere Ausgaben für den Futterzukauf aufgefressen. 

Aber auch die Lohnunternehmer bekommen die Trockenheit zu spüren: Weggefallene Heu- und Silageschnitte bedeuten weniger Betriebsstunden für ihre Maschinen und damit auch geringere Umsätze. Sein Ladewagen sei in diesem Jahr deutlich seltener im Einsatz gewesen, als üblich, berichtet etwa der Königswalder Lohnunternehmer Kai Schmauch. Von den Weideflächen oberhalb des Dorfes fällt der Blick auf die umliegenden Maisfelder. Zwischen den Pflanzenreihen schimmert der braune Ackerboden hindurch. In Kürze beginnt die Maisernte – die ebenfalls deutlich geringer ausfallen wird als üblich. 

Eine schlechte Ernte lasse sich auch durch Hilfszahlungen nur bedingt ersetzen, sind sich die Landwirte einig. „Bei einer vorzeitigen Auszahlung der Prämien kommt das Geld trotzdem nur einmal“, verdeutlicht Ralf Diegel. Und die in Aussicht gestellten staatlichen Dürrehilfen? Der Landwirt winkt ab: „Es wäre mir lieber, wenn ich mehr Futter im Silo liegen hätte“. (jce)

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