Erleichtert nach Votum des Parteitages

Staatsminister Roth über Koalitionsverhandlungen und Fehler der SPD

+
Wirbt für die GroKo: Michael Roth 

Bad Hersfeld. Der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete und Staatsminister Michael Roth wirbt für die Fortsetzung der Großen Koalition auf Bundesebene. 

In diesen Schicksalswochen für die deutsche Sozialdemokratie ist auch Staatsminister Michael Roth viel unterwegs. Eben noch beim EU-Ministerrat in Brüssel, nimmt er sich Zeit für ein Gespräch mit Haunecks Bürgermeister Harald Preßmann über Probleme mit der Umgehungsstraße. Zwischendrin ein Redaktionsgespräch bei unserer Zeitung. Doch bevor es richtig losgeht, klingelt das Telefon. „Andrea Nahles, da muss ich rangehen“, entschuldigt er sich. „Es ging um Terminabstimmungsfragen“, sagt er hinterher. Über Posten wird erst später geredet.

Erleichterung über Aufnahme von Koalitionsverhandlungen

Michael Roth wirkt erleichtert nach dem Votum des Sonderparteitags, nun doch Koalitionsverhandlungen aufzunehmen. „Die SPD kann nicht für ein paar Jahre zur Kur gehen und dann genesen zurückkommen“, sagt er. Opposition bedeute nicht automatisch, dass die Partei dadurch auch stabiler werde. 

Selbstkritisch spricht Roth über Fehler der SPD in den vergangenen Wochen. Zu lange habe man über „merkwürdige Konstruktionen“ wie die Tolerierung einer Minderheitsregierung oder eine KoKo (Kooperationskoalition) diskutiert. „Taktieren bringt uns nichts, nur mit offenem Visier nötigen wir den Menschen auch Respekt ab.“ Roth wirbt für eine stabile Regierung für Europa und lobt die Ergebnisse der Sondierungsgespräche. 

Dennoch liege jetzt, bei den Koalitionsverhandlungen, erneut alles auf dem Tisch. Selbstbewusst spricht er über die zurückliegenden vier Jahren. „Man muss sich für das Regieren nicht schämen“, sagt er, „und meine Arbeit hat dem Wahlkreis sicher nicht geschadet“, schiebt er hinterher. Roth macht keinen Hehl daraus, dass er auch in einer neuen Regierung gern wieder Regierungsverantwortung übernehmen würde.

„Ich habe gute Arbeit gemacht und gezeigt, was ich kann.“ Europa liege ihm weiter sehr am Herzen. Aber bei der Postenvergabe spielten am Ende auch das Geschlecht, die regionale Herkunft und viele andere Faktoren eine Rolle.

Neue Regierung soll vor Ostern stehen

Vor einer möglichen Neuauflage der Großen Koalition steht aber ohnehin noch ein Mitgliederentscheid. „Davor habe ich keine Angst, denn Sozialdemokraten sind Menschen, die in der Mitte des Lebens stehen.“ Das habe er zuletzt ganz deutlich beim Neujahrsempfang seines Heimat-Ortsvereins in Heringen gespürt. Zunächst habe es auch dort viel Skepsis gegeben. „Aber Zweifel kann man mit guten Argumenten ausräumen.“ Natürlich komme es aber auf die Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen an.

„Wir müssen jetzt in die Puschen kommen, vor Ostern ist die neue Regierung in trockenen Tüchern“, sagt er optimistisch. Doch er weiß, dass es bis dahin noch vieler guter Argumente bedarf. Dafür wirbt er – in Brüssel, Hauneck und heute wieder in Berlin.

Quelle: HNA

Kommentare