Gemeinde Alheim hat Zaunbau ausgeschrieben

Verein „Niederellenbacher See“ kritisiert Bürgermeister Lüdtke

Das Bild zeigt den Niederellenbacher See, der von Steilwänden umgeben ist.
+
Laut Gutachten teilweise einsturzgefährdet: das Gelände rund um den Niederellenbacher See.

Rund um den Niederellenbacher See hat der Alheimer Gemeindevorstand den Bau eines 120 Zentimeter hohen Maschendrahtzauns ausgeschrieben – das sorgt für Aufregung.

Alheim - Der Bau des Zauns sei gesetzlich vorgeschrieben, um das Betretungsverbot auf dem laut einem Gutachten einsturzgefährdeten Gelände durchzusetzen, so Bürgermeister Georg Lüdtke auf Nachfrage unserer Zeitung. Kritik kommt vom Verein „Niederellenbacher See“.

Die Gruppe von Bürgern, die das Areal kaufen möchte, werde von der Gemeinde schon seit Monaten hingehalten, kritisiert der stellvertretende Vorsitzende Martin Gundlach. Mit dem Zaun sollten nun „Fakten geschaffen werden, die den Interessen der Niederellenbacher Bürger und denen des Vereins zuwider laufen“. Ausgeschrieben sei ein Zaun von 1200 Metern Länge, obwohl sich die gefährlichen Erdlöcher nur auf einer Fläche von rund 100 Quadratmetern befänden. Lüdtke verweist darauf, dass im Gutachten, in dem die Instabilität des Geländes festgestellt wurde, zunächst sogar ein deutlich größerer abgesperrter Bereich empfohlen worden war, gesichert mit einem Bauzaun, bis ein Meter Höhe mit Maschendrahtgeflecht verstärkt. Das war aber nicht möglich, weil man auch für das Anlegen einer solchen Zaunanlage die gefährdeten Bereiche betreten müsste. Entsprechend weiträumig sollte nun die Umzäunung umgesetzt werden. Das habe der Städte- und Gemeindebund dringend empfohlen.

Gundlach weist auch darauf hin, dass die einsturzgefährdete Fläche zu großen Teilen nicht der Gemeinde, sondern der Kirche gehört. Laut Lüdtke finden Abstimmungsgespräche mit der Pfarrei Oberellenbach statt, was dem Verein auch bekannt sei. „Ich weiß von der Ausschreibung offiziell nichts“, sagt hingegen Mario Schneider, Vorsitzender der Johanneskirchengemeinde, zu der unter anderem Ober- und Niederellenbach gehören. Die Gemeinde habe sich diesbezüglich nicht beim Kirchenvorstand gemeldet. Die letzten Gespräche mit der Gemeinde hätten im September stattgefunden. Der Kirchenvorstand könne sich gut vorstellen, dem Verein das Gelände über eine Pacht oder einen Grundstückstausch zur Verfügung zu stellen. Die Verkehrssicherungspflicht hat auf ihrem Gelände auch die Kirche. „Wenn da etwas getan werden muss, müssen wir etwas tun. Aber es bräuchte erst einen Beschluss des Kirchenvorstands.“

Gundlach kritisiert auch, dass der Ortsbeirat „mal wieder nicht informiert oder gar um Stellungnahme gebeten“ worden sei. Das bestätigt Ortsvorsteher Wolfgang Gaber, der ebenso wie Bürgermeister Lüdtke in der SPD ist. „Es wäre natürlich nicht verkehrt gewesen, wenn der Ortsbeirat dazu seine Meinung abgibt“, sagt Gaber.

Laut Gundlach würde der geplante Zaun bedeuten, dass das Gelände nicht mehr für die Jagd zur Verfügung stünde und somit auch die Jagdpacht, mit der im Ort gemeinnützige Projekte finanziert werden, wegfallen würde. Im Ergebnis könne nur vermutet werden, dass Lüdtke aufgrund „persönlicher Befindlichkeiten“ mit allen Mitteln versuche, den Verkauf an den Verein zu verhindern. Gundlach kritisiert, dass es nie zu einem Runden Tisch gekommen sei, den die Gemeinde eigentlich versprochen hatte.

Vereinsvorsitzender Gerhard Wagner hat am Donnerstag in einer E-Mail an Lüdtke, die beiden Bürgermeisterkandidaten, Kirchenvertreter und Presse verkündet, dass er sein Amt ebenso wie den Vorsitz in der Jagdgenossenschaft niederlegt. „Ich sehe mich persönlich gescheitert und in Zukunft keine Motivation mehr, ein Ehrenamt zu bekleiden.“ Es sei ihm in elf Monaten nicht gelungen, zu sachlichen Verhandlungen mit Lüdtke und der Gemeindevertretung zu kommen.

Das sagt der Bürgermeister:

Die „unglaubliche, böswillige Unterstellung“, er wolle den Verkauf an den Verein verhindern, was Vorstandsmitglieder „dem Vernehmen nach“ auch bei Wahlkampfveranstaltungen geäußert hätten, weise er strikt zurück, so Bürgermeister Georg Lüdtke. Das Gegenteil sei der Fall. Der Vereinsvorstand solle lieber im Hinblick auf eine mögliche Übernahme des Sees die Haftungsrisiken klären, denn die Vereinsmitglieder müssten bei einem Kauf dafür gerade stehen.

Ein von der Gemeinde angebotener Runder Tisch mit Kirche und Verein hätte, so Lüdtke, dafür sorgen sollen, dass man sich vertrauensvoll und sachlich hätte austauschen können und das Thema aus dem Wahlkampf heraushalte. „Die Entwicklungen und unter die Gürtellinie gehende Vorwürfe gegen den Bürgermeister von Akteuren aus Niederellenbach bis in die Gegenwart schließen dies nun aus“, sagt Lüdtke.

(Christopher Ziermann)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare