Parlament in Alheim votiert einstimmig, keine pauschale Absage ans Baden

Umstrittener Zaun um den Niederellenbacher See wird gebaut

Eine Idylle, die für Streit sorgt: Über die Zukunft des Niederellenbacher Sees, der für viele als Geheimtipp für Badespaß galt, wird in Alheim seit gut zwei Jahren diskutiert.
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Eine Idylle, die für Streit sorgt: Über die Zukunft des Niederellenbacher Sees, der für viele als Geheimtipp für Badespaß galt, wird in Alheim seit gut zwei Jahren diskutiert.

Die Alheimer Gemeindevertretung votierte am Dienstag einstimmig dafür, dass die Firma Beisheim auf eigene Kosten einen 1,20 Meter hohen Zaun um das Gelände des Niederellenbacher Sees bauen soll.

Alheim - Damit war längst noch nicht alles gesagt, obwohl die Kommunalpolitiker zunächst festgestellt hatten, dass bereits alles gesagt sei.

„Da draußen stehen Leute, die wollen demonstrieren. Wir müssen erklären, was wir entscheiden und warum“, appellierte Norbert Viereck (CDU). Mehr als 20 Jugendliche und junge Erwachsene waren gekommen, um zu untermauern, was Jörg Becker mit seinem Vorschlag eines Badesees verdeutlichen wollte: Das Interesse, baden dürfen, ist groß. Die jungen Leute mussten fast alle im Eingangsbereich und vor dem Bürgerhaus ausharren, weil coronabedingt die Zahl der Zuschauer begrenzt war. Bürgermeister Jochen Schmidt (parteilos) hatte zuvor betont, dass Becker mit seinem Vorschlag (wir berichteten) weder den Verein Niederellenbacher See noch irgendeine andere bestimmte Gruppierung vertrete, „sondern nur für sich selbst spricht“.

Bezüglich des Zauns bestand Einigkeit unter den Gemeindevertretern: Er muss gebaut werden, um der Verkehrssicherungspflicht gerecht zu werden, und das möglichst schnell. Auch die Grünen betonten, dass sie grundsätzlich nichts gegen einen Zaun hätten – sondern lediglich Bedenken haben, ob er derzeit umzusetzen ist. CDU-Mann Norbert Viereck war der Erste, der sich in der Debatte klar an die Jugendliche wandte. Die seien nicht gekommen, weil sie wissen wollten, was für ein Zaun gebaut wird – sondern weil sie erfahren wollten, ob die Chance besteht, irgendwann im See baden zu dürfen. „Es geht nicht darum, Spielverderber zu sein. Ich wäre der Erste, der für das Baden wäre. Aber als Privatmann würde ich niemals die Verantwortung dafür übernehmen. Deswegen kann das die Gemeinde auch nicht“, sagte er. Gerhard Wagner (Grüne) fügte hinzu, dass der Bedarf nach einem Badesee klar zu erkennen sei. Vielleicht gebe es die Möglichkeit, einen anderen See in der Gemeinde dafür auszuweisen.

Neue Töne kamen dann vom SPD-Fraktionsvorsitzenden Heinz Schneider. „Wenn der Verein Niederellenbacher See ein Nutzungskonzept aufstellt, in dem auch die Möglichkeit zum Baden enthalten ist, wären wir nicht dagegen. Wir wollen raus aus der Haftung. Für die Gemeinde wäre die Sache mit einem befriedigenden Pachtvertrag erledigt.“ Damit machte er klar, dass die Frage nach dem Für und Wider des Badens intern im Verein geklärt werden könne.

Wie genau ein Pachtvertrag für das Gelände aussehen soll, das stand am Dienstag noch gar nicht zur Debatte. Am Runden Tisch mit Gemeindevorstand, Gemeindevertretern, Kirche, Firma Beisheim und dem Verein Niederellenbacher See war man übereingekommen, dass Verein und Beisheim sich darüber verständigen. Als Ziel wurde dort die Weiterentwicklung des Biotops genannt. Details sollen bis zur nächsten Gemeindevertretersitzung erarbeitet werden, damit das Parlament dann über den Pachtvertrag abstimmen kann.

Der Gemeindevertretervorsitzende Marc Heinzerling (SPD) hatte vor Beginn des Tagesordnungspunktes mehrfach alle Beteiligten um Contenance gebeten und den jungen Leuten in der Zuschauermenge erklärt, dass Wortmeldungen aus dem Publikum nicht berücksichtigt werden könnten. In einem Freudschen Versprecher redete er gar von „Gemeindeaufstand“ statt Gemeindevorstand. Ein Aufstand blieb an diesem Abend aber aus.

Nein zu Grünen-Antrag

Zur Beurteilung des Geländes wollten die Grünen ein Konzept anfertigen lassen mit der Frage: Wie viele Ökopunkte sind zu erzielen? SPD, CDU und FDP sahen dafür keine Notwendigkeit. Das Ergebnis bleibe das gleiche – man wolle verpachten. Richard Berge (ebenfalls CDU) meinte, dass bei der Pachtpreisfestlegung der Wert des Geländes ohnehin ermittelt werden müsse. Auch Leonhard Häde (FDP) sagte, die Frage der Ökopunkte komme mit dem Pachtvertrag auf den Tisch. Heinz Schneider (SPD) schlug den Grünen vergeblich vor, dass sie den Antrag zurückziehen und erneut stellen, wenn es um den Pachtvertrag geht. Abgelehnte Anträge können erst nach zwölf Monaten erneut gestellt werden. Der Antrag wurde von CDU, SPD und FDP abgelehnt. Erfolg hatte die kleinste Fraktion mit der Forderung nach Akteneinsicht. Die soll im Haupt- und Finanzausschuss gewährt werden. 

(Christopher Ziermann)

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