Vier Festtage auf dem Kuckucksmarktgelände 

Wie aus Turnern Fußballer wurden: Der TV Braach feiert 100. Geburtstag

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Fleißige Pyramidenbauer waren die Braacher Turner über Jahrzehnte hinweg. Dieses Foto entstand 1932.

Der Turnverein 1919 Braach, wie man ihn heute kennt, ist das Ergebnis einer Provokation.

„Jubiläum – der TV Braach schläft schon zehn Jahre“ war an einem Wagen zur Kirmes im Jahr 1973 zu lesen. Georg Kries malte die Schilder, der spätere Vorsitzende Helmut George lag in Turnerkleidung mit weißem Bart als schlafender TV Braach auf dem Wagen. Die Folge: hitzige Diskussionen im Festzelt. Was war passiert?

Turnen, Leichtathletik, Fußball, Handball, Tischtennis, Theater – das Sport- und Freizeitangebot des Turnvereins in Rotenburgs zweitgrößtem Ortsteil war vielfältig. Doch gegen Ende der 60er-Jahre kam das Vereinsleben zusehends zum Erliegen. Der Fußballbetrieb der Männer ruhte gar schon seit 1952.

Aber: Gekickt wurde in Braach auch zu dieser Zeit. Bis zu 20 Fußballbegeisterte trafen sich regelmäßig auf dem Alten Sportplatz und bolzten bis zum Dunkelwerden. Zehn Braacher trugen das Trikot des heutigen Lokalrivalen TSV Baumbach. Die Voraussetzungen waren also da. Und es schien, als habe das gesamte Dorf nur darauf gewartet: Nach der Neugründung der Fußballabteilung 1974 konnte man aus dem Stegreif zwei Männermannschaften, ein Alte-Herren-Team und eine Schülermannschaft melden. Der TV Braach als Fußballverein war geboren.

Turnen an der Linde

Gegründet wurde der Turnverein in einer Hochphase des Amateursports im Deutschen Reich: die Zeit vor und nach dem Ersten Weltkrieg. Hauptsportart war das Turnen, wo es auch eine sehr aktive Damenriege gab. Geübt wurde an der Alten Linde an der Baumbacher Straße. 1930 stellte die Gemeinde dem TV ein Wiesengrundstück zur Verfügung: das, auf dem heute der Trainingsplatz der Fußballer ist. Doch der Verein war auch im Fußball, Handball und in der Leichtathletik aktiv – wenn auch größtenteils nicht im offiziellen Wettkampfbetrieb.

Theatergruppe

Nach dem Krieg hatte der Verein mit wirtschaftlichen Zwängen zu kämpfen: Es fehlte an neuwertigen Turngeräten. Um die Kassen zu füllen, gründeten die Mitglieder eine Theatergruppe. Der Fußballspielbetrieb konnte nur für einige Jahre aufrecht erhalten werden. Nach der Fertigstellung des Dorfgemeinschaftshauses 1954 wurde Tischtennis als neue Sportart etabliert. Insgesamt verschob sich der Schwerpunkt des Vereinslebens aber: Der TV organisierte Tanzveranstaltungen und Ausflugsfahrten. Geturnt wurde nur noch gelegentlich.

Heimatlose Fußballer

Ab 1974 war der TV nur noch dem Namen nach ein Turnverein. Die Fußballer waren es, die den Klub wieder lebendig werden ließen. Allerdings fehlte ein Fußballplatz. So begann die Zeit, die man im Verein heute rückblickend als Bauwagenzeit bezeichnet. Gespielt und trainiert wurde auf dem Rotenburger Wittich, wo der Verein keine Räumlichkeiten hatte.

Die Braacher Fußballer kickten bis 1983 neun Jahre lang auf dem Rotenburger Wittich. Von Anfang an dabei war Hilmar Bodes, der bei der Neugründung der Fußballabteilung in der A-Jugend spielte. Als Umkleidekabinen fungierten Bauwagen. „Da gab es im Winter einen Ofen, an dem sich der ein oder andere mal den Hintern verbrannt hat. Im Sommer haben wir uns bei schönem Wetter draußen umgezogen“, erinnert sich der 61-Jährige. 

Sie waren beim Neustart dabei: die Erste Mannschaft der Saison 1974/75 mit (hinten, von links) Joachim Wacker, Heinrich Wacker, Kurt Aschenbrenner, Georg Heyer, Werner Blankenbach, Helmut George, Karl-Heinz Dürnbeck und (vorne, von links) Wolfgang Gruber, Walter Willich, Roland Heinze und Bernd Körbe.

Nach den Spielen ging es zum Duschen ins Dorfgemeinschaftshaus nach Braach, wo es Badewannen und Duschen gab, die in den 50er-Jahren gebaut wurden, als noch nicht jeder ein Bad zu Hause hatte. Einen Aufenthaltsraum hatten die Fußballer nicht. „Wir haben uns nach dem Duschen meistens mit einer Kiste Bier vors DGH gesetzt. Es ist auch öfter vorgekommen, dass schick angezogene Hochzeitsgäste am Sonntag zum Kaffeetrinken da waren, während Spieler halb nackt durch den Flur gelaufen sind“, sagt Bodes. 

Nach einigen Jahren nutzten die Fußballer den Alten Sportplatz, der für ein komplettes Fußballfeld nicht groß genug war, zumindest fürs Training – mit einer selbst gebauten Flutlichtanlage. Weil es am Sportplatz damals keinen Strom gab, mussten die Spieler stets ein Aggregat zum Sportplatz transportieren. „Einer musste immer im Kofferraum sitzen und das Teil festhalten“, sagt Bodes. 

Kampf für Sporthaus

Mehr als ein Jahrzehnt lang kämpfte der Verein darum, im eigenen Dorf einen Fußballplatz, der auch den Anforderungen für den Spielbetrieb entspricht, und ein Sporthaus einzurichten. Der Vorstand wollte eigentlich einen neuen Sportplatz unterhalb des Forsthauses, wo man die Braacher Schule als Vereinsheim hätte nutzen können. Das zerschlug sich aber wegen schwieriger Grundstücksfragen. 1983 schließlich wurde endlich der neue Sportplatz gegenüber vom alten eingeweiht. Erst 1985 konnten allerdings die Planungen für ein Sporthaus beginnen, das 1991 – dank erheblicher Eigenleistungen der Mitglieder – fertig wurde. Weil es keine Kneipe gab, wurde das Sporthaus zum Treffpunkt für das ganze Dorf.

Das Sporthaus des TV Braach gibt es erst seit 1991.

Sportliche Erfolge

Die erste Meisterschaft des TVB gelang 1987 der Reserve in der damaligen Kreisliga D. 1997 hätte die Erste Mannschaft fast den Aufstieg in die Bezirksliga geschafft, scheiterte aber knapp in der Relegation. Nach dem Abstieg 2005 spielte der Verein elf Jahre lang in der Kreisliga B. 2009 verpasste man den Wiederaufstieg knapp, als man erneut in der Relegation scheiterte. 2016 gelang der Doppelaufstieg beider Männermannschaften. Mittlerweile hat sich der Verein in der Kreisliga A etabliert.

Drei Jugendteams

In der Jugend ging der TV Braach 2006 eine Spielgemeinschaft mit dem SV Rotenburg und später auch mit dem SC Lispenhausen ein – die Mannschaften spielten regelmäßig in der Gruppenliga Fulda. Seit zwei Jahren stellt der TV Braach wieder eigene Jugendmannschaften: mit einer Bambini, einer F-Jugend und der derzeit einzigen weiblichen Bambini im Landkreis.

Das Jubiläumsprogramm

Gefeiert wird auf dem Festplatz vor dem Dorfgemeinschaftshaus. Los geht es am heutigen Donnerstag mit einem Festkommers, der um 19 Uhr beginnt. Neben Ehrungen und Reden gibt es ein Showprogramm der Sportabteilung und Musik vom Männergesangverein Braach. 

Zur Zeltdisco spielt am Freitag ab 21 Uhr das Disco-Team X-Cite auf. Der Eintrittspreis beträgt 2 Euro. 

Ganz im Zeichen der Kinder steht zunächst der Samstag. Ab 14 Uhr lädt der TV Braach zum Familientag mit Attraktionen wie Bogenschießen, Wasserspielen und natürlich Spielen mit dem runden Leder ein. Um 18 Uhr beginnt eine kostenlose Kinderdisco. Ab 21 Uhr steht die Coverband Rockpirat auf der Bühne. Sie spielt Evergreens aus den 80er- und 90er-Jahren und aktuelle Lieder. 

Der Sonntag beginnt mit einem Gottesdienst im Festzelt um 10 Uhr, anschließend Frühschoppen. Ab 14 Uhr zieht der Festzug durchs Dorf. Zum Dorftratsch mit Kaffee und Kuchen wird ab 16 Uhr ins Festzelt eingeladen, ab 18 Uhr gibt es eine Tombola.

Quelle: HNA

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