"Sprechen uns klar gegen Rasen aus" 

Tuning-Begeisterte präsentierten ihre Fahrzeuge in Rotenburg 

Michael Mangold aus Eschwege mit seinem Bricklin SV-1. 

Rotenburg. Der Ruf der Szene ist nicht unbefleckt: Wer sein Auto aufmotzt, wird schnell mit Rasern gleichgesetzt. Ein Vorurteil, mit dem der Tuning Day von Acrophobia Germany auf dem Rotenburger Festplatz aufräumte.

Die Veranstaltung zog viele begeisterte Motorsport- und Tuningfans aller Altersklassen an. Die Tuner präsentierten sich nicht nur markenoffen, sondern beantworteten auch offenherzig alle Fragen rund um ihre Leidenschaft.

„Natürlich gibt es schwarze Schafe. Die hat man aber überall“, sagte der erste Vorsitzende Sascha Hebel aus Schenklengsfeld. „Unser Verein spricht sich klar gegen illegale Rennen und das Rasen aus.“ Viel mehr seien diejenigen, die so viel Zeit, Energie und Herzblut in ihre Autos stecken, eher übervorsichtig im Umgang mit ihren Fahrzeugen und achteten besonders auf die Qualität der verbauten Teile. Zudem seien vor allem die Fahrer darauf bedacht, den schlechten Ruf nicht auch noch zu bestätigen: „Viele von uns achten schon sehr penibel auf die Straßenverkehrsordnung“, erklärte Hebel. Problematisch sei nur, dass die Lautstärke der Fahrzeuge oftmals mit Geschwindigkeit gleichgesetzt werde.

Gegründet wurde Acrophobia Germany im Jahr 2005. Acrophobie ist die Angst vor einem Aufenthalt in größeren Höhen. Auf den Verein und die Tuningszene bezogen ist es eine Anspielung auf das Tieferlegen der Fahrzeuge. Zunächst war es eine kleine Gruppe, die gemeinsam an Autos schraubte und Treffen besuchte. Es lag nahe, auch einen Verein für Tuningfans zu gründen. Nach nunmehr 13 Jahren umfasst der etwa 30 Mitglieder: „Dass sich ein Verein in der Szene so lange hält, ist außergewöhnlich und darauf sind wir besonders stolz“, erklärte Kassierer Daniel Menge aus Rotenburg.

Umbauten in Absprache mit TÜV 

Besonders viel Zeit und Energie hat Patrick Stock aus Neuhof bei Fulda in seinen VW Golf Baujahr 1988 investiert. Das Auto ist seit knapp 30 Jahren in Familienbesitz. Seit er es von seinem Vater übernommen hat, wurden unzählige Umbauten vorgenommen. Verbreiterte Radkästen, ein anderer Motor samt Vergaser, Überrollkäfig und das Entfernen der Rückbank waren nur ein Bruchteil der Veränderungen. Die extremen Umbauten erfolgten alle in Absprache mit dem TÜV: „Da muss man den Dialog suchen. Hinfahren, fragen ob ein Plan so umzusetzen ist und die nötigen Gutachten holen“, erklärt Stock.

Heiß geliebt: Patrick Stock aus Neuhof bei Fulda mit seinem getunten VW Golf, Baujahr 1988. 

Einen wahren Exoten mit absoluten Seltenheitsfaktor hat Michael Mangold aus Eschwege. Der Bricklin SV-1 wurde in Kanada ausschließlich für den amerikanischen Markt gebaut. Über einen Sammler aus der Schweiz landete das Fahrzeug schließlich vor sechs Jahren bei Mangold: „In den ersten zwei Jahren habe ich nur an der Technik gearbeitet, weil das Auto nicht fahrbereit war“, berichtet der Tuningfreund. Da das Auto mit Ford-Großserientechnik gebaut wurde, konnte er sich gut im Ersatzteilmarkt bedienen. Seine Wahl fiel auf Teile des Ford Mustang. In Deutschland sind nur drei weitere Bricklin SV-1 registriert. Eine absolute Rarität also. Was so ein Auto wert ist, könne Mangold nicht abschätzen – hergeben wolle er es sowieso nicht.

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