Zu viel Bürokratie, zu wenig Personal

Trotz voller Auftragsbücher: Baubranche in der Region wird ausgebremst

Hersfeld-Rotenburg. Die Bauwirtschaft in der Region hat so gut zu tun wie lange nicht, der Bedarf ist aktuell sehr groß. Auch Geld ist in den Kassen genug vorhanden, sowohl bei öffentlichen als auch bei privaten Investoren.

Der Branche eröffnen sich also eigentlich glänzende Perspektiven – doch sie hat mit einigen Problemen zu kämpfen.

Eines davon ist der Nachwuchsmangel. „Das Problem ist sicherlich in der Branche allgemein und auch bei uns vorhanden“, erklärt der Bad Hersfelder Bauunternehmer Rolf Räuber. Der Bau sei dabei insofern besonders betroffen, dass er in vielerlei Hinsicht einen schlechten Ruf habe. Harte körperliche Arbeit, Montagetätigkeit, schlechte Bezahlung – all dies schrecke junge Menschen wohl ab. „Dabei muss man jedoch mal ganz deutlich sagen, dass es sich im Wesentlichen um althergebrachte Vorurteile handelt“, stellt er klar.

Dass der Bau nach wie vor als „schmutzige Branche“ gelte, bestätigt auch die Vorsitzende des Bezirks Nordhessen des Bauindustrieverbands Hessen-Thüringen Dr. Anne Fenge und ein anderer Branchenriese aus der Region, das Kirchheimer Unternehmen Bickhardt Bau, kennt diese Probleme ebenso. Thorsten Sindel, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Firma, sieht im Bauhandwerk ein Akzeptanzproblem: „Ganz nach dem Motto: Diese Plackerei tue ich mir nicht an!“, sagt er.

Eine weitere Wachstumsbremse der Branche liegt zudem im Bereich der Genehmigung von Bauvorhaben. Zum einen ist das Planungsrecht kompliziert und langwierig, zum anderen mangelt es in staatlichen Bauämtern oft an Kapazitäten – Verzögerungen von Projekten sind die Folge. Von solchen Erfahrungen weiß auch Sindel zu berichten: Oft sei es schon vorgekommen, dass Geld vorhanden war, doch noch keine ausschreibungsreifen Planungen vorlagen. (kma/jop)

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