Die Arbeitsgemeinschaft Land- und Wasserwirtschaft (AGLW)  hat 350 Proben in Wasserschutzgebieten genommen

Trinkwasserschutz zeigt Erfolge: Böden in Hersfeld-Rotenburg haben sehr gute Werte

Mit dem Geländewagen auf dem Feld am „Junkers Weinberg“ oberhalb von Rotenburg: Christian Rüppel (links) hat Proben für die AGLW genommen, rechts im Bild: Dr. Wolff-Günther Gebauer von der AGLW. Im Hintergrund der Hof Meyfahrth. Wenn dieser im nächsten Jahr Mais anbauen möchte, muss er diesen kaum noch zusätzlich zu düngen. Fotos:  Schankweiler-Ziermann

Hersfeld-Rotenburg. Christian Rüppel sitzt hinter dem Steuer eines Geländewagens und fährt mitten im Herbst über ein Feld mit frischem Grün. Was aussieht wie eine Geländefahrt mit hohem Spaßfaktor, hat einen ganz handfesten Hintergrund.

Freude hat der 34-Jährige aus Erkshausen aber trotzdem an seinem Job. Er zieht ein paar Pflanzen aus dem Boden, schüttelt vorsichtig die krümelige Erde ab und ist begeistert vom Wurzelgeflecht. Dabei zeigt er auf kleine weiße Kügelchen zwischen den feinen Wurzeln: Die Knöllchen, aber auch die gesamte Pflanze sind vollkommen natürlicher Dünger für die Sommergerste oder den Mais, die der Landwirt Jörg Meyfahrth im nächsten Frühjahr hier aussäen wird. Der Klee bindet in den Knöllchen sogar den Stickstoff aus der Luft.

Meyfahrth wird hier kaum noch künstlichen Dünger dazukaufen müssen, weil der Klee, Phacelia, Rauhafer und Ramtillkraut, die jetzt als Zwischenfrucht wachsen, beim ersten Frost abfrieren werden. Auch dann schützen sie über den Winter hinweg den Boden, sodass er bei Regen nicht weggeschwemmt werden kann. Im Frühjahr dienen sie zudem als Gründünger. Das hat nicht nur Vorteile für den Bauern, sondern auch fürs Trinkwasser, weil die Pflanzen den gedüngten beziehungsweise den Bodenstickstoff aufnehmen, kann er nicht mehr in Form von Nitrat in das Grundwasser gelangen.

Teurer Dünger eingespart

Dass diese Art der Bewirtschaftung bestens funktioniert, zeigen Bodenproben. Christian Rüppel fährt deshalb mit dem Offroader kreuzweise über die mit Zwischenfrüchten bewachsenen Felder. Bei dem Geländewagen, der mit Breitreifen ausgestattet ist, fehlt der Unterboden, und es ist ein langer Bohrer dort eingebaut, wo sich normalerweise der Beifahrer- und der Rücksitz befinden. Der Bohrhammer, mit dem Rüppel pro Feld 16 Proben nimmt, macht einen Höllenlärm. Jeweils in drei verschiedenen Tiefen entnimmt der Landwirtschaftsmeister Erde.

Im Eisenstab des Bohrhammers steckt eine 90 Zentimeter lange Bodenprobe.

Die Proben werden gekühlt zur Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt nach Kassel gebracht und dort analysiert. Die Ergebnisse geben dem Konzept der AGLW recht: Der Reststickstoff, der sich vor dem Winter noch im Boden befindet, ist bei fast allen Proben extrem gering. Das bedeutet: Die Landwirte haben so optimal gewirtschaftet, dass kein teurer Dünger (Stickstoff) ungenutzt ausgewaschen werden kann, der dann das Grundwasser belasten würde. 

Die Wurzeln der Pflanzen lockern den Boden und binden Stickstoff aus Luft und Boden.

Fruchtbarkeit bleibt erhalten

Insgesamt hat die AGLW 350 Bodenproben in Wasserschutzgebieten ihres Bereichs genommen. Die Ergebnisse zeigen einen sogenannten Reststickstoff im Boden von 40 bis 45 Kilogramm Nmin pro Hektar – außergewöhnlich gute Werte, sagt Dr. Wolff-Günther Gebauer von der AGLW. Die Arbeitsgemeinschaft berät die Landwirte und kümmert sich um den Schutz des Trinkwassers. Der Nmin-Wert gibt Aufschluss über den Gehalt eines Bodens an verfügbarem mineralisierten Stickstoff. Die Grenzwerte sind für den Nmin-Gehalt nicht festgelegt, angestrebt werden Werte von unter 45. Das gute Ergebnis zeige, dass die Empfehlungen der AGLW zur Düngung und Saatdichte umgesetzt würden, erklärt Gebauer. Auch Landwirtschaftsmeister Christian Ruppel spricht von einem vernünftigen System. „Es geht auch anders“, sagt er, das zeigten die Ergebnisse der Proben. Ressourcen wie Dünger sollten nicht verschleudert werden. So gibt es im Fuldatal um diese Jahreszeit kaum noch unbestellte Ackerflächen. Fast überall wächst wieder Getreide oder eine Zwischenfrucht. Mais ist eine besonders problematische Frucht in Wasserschutzgebieten – nicht so im Gebiet der AGLW, die 13 Kommunen aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg betreut, außerdem Herleshausen, Ringgau und Eiterfeld. Die Erträge bei Mais seien hoch, die Bodenfruchtbarkeit bleibe erhalten, so Gebauer.

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