Vermieter sagten aus

Totschlagsprozess von Lispenhausen: Angeklagter blieb am Tatort unbemerkt

Rotenburg/Lispenhausen: 36-Jähriger aus Rotenburg vor GerichtAnklage: Die Ehefrau umgebracht und die Wohnung angestecktFulda. Wegen Totschlags und vorsätzlicher Brandstiftung muss sich seit heute ein 36-Jähriger aus dem Rotenburger Stadtteil Lispenhausen vor dem Schwurgericht des Landgerichts Fulda verantworten. Staatsanwalt Andreas Hellmich wirft ihm vor, am 17. Oktober vergangenen Jahres seine von ihm getrennt lebende Ehefrau erwürgt oder erdrosselt zu haben. Im Anschluss soll er ein Sofa und mehrere Kissen angezündet haben, um Spuren zu verwischen. Verteidiger des Angeklagten ist der Rotenburger Rechtsanwalt Harald Ermel. Die Fuldaer Strafkammer hat zunächst 15 Verhandlungstermine anberaumt, die bis in den September reichen.
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Muss sich wegen des Vorwurfs des Totschlags vor Gericht verantworten: Ein 36-Jähriger aus Rotenburg (rechts) mit seinem Anwalt Harald Ermel.

Fulda. Er selbst hat eingeräumt, am Tatabend vor Ort gewesen zu sein, auch die Ortung seines Handys spricht dafür: Doch bemerkt wurde die Anwesenheit des Angeklagten nicht.

Am 17. Oktober vergangenen Jahres wurde im Rotenburger Stadtteil Lispenhausen seine von ihm getrennt lebende Ehefrau getötet.

Vor dem Schwurgericht des Landgerichts Fulda haben am Donnerstag die Vermieter und Nachbarn der 33-Jährigen ausgesagt, die nach einem verheerenden Schwelbrand in ihrer Wohnung – Sachschaden rund 180 000 Euro – nur noch tot geborgen werden konnte. Dass nicht das Feuer die Ursache ihres Todes war, sondern dass sie erwürgt oder erdrosselt worden war, stellte sich erst später heraus (unsere Zeitung berichtete).

Zuletzt gesehen wurde die Frau, die die Zeugen als „superliebenswert“ charakterisiert haben, gegen halb sechs. Dann gingen die Vermieter und deren Tochter eigene Wege. Ein Spaziergang, Abendessen, Tagesschau und ein Kartenspiel – bis gegen 20.25 Uhr das Feuer bemerkt wurde.

Weder wurde in diesem Zeitrahmen ein fremdes Auto auf dem Hof bemerkt, noch erinnerte sich jemand an Scheinwerferschein in der Zufahrt. „Kann sein, kann nicht sein“, hieß es.

Der 36 Jahre alte Ehemann war den Vermietern bis dahin kaum bekannt. Von Aggressivität seinerseits oder ständigem Zwist wussten die Zeugen ebenfalls nichts – mit Ausnahme des Streits unter den Eheleuten um das Sorgerecht für die beiden Kinder.

Der Angeklagte hatte in seiner Aussage berichtet, gegen halb acht die Schulranzen der Kinder in Lispenhausen abgeholt zu haben. Gegen 20 Uhr wollte er schon wieder daheim in Seifertshausen gewesen sein. Die Auswertung seines Handys ergab jedoch eine mögliche Anwesenheit am Tatort bis um 20.17 Uhr – was der 36-Jährige bestreitet. Der Prozess wird fortgesetzt. Von Karl Schönholtz

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