Weniger Veterinäre für Rinder und andere Nutztiere

Tierärzte werden knapp: Auch Kreis Hersfeld-Rotenburg droht Versorgungslücke

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Silvia Nattermüller aus Niedergude ist Landtierärztin aus Leidenschaft. Sie behandelt vorwiegend Rinder.

Hersfeld-Rotenburg. Während es für Kleintiere genug Veterinäre gibt, sieht es bei Groß- und Nutztieren anders aus. Auch in Hersfeld-Rotenburg könnte eine Versorgungslücke drohen.

Für Groß- und Nutztiere könnten in Hessen nach Einschätzung der Landestierärztekammer bald Veterinäre fehlen. Denn gerade in ländlichen Gebieten praktizieren immer weniger „Einzelkämpfer“, heißt es.

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gibt es offenbar noch keine gravierenden Probleme bei der Versorgung im Nutz- beziehungsweise Großtierbereich, wie der Leiter des Veterinäramts, Dr. Thomas Berge, mitteilt. Wenn der gegenwärtige Trend anhalte, drohe in manchen Gebieten allerdings irgendwann eine Versorgungslücke. Ähnlich äußern sich die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbands, Anke Roß, und der Vorsitzende Friedhelm Diegel.

Von Jahr zu Jahr vergrößern sich laut Berge die Gebiete, in denen die Praxen ihre Kunden haben, was längere Anfahrtswege zur Folge habe. Das mache die Arbeit nicht gerade attraktiver. Und: „Gerade im Rinderbereich können lange Anfahrtswege zum Problem werden, denn hier gibt es noch die klassischen Notfälle, wie Schwergeburten und festliegende Kühe“, erklärt Berge.

Aktuell gebe es im Kreis Hersfeld-Rotenburg noch „eine Handvoll“ Praxen, die landwirtschaftliche Nutztiere behandeln. Die gleiche Anzahl an Tierärzten sei allerdings relativ nah an der Kreisgrenze niedergelassen und etwas mehr als eine Handvoll komme von weiter her, um hiesige Tierbestände zu betreuen. „In Summe haben wir es mit etwa 20 verschiedenen Praxen zu tun, die im Bereich Nutztiere im Landkreis Hersfeld-Rotenburg tätig sind“, rechnet Berge vor.

Wie in allen Bereichen schreite auch in der Tiermedizin die Spezialisierung voran. „Der Allrounder, wie es ihn früher gab, ist selten geworden.“ Der Trend gehe hin zur reinen Kleintierpraxis oder zum reinen Spezialisten für Pferde, Rinder, Schweine oder Geflügel. Im Jahr 2010 gab es laut Bundestierärztekammer in Hessen noch 53 Tierärzte für Nutztiere, 2016 waren es nur noch 26. 

Hintergrund: Wenig Nachwuchs für Großtiere

Für den befürchteten Mangel im Bereich Groß- und Nutztiere nennen die Vertreter der Tierärzte mehrere Gründe. Ein Problem ist laut Ingo Stammberger, Präsident der Landestierärztekammer, unter anderem die Rufbereitschaft, der Notdienst am Abend und am Wochenende. Immer weniger Landtierärzte seien bereit, diesen zu übernehmen. Oft gibt es auch gar keine Kollegen, mit denen man sich abwechseln kann. Zuletzt hätten zudem viele Kliniken ihren Klinikstatus aufgegeben, die somit beim Notdienst ebenfalls ausscheiden. 

Darüber hinaus sei der Großteil der Tiermedizinabsolventen weiblich; für Frauen ist die körperlich anstrengende Arbeit mit Rindern und Co. aber oft unattraktiv beziehungsweise nicht leistbar. „Für Großtiere kriegt man wenig Nachwuchs“, sagt Hans-Günter Uhl vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte. (nm)

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Quelle: HNA

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