Seltenes Phänomen

Tausende Zugvögel sind geschwächt im Fuldatal gestrandet

Hersfeld-Rotenburg. Sie liegen zu Dutzenden tot am Straßenrand oder halten sich mit letzter Kraft  in der Luft: Tausende Zugvögel sind am Wochenende im Fuldatal gestrandet.

Viele Menschen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg haben die auffällig tieffliegenden oder toten Vögel am Wochenende bemerkt. Wir haben mit Heinrich Wacker, Umweltbeauftragter der Stadt Rotenburg und Vogelkenner, über das seltene Phänomen gesprochen. 

Herr Wacker, in kürzesten Abständen liegen tote Vögel am Straßenrand. Was ist los?

Heinrich Wacker: Tausende Vögel hatten am Wochenende einen Zugstau, die Tiere sind bei uns regelrecht gestrandet. Die Vögel kommen von Süden, nördlich und östlich vom Fuldatal liegt aber Schnee. Also machen sie hier Station. Durch die niedrigen Temperaturen und den eisigen Wind sind sie aber stark geschwächt. Daher fliegen viele Vögel auch so tief, dass sie von Autos erfasst werden. 

Dazu kommt noch, dass die Tiere sich von Insekten und Regenwürmern ernähren und durch den gefrorenen Boden kaum Nahrung finden. 

Jeder Faktor für sich wäre bereits eine Herausforderung, alle drei zusammen sind ein außergewöhnlicher Extremfall, den es seit Jahrzehnten nicht gegeben hat.

Heinrich Wacker

Welche Vögel trifft es besonders hart?

Wacker: Tausende von Drosseln, sie brauchen Regenwürmer, und Insektenfresser mit dünnen Schnäbeln, etwa die Bachstelzen. Die haben gegen den gefrorenen Boden keine Chance – für den bräuchte es eher einen Presslufthammer. 

Auch über 1000 Kiebitze, von denen es in Hessen vielleicht noch 250 Brutpaare gibt, sind auf ihrem Weg nach Nord- und Osteuropa bei uns gestrandet. So viele dieser seltenen Vögel am Straßenrand zu sehen, ist wirklich ein ungewöhnlicher Anblick. Die Finken mit ihren dicken Schnäbeln ziehen einfach durch.

Bringt es etwas, die Futterstelle im Garten aufzufüllen?

Wacker: Einzelnen Vögeln ist damit sicher geholfen, die Futterstellen werden im Moment schnell geplündert. Aber Tausende gestrandete Vögel kann man so nicht durchfüttern.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Archivfoto: Dieter Bark

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