Marco Hohmann klärt auf

Tatort Internet: Cyber-Kriminelle beschäftigen Polizei in Osthessen

Hersfeld-Rotenburg. Mehr als ein Drittel der Erwachsenen, die regelmäßig online sind, wurden bereits Opfer von Internetkriminalität.

Rund 89 Prozent aller Bundesbürger nutzten laut einer Online-Studie von ARD und ZDF 2017 das Internet. 20 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Das ruft vermehrt Betrüger auf den Plan. Marco Hohmann vom Polizeipräsidium Osthessen ist Experte für Internetsicherheit. 40 Stunden die Woche leistet er Präventivarbeit in dem Bereich „Cyber-Crime“, klärt Vereine und Verbände, Kindergärten und Schulen über die Gefahren des Internets auf. „Pro Jahr zählen wir circa 1000 Fälle für die Landkreise Hersfeld-Rotenburg, Vogelsberg und Fulda“, berichtet der Kriminalhauptkommissar. Zu den Opfern gehören aber nicht nur Senioren oder unerfahrene Internet-Neulinge: „Alle Zielgruppen sind betroffen, von Schülern bis zu Senioren.“

Das liegt zum einen daran, dass immer mehr Menschen mobile Geräte wie das Smartphone oder Tablet benutzen und die Angriffsmöglichkeiten für Cyberkriminelle damit ständig wachsen. Auch werden die Betrugsmaschen immer ausgefeilter: „Die Täter passen sich dem Zeitgeist an. Für die Opfer wird es zunehmend schwierig, Internetkriminelle als solche zu identifizieren.“

Die aktuelle Masche

Marco Hohmann

Bei den meisten Straftaten handle es sich um Betrugsfälle, sagt Hohmann, den vermehrt Beschwerden wegen sogenannter „Microsoft-Anrufe“ erreichen. „Betrüger geben sich als Microsoft-Mitarbeiter aus und behaupten, Fehler oder Viren auf dem Computer des Angerufenen gefunden zu haben. Um die angeblichen Probleme zu lösen, fordern sie den Angerufenen auf, ihnen Zugriff auf den Computer zu verschaffen.“ Hierzu wird ein Programm auf dem Computer installiert, das den Fernzugriff auf alle auf dem PC hinterlegten Daten inklusive Online-Banking oder Kreditkarten ermöglicht.

Die größten Fehler

Neben einem veralteten Betriebssystem oder einer überholten Anti-Viren-Software sei vor allem Naivität ein großer Fehler vieler Internetbenutzer, so Hohmann. Vor Betrug im Internet schütze in erster Linie eines: gesundes Misstrauen. Das gelte zum Beispiel für Spam-Mails (zu deutsch: Müllpost), die mit hohen Gewinnversprechen locken. „Niemand hat etwas zu verschenken. Spam-Mails, geschweige denn angehängte Links, gar nicht erst öffnen“, rät der Cybercrime-Experte.

Der richtige Schutz

Längst haben Internetbetrüger auch das Feld des Online-Shoppings für sich entdeckt, um gutgläubige Schnäppchenfreunde um ihr Erspartes zu bringen. Betreiber von sogenannten Fake-Shops locken mit einer professionell aussehenden Website und günstigen Preisen, um nach Vorauszahlung minderwertige Ware oder mitunter gar nicht zu liefern. Die Verbraucherzentrale rät beispielsweise dazu, die Echtheit mit einem Mausklick auf das Siegel zu prüfen. Ist das Siegel nicht mit einem Zertifikat des Siegel-Betreibers verlinkt, dürfte es sich um eine Fälschung handeln.

Die Bandbreite an Betrugsmaschen im Internet ist riesig und reicht von betrügerischen Mails über unseriöse Wohnungsangebote bis hin zu Versprechungen vom Reichtum über Nacht. Die gute Nachricht: 77,7 Prozent aller Straftaten werden aufgeklärt. Und oftmals genügt bereits der gesunde Menschenverstand, um sich vor den Gefahren im Internet zu schützen. 

17 Millionen Euro Schaden in Hessen

Unter den Begriff „Cybercrime“ (zu deutsch: Internetkriminalität) fallen alle Straftaten, die mithilfe des Internets ausgeübt werden. Darunter zum Beispiel Identitätsdiebstahl, die Verbreitung von Schadsoftwares, Fake-News oder Spam-Mails, um nur einige Delikte zu nennen. Bei 74,5 Prozent aller Straftaten im Internet handelt es sich um Vermögens- und Fälschungsdelikte. 2017 waren vor allem Warenbetrügereien durch Fakeshops und betrügerischer Telefonsupport beliebte Methoden – so das Ergebnis der aktuellen Kriminalstatistik für Hessen. Der Vermögensschaden durch Internetkriminalität beläuft sich allein in Hessen auf über 17 Millionen Euro im vergangenen Jahr.

Auch interessant

Kommentare zu diesem Artikel