Ehrenamtliche reichen nicht mehr

Die Tafeln im Kreis Hersfeld-Rotenburg suchen Helfer

Hersfeld-Rotenburg. Die Tafeln in Bebra und Bad Hersfeld schlagen Alarm: Es fehlt nicht nur an Milchprodukten und haltbaren Lebensmitteln, sondern auch an ehrenamtlichen Helfern.

90 Frauen und Männer sind bei der Tafel in Bebra, 80 Ehrenamtliche in Bad Hersfeld aktiv. Das sind viele Helfer, aber nicht genug. Es werden dringend Ehrenamtliche für den Fahrdienst, fürs Sortieren und die Ausgabe an jeweils zwei Tagen pro Woche in Bebra und in Bad Hersfeld sowie alle zwei Wochen in Rotenburg gesucht.

In Dienstpläne können sich die Helfer eintragen, wenn sie Zeit haben – das kann auch ein- oder zweimal pro Monat sein, erklären Gundula Pohl vom Zweckverband für Diakonie, Inge Ulber (Diakonie) und Bozena Kujawa (Caritas), die in Bebra die Arbeit mit den Ehrenamtlichen organisieren – eine logistische Herausforderung.

Seit rund 14 Jahren unterstützt die Tafel in Bebra, seit zwölf Jahren die Bad Hersfelder Bedürftige mit Lebensmitteln. Von den Ehrenamtlichen der ersten Stunde sind einige schon 80 Jahre alt, die Älteste in Bad Hersfeld zählt 91 Jahre. Einige wollen nun langsam aufhören. „Wenn wir keine neuen Helfer finden, können wir das Angebot nicht halten“, sagt Gundula Pohl. Die Tafel lebe vom Ehrenamt. Die Hersfelder Tafel ist Anlaufstelle für 800 Menschen, so erklärt Leiterin Silvia Hemel, die Bebraer Tafel nehmen zurzeit über 500 Menschen in Anspruch, davon jeder dritte im Kindesalter. Damit hält sich die Zahl auf hohem Niveau, sagen Inge Ulber und Bozena Kujawa, wobei heute mehr Rentner und Alleinerziehende dabei sind.

Trotz „Jobwunders“ verzeichnet man keine sinkende Nachfrage. Viele Kunden arbeiteten im Niedriglohnsektor und das Geld reiche nicht. An ihre Grenzen waren die Tafeln Anfang 2016 gestoßen, als mit dem großen Zustrom von Flüchtlingen auch Öffnungszeiten ausgeweitet werden mussten.

Hintergrund

Jährlich werden laut WWF-Studie 18 Millionen Tonnen Lebensmittel in Deutschland vernichtet, das ist ein Drittel der Produktion. Auf der anderen Seite nimmt die Armut stetig zu. Vor diesem Hintergrund ist vor einigen Jahren der Verein „Deutsche Tafel e.V.“ gegründet worden. Unter dem Motto „Verteilen statt Vernichten“ werden qualitativ einwandfreie Nahrungsmittel, die im Wirtschaftprozess nicht mehr zu verwenden sind, an Menschen in Not weitergegeben. Statt wertvolle Lebensmittel zu entsorgen, wird für Bedürftige eine „Tafel angerichtet“. Einige der mehr als 940 gemeinnützigen Tafeln in Deutschland geben nicht nur Lebensmittel aus, sondern auch Kleidung, Haushaltswaren, Möbelab oder machen Angebote wie Bringdienst, warmen Mittagstisch oder Kinderbetreuung. (ank)

Ansprechpartner für Menschen, die sich ehrenamtlich bei den Tafeln engagieren wollen:

• In Bebra Inge Ulber, Im Bilder 28, Telefon 06622/3548, E-Mail: tafel.bebra@ekkw.de und 

• in Bad Hersfeld Silvia Hemel, Heinrich-Börner-Straße 10, Telefon 06621/795579, E-Mail: tafel.hersfeld@gmail.com.

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