Mit 82 steigt er noch auf den Kirchturm

Süßer Klang an Heiligabend: Küster Horst Barm läutete schon als Konfirmand die Glocke

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Küster Barm an der Glocke der Jakobikirche

Rotenburg. Schon lange vor Christi Geburt waren sie weit über den Globus verbreitet, galten in manchen Kulturen als Symbol für Harmonie und waren Teil spiritueller Riten. Sie wurden eingesetzt, um vor Katastrophen zu warnen oder Menschen herbeizurufen.

Seit Jahrhunderten läuten sie in christlichen Kirchen zum Gottesdienst, und sie gehören fest zum Weihnachtsfest wie Weihnachtsbäume oder Sternenschmuck: Glocken.

Einer, der sich mit dem Rotenburger Glockengeläut gut auskennt, ist Horst Barm. Mit einem Seil läutete der Rotenburger schon 1949 als Konfirmand eine Glocke im Braacher Kirchturm, immer um 7, 11 und 18 Uhr. Der Lehrer entließ ihn dafür aus dem Unterricht. Als im Jahr 1980 die Stelle des Küsters der Rotenburger Jakobikirche vakant war, war er der richtige Mann.

Seither ist Barm zuständig dafür, dass die richtigen Glocken zum richtigen Zeitpunkt läuten. Vor 1995, als die Technik noch nicht so weit war, spazierte er immer am Silvesterabend mit seiner Frau zur Kirche und betätigte die Schalter, so dass alle fünf Glocken um Mitternacht 15 Minuten lang läuteten. Keinen Jahreswechsel hat er verpasst. „Wenn man’s macht, macht man’s genau“, sagt Barm. Das gehört zur Berufsehre.

Heute lassen sich die Glocken programmieren, und die zuständige Technik wirkt recht übersichtlich und verbirgt sich in einem unscheinbaren Schränkchen unterhalb der Empore. Hinter einer Holztür sind zwei Kästen befestigt. Aus dem unteren ragen fünf Kippschalter zum manuellen Betätigen der Glocken. Der obere dient der Programmierung und hat viele Knöpfe und Anzeigen. Hier steht Barm immer sonntags während des Gottesdienstes und schaltet eine Glocke ein, wenn die Gemeinde beginnt, das Vater-Unser zu beten.

Küster Barm an der Glocke der Jakobikirche

Während hier das digitale Zeitalter längst angebrochen ist, scheint der Weg hoch ins steinerne und kalte Gemäuer des Glockenturms zurück in die Vergangenheit zu führen. Trotz seiner 82 Lebensjahre steigt Horst Barm flink die steilen Holztreppchen hinauf, die sich auf schmalem Raum zwischen Steinmauer und Glocken emporwinden.

Umgeben von einem stützenden Stahlgerüst, hängen die gewaltigen Bronzeglocken schwer und stumm im Turm, so angeordnet, dass erst drei Glocken übereinander hängen und ganz oben zwei Glocken nebeneinander. Elektromotoren liefern die Kraft, die Glocken zum Schwingen zu bringen, sodass der schwere Klöppel in ihrem Innern gegen sie schlagen und den Klang erzeugen kann. Rostige Metallhammer an den beiden oberen Glocken sind für den Uhrschlag da. Eisig zieht hier oben der Wind durch die hölzernen Schalläden, die den Glockenklang auch beim Geläut zum diesjährigen Heiligabend-Gottesdienst wieder über die ganze Stadt verbreiten werden.

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