Milliarden-Projekt

Suedlink: Genauer Verlauf der Stromtrasse steht erst 2022 fest

Hersfeld-Rotenburg. Es ist ein Zehn-Milliarden-Projekt und kann auch den Kreis Hersfeld-Rotenburg treffen: Netzbetreiber Tennet hat mögliche Routen der Trasse Suedlink vorgestellt.

Mitarbeiter von Tennet informierten am Mittwochabend in Bebra über die aktuellen Vorschlagskorridore der geplanten Erdkabel-Gleichstromtrasse Suedlink. Geprüft werden Varianten von Cornberg im Norden des Kreises bis zur südlichen Kreisgrenze bei Eiterfeld.

Schon bei Iba werden zwei alternative Routen untersucht: Die westliche führt weiter über den Bereich Weiterode, Meckbach, Kathus, Sorga, die östliche über die Gemarkung Ronshausen, Hönebach, nach Philippsthal. 

Von dort aus gibt es zwei weitere Varianten: weiter durch Thüringen nach Süden oder ein radikaler Schwenk nach Westen über Motzfeld zur Gemarkung Schenklengsfeld. Dorthin führt auch eine Variante von Kathus aus.

Der zweite mögliche Weg von Kathus würde über Wippershain nach Erdmannrode führen. Dort münden alle Korridorvarianten. Für den weiteren Verlauf in Richtung Süden gibt es noch zwei Vorschläge, eine östliche Route im Bereich Oberweisenborn und eine westliche über Mengers und Branders.

Drei weitere Korridormöglichkeiten westlich von Bad Hersfeld, darunter eine bei Neuenstein müssen noch geprüft werden. 

Insgesamt, sagte Tennet-Sprecher Thomas Wagner, werden für die 800 Kilometer lange Nord-Süd-Trasse 2000 Kilometer alternativer Trassenkorridore überprüft.

Die Gleichstromtrasse geht frühestens 2026 in Betrieb

Schon jetzt hinke Tennet dem Zeitplan hinterher. Erst 2022 wird der konkrete Verlauf der Suedlink-Trasse feststehen. Über den entscheidet letztlich die Bundesnetzagentur. Das Ziel ist, die Erdkabel-Gleichstromtrasse 2026 in Betrieb zu nehmen.

Während noch verschiedene Korridore überprüft werden, gibt es bei Tennet schon Überlegungen, die Spannungshöhe bei den zu verlegenden Kabeln zu erhöhen. 

Bei bereits verlegten Kabeln liegt die Spannung bei 320 kV, 500 kV werden getestet. Das hätte den Vorteil, dass weniger Kabelpaare verlegt werden müssten und somit weniger Fläche benötigt werde.

Bauern befürchten Nachteile für die Landwirtschaft 

Zur Infoveranstaltung von Tennet waren weit weniger Menschen in Bebras Hessischen Hof gekommen als noch vor zwei Jahren. Darunter Kreislandwirt Horst Taube und der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Friedhelm Diegel. 

Sie halten die Erdverkabelung für den falschen Weg und befürchten Ertragseinbußen für die Landwirtschaft. Diegel fordert eine wiederkehrende Entschädigung, weil auch die Erträge wiederkehrend geringer würden auf landwirtschaftlichen Flächen.

Kritik an den Kosten - Am Ende zahlt der Stromkunde

Gegen die Erdverkabelung sprach sich auch der CDU-Kreistagsfraktionsvorsitzende Herbert Höttl aus: Viel zu teuer sei sie gegenüber einer Überlandtrasse. Dadurch sei Deutschland international nicht wettbewerbsfähig. 

Die Kosten müsse am Ende der Stromkunde zahlen. Höttl wurde grundsätzlich: Die Trasse dürfe nicht durch den Landkreis führen, dieser sei bei großen Strukturprojekten ohnehin überlastet, meinte Höttl. „Irgendwann haben die Leute die Nase voll.“

Die starke Belastung der Bürger treibt Dr. Lars Niebel von der Bürgerinitiative Neuenstein um. Zwei große Stromtrassen im Landkreis und die geplante Neubaustrecke der Bahn – das sei einfach zuviel.

Hintergrund: Suedlink ist Bestandteil der Energiewende

Suedlink ist eine geplante Stromtrasse von Wilster in Schleswig-Holstein nach Grafenrheinfeld in Bayern und von Brunsbüttel nach Großgartach in Baden-Württemberg – beides Standorte von Atomkraftwerken, über deren Netze der Strom weiterverteilt werden soll.

In Wilster soll die Verknüpfung zu Nordlink entstehen, einer Stromtrasse nach Norwegen. Es geht um die Verteilung des aus regenerativen Quellen erzeugten Stroms. Deshalb gilt Suedlink als wesentlicher Bestandteil der Energiewende.

Die 800 Kilometer lange Trasse soll zehn Milliarden Euro kosten, finanziert über Netzentgelte, also den Stromkunden.

Die Stromkabel werden 1,40 Meter tief in der Erde verlegt. Man geht von vier Kabelpaaren aus, die jeweils in Gräben im Abstand von fünf bis acht Metern verlegt werden. Sie werden wieder mit Erdaushub bedeckt. Wenn der Strom fließt, entstehen etwa 40 Grad Wärme im Kabelbereich.

Quelle: HNA

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