Uwe Mäusgeier will Internationaler Meister werden

Studienreise: Rotenburger Dachdeckermeister lernt in Ruanda Neues kennen

Zu Besuch in der Rubengera Technical Secondary School: Neben der bereits bestehenden Unterstützung von einzelnen Kindern und Jugendlichen durch das Ausbildungs-Förderungs-Programm unterstützt die Förder-Stiftung den Aufbau und Betrieb einer Lehrwerkstatt. Die Nähe des Schulgeländes zu weiteren Bildungseinrichtungen bietet ideale infrastrukturelle Voraussetzungen. Seit 2011 wurde hier ein großes Werkstattgebäude mit Praxislehrraum und ein Studienzentrum mit Seminarräumen, Fachbibliothek und Verwaltungsräumen errichtet.

Rotenburg. Der Rotenburger Dachdeckermeister Uwe Mäusgeier absolviert gerade eine Fortbildung zum Internationalen Meister. Dazu gehörte auch eine Studienreise nach Ruanda.

Wer Uwe Mäusgeier in diesen Tagen auf den ostafrikanischen Staat Ruanda anspricht, der bekommt mehr als nur Wikipedia-Wissen geliefert: Seine Schilderungen sind lebensnah, aktuell und stimmungsvoll. Denn der 53-jährige Dachdeckermeister aus Rotenburg, bekannt auch durch seine langjährige Trainertätigkeit bei den Handballern der TG Rotenburg, bereiste Anfang Juni für eine Woche das „Land der tausend Hügel“. Dieser Aufenthalt war Bestandteil der Fortbildung zum Internationalen Meister, die der engagierte Handwerker seit März diesen Jahres absolviert.

Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Wilhelm Saal, machte Mäusgeier im vergangenen Jahr auf diese Qualifizierung aufmerksam, und da zögerte der Rotenburger nicht lang. Nach Absprache mit seiner Familie meldete er sich an und drückt momentan noch bis Oktober die Schulbank mit elf anderen Handwerksmeistern aus ganz Deutschland. Zweimal im Monat fährt er von Freitagmittag bis Samstagmittag nach Weiterstadt und wird unterrichtet in Fächern wie „Interkulturelle Kompetenz“, „Internationales Projektmanagement“, „Berufs- und Ausbildungssysteme“, „Unternehmensgründungswissen und Kenntnisse über Außenwirtschaft“, „Arbeiten und Leben in fragilen Staaten“, Englisch, „Prüfungsordnung und Korrespondenz“, „Administratives“ und die Projektarbeit über den Aufenthalt in Ruanda.

Da soll es bei Uwe Mäusgeier insbesondere um den Blitzschutz gehen. „Über 200 Menschen sterben hier jährlich an Blitzschlägen“, erzählt er. Durch die besondere topografische Lage komme es immer wieder zu „riesigen Schäden aufgrund von Überspannungen“.

Immer auf Augenhöhe

Gemeinsam mit Handwerksmeistern aus der Elektrobranche könne man diesem Problem auf den Grund gehen. In Ruanda selbst haben die Meister-Absolventen viele Ausbildungsstätten und Baustellen sowie unterschiedliche Industrien besucht. Immer auf Augenhöhe mit den Menschen und mit einem offenen Ohr für den Bedarf und die Nöte der Bevölkerung.

Landschaftliche Reize: Wunderschöne Ausblicke genießt man am Kiwusee im westlichen Teil Ruandas.

Handlungsbedarf sahen die Handwerker aus Deutschland besonders im Hinblick auf bessere Arbeitsbedingungen und einheitliche Standards. Wünschenswert seien außerdem Arbeitsverträge, die mit bislang fünf Prozent eher zur Ausnahme gehören. Begeistert waren Uwe Mäusgeier und seine Kollegen von der Offenheit und Freundlichkeit der Gesprächspartner aus Ruanda. Während der Projektreise wurde auch so manches Vorurteil widerlegt. Denn als Reiseland eigne sich der ostafrikanische Staat mit seinen landschaftlichen Reizen und einer besonders schönen Vegetation allemal, davon hat sich der Rotenburger überzeugt. In Sachen Sauberkeit zeige Ruanda, wo es langgeht: „Plastiktüten sind verboten. Kigali gilt als eine der saubersten Hauptstädte Afrikas. Und Mülltrennung ist per Gesetz vorgeschrieben.“ 

Hintergrund

Die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main ist bundesweit die erste, die eine Fortbildung zum „Internationalen Meister“ eingeführt hat. Damit reagiert sie auf die zunehmende Nachfrage nach Einsätzen von Fachleuten in der Entwicklungszusammenarbeit. Handwerker, die Kurz- oder Langzeitaufenthalte im Ausland planen, können sich so zum Internationalen Meister fortbilden. Die weltweiten Trainingseinsätze werden im Namen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BIZ) von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main je nach Qualifikation des Teilnehmers umgesetzt. „Es geht dabei besonders um das duale Ausbildungssystem, unseren deutschen Exportschlager“, erklärt Uwe Mäusgeier, der am zweiten Fortbildungskursus „Internationaler Meister“ teilnimmt. Das duale Ausbildungssystem werde weltweit anerkannt. Die Absolventen kommen anschließend in den Experten-Pool der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. Bei Bedarf kann dann ein Internationaler Meister für einen Einsatz im Ausland angefragt werden. Für die Vor- und Nachbereitung sowie den Aufenthalt an sich erhalten die Meister eine kleine Aufwandsentschädigung.

Zur Person

Uwe Mäusgeier absolvierte zunächst die Ausbildung zum Dachdeckergesellen in Niederaula. Anschließend ging der gebürtige Bad Hersfelder nach Mayen (Rheinland-Pfalz) und qualifizierte sich hier zum Dachdeckermeister. Der 53-Jährige ist außerdem öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger. Seit März nimmt er an der Fortbildung zum Internationalen Handwerksmeister in Weiterstadt teil, die im Oktober mit einer mündlichen und schriftlichen Prüfung beendet sein wird. Uwe Mäusgeier lebt mit seiner Familie in Rotenburg.

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