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Studie blickt auf Wirtschaft seit Corona: Hersfeld-Rotenburg punktet bei Lebensqualität

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Von: Sebastian Schaffner

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Postkartenmotiv vor der Haustür: Die zahlreichen Wald-, Wasser- und Erholungsflächen verschaffen dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg im IW-Ranking in der Kategorie Lebensqualität gute Werte. Der Beiname „Waldhessen“ kommt schließlich nicht von ungefähr, wie unser
Postkartenmotiv vor der Haustür: Die zahlreichen Wald-, Wasser- und Erholungsflächen verschaffen dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg im IW-Ranking in der Kategorie Lebensqualität gute Werte. Der Beiname „Waldhessen“ kommt schließlich nicht von ungefähr, wie unser Foto zeigt, das bei Rotenburg-Dankerode im Stölzinger Gebirge aufgenommen worden ist. © Carolin Eberth

Seit Beginn der Corona-Pandemie hat sich der Kreis Hersfeld-Rotenburg laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) vergleichsweise gut entwickelt – und gehört jetzt zu den dynamischsten Regionen Deutschlands.

Die Methode

Berücksichtigt für seine Rangliste hat das Institut 55 Themenfelder in 14 Kategorien. Aus diesen Daten – vor allem zur Wirtschaftsstruktur, zum Arbeitsmarkt und zur Lebensqualität – ergeben sich zwei Tabellen: das aktuelle Wirtschaftsniveau und die Dynamik im Vergleich zu den Vorjahren. Insgesamt zeige das Ranking, so das Institut, „die regionalen Auswirkungen der Corona-Pandemie hinsichtlich des Wohlstands, der wirtschaftlichen Entwicklung und der gesellschaftlichen Teilhabe“.

Das Niveau-Ranking

Beim Niveau-Ranking, das den aktuellen Status quo einer Wirtschaftsregion angibt, schneidet Hersfeld-Rotenburg durchschnittlich ab: Platz 227 von 400 insgesamt Landkreisen und kreisfreien Städten. „Die Lebensqualität wird am besten bewertet“, sagt Studienautor Johannes Ewald. Er muss es wissen: Schließlich kommt der 28-Jährige gebürtig aus Niederaula. Vor allem in der Einzelkategorie „naturnahe Fläche“, in der sich Wald-, Wasser- und Erholungsflächen positiv auswirken, trumpft Waldhessen auf: Platz 65 bundesweit. Schwächen sieht das Institut hingegen bei der Wirtschaftsstruktur und dem Arbeitsmarkt. Zwar hat der Landkreis regelmäßig niedrige Arbeitslosenquoten, aktuell liegt sie bei 3,3 Prozent. Darum geht es den Studienautoren aber nicht. Sie schauen vielmehr auf den Anteil der hochqualifizierten Beschäftigten, den Beschäftigungsgrad der Frauen sowie das Alter der Arbeitnehmer. Und da liegt der Landkreis laut IW derzeit auf Rang 319.

Das Dynamik-Ranking

Besser kommt der Landkreis im Dynamik-Ranking weg, das sich aus dem Vergleich zu den Referenzjahren 2018 und 2019 ergibt: Platz 104. „In den Bereichen Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Lebensqualität erreicht Hersfeld-Rotenburg jeweils eine überdurchschnittliche Entwicklung“, sagt Johannes Ewald. „Positiv hervorzuheben ist die Senkung der Gewerbesteuerhebesätze, die dazu beitragen, ein wirtschaftsfreundliches Umfeld zu schaffen und die Attraktivität als Wirtschaftsstandort zu heben.“ Die Studie zeigt zudem, dass mehr junge Menschen in den Landkreis ziehen, als ihm den Rücken zu kehren. „Die Region verzeichnet eine Steigerung der Nettozuwanderung der 25- bis 30-Jährigen. Das ist beachtlich für eine ländliche Region, die üblicherweise in dieser Altersgruppe Bevölkerung verliert.“

Die Konsequenz

Mittelmäßiges Niveau, dafür starke Dynamik – was heißt das jetzt? Alles in allem zähle der Landkreis zur Gruppe der Aufsteiger, sagt Johannes Ewald. Seine Empfehlung: „Das Momentum, das die Dynamik generiert, sollte dazu genutzt werden, die Attraktivität der Region als Wohn- und Wirtschaftsstandort zu stärken“. Die Zunahme der gemeindlichen Steuerkraft könne als Hinweis darauf gewertet werden, sagt er, dass die heimische Wirtschaft vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen sei. Ein Grund könne die im Vergleich zum Bundesdurchschnitt geringe Industriequote sein (13 Prozent zu 21 Prozent). Zwar seien auch die Gewerbesteuereinnahmen im Kreis zurückgegangen. Dieser Rückgang (minus 8 Prozent) sei allerdings deutlich niedriger ausgefallen als bundesweit (minus 18 Prozent) und sei durch andere Steuereinnahmen „überkompensiert“ worden, wie es Ewald ausdrückt.

Das Institut

Seit 2014 veröffentlicht das IW ein Regionalranking. Das 1951 gegründete private Wirtschaftsforschungsinstitut mit Sitz in Köln gilt als arbeitgebernah. Es sieht sich als „Anwalt der Sozialen Marktwirtschaft“. Das Institut, das ein eingetragener Verein ist, finanziert sich nach eigenen Angaben vor allem aus Mitgliedsbeiträgen. Pro Jahr seien das allein zwölf Millionen Euro, so das IW. Mitglieder sind 100 Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände sowie Einzelunternehmen. (Sebastian Schaffner)

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