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Stolpersteine nun auch für Bebra

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Von: Clemens Herwig

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Stolpersteine, die in Rotenburg verlegt wurden. © Franziska Kiele

Bebra. In Bebra sollen Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus verlegt werden. Die Mehrheit der Stadtverordneten stimmte dem SPD-Antrag zu.

Die Sozialdemokraten hatten in der jüngsten Sitzung auf eine namentliche Abstimmung der Parlamentarier bestanden. Es hatte bereits mehrfach Versuche gegeben, die Erinnerungssteine an die Opfer der NS-Zeit in Bebra einzuführen.

„Wir haben noch nie so viele unterstützende E-Mails zu einem Antrag erhalten wie in diesem Fall“, sagte SPD-Fraktionsvize Christina Kindler. Ziel sei es, die Verlegung von Stolpersteinen auf eine breite bürgerliche Basis zu stellen. Dafür sollen nun alle Akteure an einen Tisch gebracht werden. Der ökumenische Arbeitskreis, die Bürgerinitiative der Stadt Bebra und die Kirchengemeinden hätten bereits Interesse signalisiert. Wichtig sei, dass eine Organisation die Koordination übernimmt. Jeder Bürger kann für 120 Euro eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung eines Stolpersteins übernehmen. Kosten für die Stadt entstünden daher nicht, so Kindler.

Gegen Stolpersteine hatte sich vor allem die CDU ausgesprochen: Die Stadt Bebra habe mit der 2013 auf dem Rathausplatz angebrachten Gedenktafel bereits einen würdigen Ort des Erinnerns, der für jedermann zugänglich sei, so Martin Windolf (CDU). Das habe sich gerade bei der Gedenkveranstaltung zu den Novemberpogromen gezeigt. „Über Pflastersteine sind wohl schon genug Stiefel marschiert“, schloss Windolf.

Es sei wichtig, neben der Gedenktafel weitere, dezentrale Denkmäler zu haben, sagte Kindler: „Sie tragen die Erinnerung in den Alltag der Menschen.“ In Nachbarstädten wie Rotenburg gebe es schon lange Stolpersteine. Wichtig sei auch, die lebenden Nachfahren der Opfer zu kontaktieren, Einverständnis einzuholen und zur Verlegung einzuladen. Eine Anfrage der Nachfahren einer jüdischen Familie liege bereits vor.

Geschlossen mit Ja (17) stimmten die Fraktionen von SPD und Gemeinsam. Gegenstimmen (12) kamen von CDU und FDP, Enthaltungen (3) von CDU, FWG und BFB.

Hintergrund

Mit mehr als 70 000 Stolpersteinen in über 23 Ländern in Europa erinnert Künstler Gunter Demnig an die Opfer der NS-Zeit. Die Tafeln aus Messing werden am letzten Wohnsitz in den Gehweg eingelassen und nennen Namen und Schicksal der Opfer. Sie sollen auffallen, zum „Stolpern“ – also zum Anhalten und Erinnern – anregen. Kritik äußerte etwa Charlotte Knobloch, langjährige Präsidentin der jüdischen Gemeinde in München: Auf den Namen ermordeter Juden werde mit Füßen herumgetreten.

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