Wieder im DGB-Vorstand

Stefan Körzell ist noch immer mit Eifer für Gerechtigkeit im Einsatz

In Berlin macht Zwei-Meter-Mann Stefan Körzell dem Fernsehturm Konkurrenz. Auch beim DGB ist der Hersfelder ganz oben angekommen. 

Berlin. Das Auseinanderdriften der Gesellschaft beschäftigt DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell nach wie vor. Er will auch in der neuen Amtsperiode dagegen ankämpfen.

„Früher bin ich durch die DDR nach Berlin gefahren, zu Punk-Konzerten und um zu demonstrieren“, erinnert sich Stefan Körzell. Heute ist er Wochenend-Pendler zwischen seinem Arbeitsplatz im Vorstandsgebäude des Deutschen Gewerkschaftsbundes am Hackeschen Markt und seiner Heimatstadt Bad Hersfeld. Die Romantik von damals ist im Fahrplan der Deutschen Bahn längst verloren gegangen, immerhin gibt es beim Umsteigen in Leipzig/Erfurt ein schmackhaftes Gehacktesbrötchen mit Zwiebeln.

Vor vier Jahren war Körzell erstmals in den DGB-Vorstand gewählt worden, im Mai wurde er mit einem prima Ergebnis bestätigt. Vorgezeichnet war sein Weg in die Hauptstadt jedoch nicht. „Ich habe mich nie beworben, ich wurde immer gefragt“, versichert er. Das war schon Anfang der achtziger Jahre so, als er sich zunächst ehrenamtlich bei der Gewerkschaft engagiert hatte. 1990 pflaumte ihn der damalige Kreisvorsitzende Julius Klausmann an, ob er in seinem erlernten Beruf als Maschinenschlosser „ewig Schrauben drehen oder endlich richtig politisch arbeiten“ wolle.

Ein „Vereinigungsgewinner“

Körzell wollte Letzteres. Über die Stationen der DGB-Kreise Hersfeld-Rotenburg, Fulda und Eschwege ging es 2002 nach Frankfurt, wo er bis 2014 Vorsitzender des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen war. Nach der Wiedervereinigung gingen viele hessische Gewerkschafter nach Thüringen. In Hessen wurde Personal gebraucht. „Ich bin ein Vereinigungsgewinner“, schmunzelt Körzell.

Die Frage nach dem Daheim bringt ihn kurzzeitig ins Grübeln. „Das frage ich mich auch“, sinniert er, denn die meiste Zeit ist Körzell unterwegs. „Du kannst nicht bei Kundgebungen vom lebenslangen Lernen reden und dich selbst verweigern“, sagt Körzell und verweist auf zahlreiche Weiterbildungen, Betriebspraktika, Unternehmensbesuche und Sommertouren. So entflieht er der „Glasglocke Berlin“ und bemüht sich nach Kräften, mit den schaffenden Menschen in Kontakt zu bleiben und ein realistisches Bild von der Arbeitswelt zu erhalten. Seine Antriebsfeder ist dabei die „Gerechtigkeitsfrage“. Körzell registriert ein Auseinanderdriften der Gesellschaft, Arm und Reich würden sich immer weiter voneinander entfernen. Wenn er in der Hauptstadt einen Mann im Anzug sieht, der in der Mülltonne nach Pfandflaschen kramt, und wenn er gleichzeitig die Forderung nach breiteren Parkplätzen für SUV-Autos vernimmt, dann weiß er, was schief läuft und wofür er arbeitet.

Arbeit, die ihm nach wie vor Freude bereitet. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, stellt er vergnügt fest, Und weiter: „Es macht Spaß, wenn man etwas erreicht.“

Missionarischer Eifer

Diesen bisweilen missionarischen Eifer bekommen auch seine Mitarbeiter immer wieder mal zu spüren: Die Ahle Worscht vom Metzger Otto hat er des öfteren im Gepäck, auch war das Team schon bei ihm in Bad Hersfeld zu Gast –Festspielbesuch inklusive. Nächster Punkt im nordhessischen Bildungsprogramm: Das älteste Volksfest Deutschlands, das Lullusfest. Lebenslanges Lernen, das gilt bei Stefan Körzell nicht nur für ihn selbst, sondern gerechterweise für alle.

Zur Person

Stefan Körzell, Jahrgang 1963, stammt aus Bosserode, wo seine Mutter auch heute noch lebt. Er erlernte den Beruf des Maschinenschlossers bei den Rotenburger Metallwerken (RMW) und trat mit 17 Jahren in die IG Metall ein. Körzell hat bis 1990, zuletzt als Schichtführer, bei den Metallwerken gearbeitet. 1990 wurde er DGB-Organisationssekretär in Fulda und 1991 im Kreis Hersfeld-Rotenburg. 1997 wurde er zum Vorsitzenden des DGB-Kreises Bad Hersfeld-Eschwege gewählt. 2002 wurde Körzell zum DGB-Landesvorsitzenden Hessen und zum Vorsitzenden des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen gewählt. Seit 2002 war er als Bezirksvorsitzender auch Mitglied des DGB-Bundesvorstandes. Am 12. Mai 2014 wählten die Delegierten des DGB-Bundeskongresses Stefan Körzell in den geschäftsführenden Bundesvorstand. 2018 wurde er in diesem Amt bestätigt. Körzell ist verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn.

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