Regelmäßige Touren 

Christa Proske führt als Hexe Walburga durch Rotenburg

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Bepackt mit Besen und Korb: Christa Proske als Hexe Walburga auf dem Rotenburger Marktplatz.

Rotenburg. Seit einigen Jahren leitet Stadtführerin Christa Proske als Hexe verkleidet Touristen und Einheimische durch die Rotenburger Innenstadt. 

Die lernen dabei vieles über die Geschichte der Stadt - und die Zeit, in der Frauen als Hexen verurteilt wurden. Wenn Christa Proske aus Rotenburg in ihr Hexengewand schlüpft, ist sie sofort in ihrer Rolle. Mit großem Hut, langem Gewand, Rock und Besen in der Hand begrüßt sie die Gäste, auf die dann eine Führung ganz im Sinne der Hexerei wartet. “Wie wir Hexen so schön sagen: Hallo die Damen, Hallo die Herren“, sagt sie. Schon seit fünf Jahren führt Christa Proske als Walburga durch Rotenburg. „Führungen mit der Hexe sind immer besonders beliebt“, weiß sie.

Die Geschichte der vermeintlichen Hexen in Rotenburg ist lang: Bereits im 15. Jahrhundert wurden Frauen in der Stadt an der Fulda beschuldigt, Hexen zu sein. Im Hexenturm, wenige Meter vom Rathaus entfernt, waren die Frauen eingesperrt – auf engstem Raum. Nicht einmal acht Quadratmeter groß war der Platz für die Verurteilten der verbotenen Zauberei, erzählt die 62-jährige Stadtführerin. Wie wenig Platz im Rotenburger Hexenturm wirklich ist, davon konnten sich die Gäste der ersten offiziellen Hexenführung dieses Jahres jetzt ein eigenes Bild machen.

Startpunkt Rathaus

Geführt von Proske alias Hexe Walburga geht die Premierenführung des Jahres vom Rathaus aus los, quer durch die Innenstadt samt der vielen historischen Orte. Touristen aus Baden-Baden und Oldenburg, aber auch eingefleischte Rotenburger hatten sich angeschlossen, um mehr über die Geschichte Rotenburgs und der Hexen in der Stadt zu erfahren.

„Wie konnte man es dort ein ganzes Jahr aushalten?“, fragt Franz-Josef Ferneding aus Oldenburg, nachdem er aus dem kleinen Loch am Fuß des Hexenturms gekrabbelt kommt. Ein Jahr, so lange habe eine in der Stadt als Elschen bekannte Frau 1669 in der Kammer ausgeharrt. „Weil sie sich mit Kräutern auskannte“, so Proske. Zwar seien unzählige Hexen im Kerker des Hexenturms eingesperrt gewesen, „Hexenverbrennungen gab es hier aber nicht“, erklärt Hexe Walburga den Rundgang-Teilnehmern.

Zu Verbrennungen wurden die als Hexen verurteilten Frauen nach Fulda gebracht. Über 300 Hexenverbrennungen habe es dort gegeben. Während sie erzählt, verteilt Walburga einen Hexentrunk – mit Walfischaugen und Schlangenblut, den die Gäste neugierig kosten. Kräuterschnaps, stellt sich heraus.

Nächster Halt ist das Landgrafenschloss mit dem Schlosspark. Was der Ort mit Hexen zu tun habe? „Der Landgraf soll im Schlosspark eine Grube mit Löwen darin besessenhaben“, sagt Proske. Möglicherweise landeten hier auch Hexen. Von dort aus geht es weiter in die Stiftskirche – ein weiterer Höhepunkt der Führung.

In der 1601 erbauten Gruft in der Kirche liegen Landgraf Hermann und seine Frau in ihre Särgen, berichtet Hexe Walburga den Gästen in der dunklen Kirche. Auf dem Rückweg zum Rathaus begegnen die Teilnehmer der bronzenen Figur des Schleichwächters. „Die brachten abends die Leute nach Hause“, sagt Proske.

Angekommen am Ausgangspunkt – unweit des Hexenturms – verabschiedet Proske ihre Gäste und verschwindet mit ihrem Besen in die Nacht.

Quelle: HNA

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