Kirchenparlament vertagt Entscheidung über Neuordnung

Evangelische Kirche: Sprengel Hersfeld soll aufgelöst werden

Hersfeld-Rotenburg. Der Sprengel Hersfeld der evangelischen Kirche soll aufgelöst und die einzelnen Kirchenkreise neu verteilt werden.

Darüber diskutierte jetzt die Landessynode bei ihrer Herbsttagung in Hofgeismar. Da dabei einige offene Fragen auftauchten und der Eindruck entstand, dass die Argumente noch einmal abgewogen werden sollten, wurde die Entscheidung jedoch auf die Frühjahrssynode vertagt.

Die Vorgabe an die Kirchenleitung, notwendige Einsparungen nicht nur in den Gemeinden vorzunehmen, sondern auch auf Leitungsebene zu sparen und die Zahl der Sprengel von vier auf drei zu reduzieren, wurde von der Landessynode 2015 gemacht, erläutert Bischof Dr. Martin Hein im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Aufgabe sei es dann gewesen, drei etwa gleichgroße Sprengel zu bilden, was die Zahl der Gemeindeglieder und der Kirchengemeinden angeht.

Diese Aufgabe erwies sich als Herausforderung, den das Gebiet der Landeskirche umfasst nicht nur Nord- und Osthessen, sondern reicht bis kurz vor Frankfurt. Nach Überprüfung mehrerer Varianten entschied sich die Kirchenleitung, der Synode folgende Neuaufteilung vorzuschlagen: Die Kirchenkreise Hersfeld und Rotenburg sollen gemeinsam mit Fulda, Schlüchtern, Gelnhausen, Hanau und der thüringischen Exklave Schmalkalden den neuen Südsprengel bilden. Sitz des Propstes wäre dann Hanau. Die Kirchenkreise Fritzlar-Homberg, Melsungen und Ziegenhain würden mit Eder, Kirchhain, Marburg und Twiste-Eisenberg zum neuen Westsprengel zusammengefasst. Die Entscheidung sollte ab 2026 greifen.

Gegen diese Pläne machten sich vor allem die Synodalen Michael Roth, Thomas Funk und Markus Pfromm stark, die unter anderem auf die weiten Entfernungen von Rotenburg bis Hanau (etwa 160 Kilometer) hinwiesen und darum baten, die Pläne zu überdenken.

Hintergrund: Die Aufgaben der Pröpste

Die Pröpstinnen und Pröpste nehmen geistliche Leitungsaufgaben in ihrem Sprengel war. Sie bilden neben der Landessynode, dem Bischof, dem Rat der Landeskirche und dem Landeskirchenamt ein eigenständiges kirchenleitendes Organ. Als Vertretungen des Bischofs stärken sie das geistliche Element in der jeweiligen Region. Zu den Aufgaben der Pröpste gehören unter anderem die Begleitung der Ausbildung der Vikare, übergemeindliche Aufgaben in Zusammenarbeit mit den Dekanaten und kirchlichen Werken, die Vertretung der Landeskirche bei vielen Veranstaltungen und Anlässen, die Mitarbeit in diakonischen Einrichtungen und die Beratung des Bischofs.

Kirche muss überall sparen

Als völlig offen sieht Bischof Dr. Martin Hein die Entscheidung über die zukünftige Organisation der Sprengel in der Kirche von Kurhessen-Waldeck. Die Landessynode habe 2015 zwar beschlossen, dass deren Zahl von vier auf drei reduziert werden solle, doch wenn sich diese Vorgabe nicht zufriedenstellend umsetzen lasse, müsse man neu überlegen. Durch den Wegfall eines Sprengels sollen ab 2026 Einsparungen in Höhe von 165 000 Euro erzielt werden: So viel ist für Besoldungs- und Versorgungsaufwendungen für die Propststelle sowie für eine von vier Sprengelkassen einzuplanen. Da die Zahl der Gemeindeglieder stetig zurückgeht, muss die Kirche auch an anderer Stelle sparen. So werden auch Pfarrstellen gestrichen oder reduziert und Gebäude aufgegeben, erläuterte der Bischof. 

Nun haben die Synodalen noch ein halbes Jahr Zeit, die Frage der Neuorganisation der Sprengel zu überdenken und können schriftliche Anträge zur Änderung einreichen. Kritisiert hatten die Synodalen zum Beispiel, dass eine andere mögliche Variante der Neuorganisation von der Kirchenleitung abgelehnt und den Synodalen gar nicht nur Diskussion gestellt worden war. Demnach sollte ein Nordwestsprengel (Kassel, Hofgeismar, Kaufungen, Wolfhagen, Uslar, Twiste-Eisenberg gebildet werden, ein Ostsprengel (Hersfeld, Rotenburg, Ziegenhain, Fritzlar-Homberg, Melsungen, Witzenhausen, Eschwege und Schmalkalden) und ein Südsprengel (Kirchhain, Marburg, Fulda, Schlüchtern, Gelnhausen und Hanau). 

Pfarrer Thomas Funk (Haunetal-Neukirchen) arbeitete vor allem die Vorteile dieser Variante heraus, die von der Kirchenleitung verworfen worden war, weil es keine direkte Verbindung zwischen den Kirchenkreisen gibt. Der Bundestagsabgeordnete Michael Roth machte darauf aufmerksam, dass zu einem Kompromiss gehört, dass jeder etwas gebe und bekomme. Bei der geplanten Variante müsse aber nur eine Region geben, nämlich der Sprengel Hersfeld, alle anderen könnten ihren Status quo erhalten. Und Markus Pfromm gab zu bedenken, dass ja Kassel als Sitz des Bischofs und der Kirchenleitung eigentlich nicht auch noch einen Stellvertreter vor Ort bräuchte. Es sei unlogisch, wenn sich die Kirche aus einem zentral gelegenen Gebiet zurückziehe, sagte Pfromm.

Quelle: HNA

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