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Kriminalfall in Nordhessen: Einem Cocktail folgt der tödliche Schuss

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Von: Peter Klebe

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ILLUSTRATION - Eine Warntafel mit Totenkopf, die vor Gift warnt, liegt am 09.06.2011 in München (Oberbayern). - Das EU-Gericht in Luxemburg entscheidet am Mittwoch (14.05.2014), ob Deutschland seine Grenzwerte für Schwermetalle in Spielzeug beibehalten darf. Umstritten sind Obergrenzen für den Gehalt von Arsen, Blei, Quecksilber, Barium und Antimon. Die Stoffe können zum Teil das Krebsrisiko erhöhen. Foto: Marc Müller dpa/lby +++(c) dpa - Bildfunk+++
Warntafel mit Totenkopf © dpa

Als beim Schreiner Wilhelm Jakob aus Sieglos und den Tagelöhnern Johannes und Christine Däche das Geld knapp wurde, fassten sie einen bösen Plan.

Wenn sie Wilhelms Vater Heinrich töten würden, könnte der Sohn in dessen Haus ziehen und die Tagelöhner dort wohnen bleiben. Das geschah im Jahr 1881. Eine seltsame Rolle spielt Wilhelms Mutter Elisabeth. Sie soll ihren Sohn ebenfalls zu der Tat angestiftet haben, war aber bei der späteren Gerichtsverhandlung aus psychischen Gründen nicht vernehmungsfähig. Das wurde nach einem Gutachten eines Arztes aus der „Landes-Irrenheilanstalt“ in Marburg festgelegt.

Mutter, Sohn und die beiden Tagelöhner berieten am Nachmittag des 29. Oktober 1881, „wie der Alte umgebracht werden sollte“. Däche riet dazu, Spiritus und Salpeter zu besorgen und in Heinrich Jakobs Getränk zu mischen. Das sollte ihn kampfunfähig und betrunken machen.

HNA-Serie „Spektakuläre Kriminalfälle in Hessen“ – Die Tagelöhner halfen beim Spuren verwischen

Gesagt, getan. Die später Angeklagten überredeten Heinrich Jakob, gemeinsam zu einem Umtrunk ins Rotenburger Gasthaus „Zum grünen Baum“ zu gehen. Sie verabreichten ihm dabei auch den Cocktail. Der machte ihn jedoch weniger müde als gedacht. Später, wieder zu Hause, beschimpfte er seinen Sohn und bedrohte ihn mit einem Messer. Daraufhin warf der Sohn ihn auf ein Bett und erschoss ihn mit einer mitgeführten Pistole. Die Tagelöhner Däche halfen anschließend beim Verwischen der Spuren. Das gestanden alle Beteiligten später vor Gericht.

Das Schwurgericht verwies auf die „niedere Habgier“ der Täter. Wilhelm Jakob wurde zum Tode verurteilt, Johannes und Christine Däche zu je zehn Jahren Zuchthaus wegen Beihilfe. Gegen Wilhelms Mutter Elisabeth wurde das Verfahren wieder aufgenommen, nachdem sie in der „Landes-Irrenheilanstalt“ behandelt worden war. Sie bekam eine sechsjährige Zuchthausstrafe wegen Beihilfe.
Wilhelm Jakob wurde am Morgen des 6. Juli 1882 auf dem Hof des Landgerichtsgefängnisses am Leipziger Tor in Kassel mit einem Beil hingerichtet. Zuvor wurde an der Unterneustädter Kirche die Armesünderglocke geläutet. Sie verkündete, dass „ein Mitmensch seine Verirrungen mit dem Tode durch das Richtbeil zu büßen hat“.

HNA-Serie „Spektakuläre Kriminalfälle in Hessen“

Hessen ist Schauplatz vieler Aufsehen erregender Kriminal- und Justizfälle. Auch in früheren Zeiten gab es spektakuläre Verbrechen. In unserer Serie schildern wir in loser Folge ausgewählte Fälle aus unserer Region und dem ganzen Bundesland. Dies ist die fünfte Folge. (Peter Klebe)

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