Deutsche Bahn schneidet in Bebra Bäume und Büsche

Spektakuläre Gartenarbeit mit Hubschrauber entlang der Gleise

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Kommunikationsintensiver Kahlschlag: Bei den Baumarbeiten in Bebra kommt auch ein Hubschrauber zum Einsatz. Pilot und Bodenteam, auf unserem Foto Projektleiter Rainer Gleim, stehen dabei über Funk in ständigem Austausch miteinander.

Bebra. Die Deutsche Bahn macht zurzeit ihre Böschungen rechts und links von den Bahngleisen wintertauglich. Alles was auf Gleise oder Oberleitungen stürzen kann, muss weg.

„Ich muss extrem präzise fliegen“, sagt Wolfgang Jäger. Das heißt schon etwas von einem Hubschrauberpiloten aus Österreich mit 26 Jahren Erfahrung, der sonst schwere Lastentransporte über Berg und Tal in bis zu 3500 Metern Höhe erledigt. Die Deutsche Bahn (DB) macht in Bebra ihren „Vorgarten“ wintertauglich und schneidet derzeit in einem spektakulären Einsatz die Bäume rechts und links von den Gleisen zurück.

Die Hänge entlang der Strecke Bebra-Eschwege-Göttingen waren bis vor Kurzem noch dicht bewachsen. „Alles, was auf die Gleise oder die Oberleitungen stürzen könnte, kommt raus“, sagt Rainer Gleim, Projektleiter der Bahn in Bebra. Sämtliche Vegetation, die nun auf den Sicherheitsabstand von mindestens drei Metern zurückgeschnitten wird, kann so später nicht für Zugausfälle und Verzögerungen sorgen, so die Kalkulation der Bahn. Zwischen Grimmelsbergstraße und Danzigstraße in Bebra bedeutet das: Etwa 1500 Festmeter Holz müssen bewegt werden.

Zwischenlager: Das Holz wird oberhalb des Bebraer Friedhofs gesammelt. Für den Abtransport und die Weiterverarbeitung sorgt der Forstbetrieb Frank Holstein aus Weiterode.

Drei Wochen lang sind dafür täglich zehn Arbeiter im Einsatz. Im Minutentakt fliegt ein Hubschrauber der Spezialfirma Wucher aus Österreich zwischen den verschiedenen Arbeitsstellen hin und her. Die Maschine hat gleich mehrere Aufgaben: Sie transportiert Bäume aus den Hängen zur Weiterverarbeitung an einen Sammelpunkt oberhalb des Bebraer Friedhofs. Und soll, so war es zumindest lange geplant, auch Äste und Bäume mit einer rund 600 Kilogramm schweren Säge schneiden, die wie ein Pendel an einem 42 Meter langen Spezialseil an der Unterseite des Helikopters baumelt.

Der entscheidende Vorteil: Mit Luftunterstützung geht alles schneller. „Was wir hier in drei Tagen schaffen, sind sonst drei Wochen“, sagt Projektleiter Gleim. Das Problem: Bei einem vergleichbaren Einsatz in Kassel vor drei Wochen ist diese Spezialsäge kaputt gegangen. „Ob sie in Bebra noch zum Einsatz kommt, wissen wir nicht“, sagt Gleim.

So oder so: Pilot Jäger muss bei seiner Arbeit extrem konzentriert vorgehen. Er ist über Funk im ständigen Austausch mit dem Bodenteam und seinem Flughelfer. Jäger und sein Helikopter, der jeden Morgen vom Johannesberg in Bad Hersfeld startet, mögen zwar die Stars der Arbeiten entlang der Bebraer Bahngleise sein. Doch ohne die Bodencrew, die Bäume und Äste vorbereitet, wäre Jäger aufgeschmissen. Was der Helikopter nicht erledigt, übernehmen die Holzfäller mit ihren Kettensägen.

Fertig zum Abtransport: Vorarbeiter Florian Türschner beim „stehenden Abtragen“ (unteres Foto). Dabei werden sogenannte Schlupfen, Schlingen aus Stahlseil, um den Baum gelegt und an einem Spezialseil aus Kunststoff befestigt, das am Hubschrauber hängt. Steigt der auf, ziehen sich die Schlingen zu. Der Holzfäller sägt dann den Stamm durch und der nun schwebende Baumstamm wird abtransportiert.

Besonders spektakulär ist das sogenannte stehende Abtragen: In luftiger Höhe „stehen“ die Holzfäller dabei im Baum und befestigen dort ein 50 Meter langes Kunststoffseil, das vom Hubschrauber herabbaumelt.

Der Pilot steigt auf, zieht das Seil straff – und die Arbeiter im Baum setzen die Säge an. Etwa eine Stunde ist der Hubschrauber am Stück im Einsatz. Dann wird nachgetankt. In einer halben Stunde werden 280 Liter Kerosin in den Tank gepumpt. „Es kommt so viel Sprit rein, dass wir das Maximum heben können“, sagt der Pilot.

Vollgetankt könnte der Heli, ein wendiger und leistungsstarker Eurocopter Lama, bis zu zweieinhalb Stunden in der Luft bleiben.

Von Clemens Herwig

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