Keine Fans von Grenzen

Spanier aus Rotenburg und Bad Hersfeld berichten, wie sie zum Katalonien-Konflikt stehen

Rotenburg / Bad Hersfeld. Seit Wochen brodelt es in Spanien: Verkündet Katalonien seine Unabhängigkeit? Oder rudert die Regierung zurück? Fragen, die auch Spanier im Kreis Hersfeld-Rotenburg beschäftigen. Wir haben sie gefragt, wie sie die jüngste Eskalation eines uralten Konflikts beurteilen.

„Die müssten ja eigentlich aus dem Drama mit dem Baskenland gelernt haben“, sagt José Maireles Fuentes (48), und mit „die“ meint er die katalanische Regierung. Er erinnert an die Eskalation des Konflikts zwischen Spanien und dem Baskenland – auch damals ging es zunächst um Unabhängigkeit.

Fuentes, der in Barcelona geboren ist und heute mit seiner Familie in Rotenburg lebt, ist dagegen, dass sich eine Region gänzlich von einem Land abkapselt, so wie das in Ansätzen bereits in Katalonien erkennbar sei. Schon als Kind störte es ihn, dass am Flughafen Barcelonas Katalanisch und nicht Spanisch die dominierende Sprache war. Auch dass Katalanisch in der Schule gelehrt wird, sei ein Zeichen dafür, dass sich die autonome Gemeinschaft gegenüber Spanien verschließe – „es gibt ja auch kein Bayrisch in deutschen Schulen“, sagt er.

In Spanien geboren, in Hessen zu Hause: Anisa Tiza Mimun.

Gegen eine Abspaltung Kataloniens ist auch Anisa Tiza Mimun (24). Sie stammt aus der an der nordafrikanischen Küste gelegenen spanischen Exklave Melilla, wohnt in Bad Hersfeld und sitzt dort im Stadtparlament. „Ich bin ohnehin kein Fan von Grenzen“, sagt sie. Davon abgesehen, dass das Votum der Katalanen nicht rechtens sei, sei es in erster Linie eines: „egoistisch“. Verständlicher wäre es dann, wenn Katalanen grundsätzlich ausgegrenzt würden. Das sei jedoch keinesfalls so, meint die VWL-Studentin. Auch sie betont, dass den Katalanen sogar eine eigene Sprache zugestanden wird. Nachvollziehen kann sie die Sehnsucht vieler Katalanen nach Unabhängigkeit aber schon. Das wirtschaftliche Wachstum Spaniens käme schließlich nicht bei jedem an. Einfache Antworten, wie die Loslösung von Spanien, seien dann für manche naheliegend. „Und schon ist das Haus der Separatisten gebaut“, sagt José Maireles Fuentes und meint eine katalanische Regierung, die den Zukunftsängsten vieler Katalanen als Hilfe nur eines präsentiere: die Abspaltung. Über die Folgen eines solchen Schrittes werde jedoch zu wenig aufgeklärt. „Weder ein Unternehmer noch ein Investor wird sich dort niederlassen oder investieren, wenn die sich unabhängig gemacht haben“, sagt auch Anisa Tiza Mimun.

Sieht sich als Europäer: José Maireles Fuentes. 

Die Gewalt, mit der die spanische Regierung in Form der Polizei gegen die Wahl in Katalonien vorging, verurteilen jedoch beide. „Dass man die nicht einfach wählen hat lassen“, sagt Fuentes. Und auch Mimun meint, man hätte das Votum als Meinungsäußerung begreifen können. Für die nächsten Wochen wünschen sich beide einen Dialog zwischen Barcelona und Madrid. „Das wäre die richtige Antwort“, sagt Mimun. Ein größeres Mitspracherecht Katalonies, etwa in Finanzfragen, könnte laut beiden eine Lösung des Konflikts sein.

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