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Sorge vor dem Preisschock: Energieversorger rufen zum Sparen auf

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Von: Sebastian Schaffner

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Person hält eine Ein-Euro-Münze in die Kamera (Symbolbild)
Geld (Symbolbild) © Daniel Karmann/dpa

Die steigenden Energiepreise setzen Versorger und Verbraucherschützer in Alarmbereitschaft. Die Verbraucherzentrale Hessen hat Einspar-Tipps zusammengestellt.

Hersfeld-Rotenburg –Während Stadtwerke und EAM, die ja vom Verkauf von Gas und Strom leben, ihre Kunden jetzt paradoxerweise zum Energiesparen aufrufen, fordert die Verbraucherzentrale Hessen „ein Verbot von Energiesperren, solange die Alarmstufe des Notfallplans Gas in Kraft ist“.

Die Gefahr, dass Menschen im Herbst Strom und Gas abgestellt werde, sei groß. „Viele können die hohen Preise schlicht nicht mehr bezahlen“, sagt Philipp Wendt, Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen.

Eine Sperre könne schon bei einem Rückstand von zwei Abschlagszahlungen und Schulden von 100 Euro verhängt werden. Grundsätzlich sei die Beratungsnachfrage rund ums Thema Energie in diesem Jahr förmlich explodiert: „Im Vergleich zum ersten Halbjahr der Vorjahre hat sich die Zahl der Beratungen mehr als verzehnfacht“, so Wendt.

Anschlusssperren seien das letzte Mittel.

„Viele Kunden sind verunsichert“, sagt auch Heike Diebel, Geschäftsführerin der Stadtwerke Bebra. Die ersten Kunden würden freiwillig schon ihre Abschlagzahlungen erhöhen, damit später keine böse Überraschung droht.

„Auch wir werden unsere Preise vermutlich noch in diesem Jahr erhöhen müssen“, sagt sie. Anschlusssperren seien aber das letzte Mittel. „Wir versuchen alles, dass genau das nicht passiert.“

Das sei auch die Prämisse bei den Stadtwerken in Bad Hersfeld, sagt Geschäftsführer Markus Gilbert. „Das ist ein sehr kniffliges Thema, gerade bei drohenden Preissteigerungen“.

Bislang bewege sich die Zahl der gesperrten Gas- und Stromanschlüsse in der Kreisstadt im zweistelligen Bereich pro Jahr. Auch Gilbert hält „empfindliche Mehrkosten“ für Verbraucher für sehr wahrscheinlich. Industrie und Gewerbe prognostiziert er wegen der Energiepreiskrise „schwere Zeiten“.

Auf welches Niveau die Preise steigen, sei jetzt noch nicht absehbar. „Ich empfehle aber allen, schon jetzt Energie zu sparen.“ In den Räumlichkeiten der Stadtwerke werde etwa nur noch kaltes Wasser fürs Händewaschen zur Verfügung gestellt.

Die EAM als Netzbetreiber habe in der Region im vergangenen Jahr rund 1000 Stromanschlüsse und 100 Gasanschlüsse im Auftrag anderer Anbieter gesperrt.

Der EAM Energievertrieb selbst habe noch keine Sperrungen veranlasst, so Sprecherin Sandra Hübner. Wie sich die Gas-Alarmstufe und die Gaspreise weiter entwickeln, sei noch nicht abschätzbar.

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Was lässt sich sonst noch tun gegen die explodierenden Energiepreise? Die Verbraucherzentrale Hessen hat Einspar-Tipps zusammengestellt.

Auch wenn es jetzt, im Hochsommer, noch weit weg scheint: Die Verbraucherschützer legen wenig überraschend einen Schwerpunkt aufs Thema Heizen.

Heizung freihalten und säubern: „Verdecken Sie die Heizkörper nicht mit Vorhängen und stellen Sie keine Möbel davor“, so die Verbraucherzentrale. Eine einfache Regel laute, dass jeder Heizkörper gut zu sehen sein sollte, damit die Raumluft ihn ungehindert umströmen könne. Ebenso wichtig sei es, die Heizkörper sauber zu halten, da Staubablagerungen die Heizleistung minderten.

Heizkörper entlüften: Werden die Heizkörper nicht im vollen Umfang warm oder sind gluckernde Geräusche zu hören, sei meist Luft im System. Dann brauche die Heizanlage mehr Energie, um die Räume zu erwärmen. „Abhilfe bringt die Entlüftung mit einem Entlüfterschlüssel.

Damit lässt sich einfach und unkompliziert die Luft aus den warmen Heizkörpern ablassen.“ Sowohl vor als auch nach der Entlüftung sei der Druck im Heizungssystem zu prüfen. Unter Umständen müsse auch Wasser nachgefüllt werden. In einem Mehrfamilienhaus mit Zentralheizung sei das Sache des Vermieters, so die Verbraucherzentrale.

Thermostat an der Heizung richtig nutzen: Vielen Menschen würden Temperaturen zwischen 18 Grad Celsius im Schlafzimmer und 21 Grad im Wohnzimmer reichen. „In ungeheizten Räumen sollte die Temperatur nicht unter 16° Celsius fallen – sonst steigt die Gefahr der Schimmelbildung.“ Darauf weist die Verbraucherzentrale hin. Mit einem Thermometer lasse sich die Raumtemperatur kontrollieren.

Bei einem Standard-Thermostat entspreche Stufe 2 etwa 16 Grad Celsius, Stufe 3 etwa 20 Grad und Stufe 4 etwa 24 Grad. „Pro Grad weniger sparen Sie rund sechs Prozent Heizkosten“, so die Vebraucherschützer. Viele Personen würden ihr Thermostat auf Stufe 5 drehen – damit die Räume schneller warm werden. Das sei aber gar nicht notwendig: Es verschwende vielmehr viel Energie und der Raum fühle sich mit molligen 28 Grad schnell zu heiß an.

Geld zurücklegen: Neben dem Einsparen von Energie raten die Verbraucherschützer dazu, „wenn möglich, Geld für wahrscheinliche Nachzahlungen beiseitezulegen.“

Von freiwillig höheren Abschlägen an den Energieversorger oder den Vermieter rät die Verbraucherzentrale ab. Warum? „Denkbar ist, dass manche Energieversorger in der aktuellen Situation selbst in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Wird der Anbieter insolvent, sind die Vorauszahlungen verloren“, so die Verbraucherzentrale. Besser sei es, Geld für Nachzahlungen auf dem eigenen Konto anzusparen.

Zählerstände prüfen: Wichtig sei, die Zählerstände regelmäßig zu checken und zu dokumentieren. Im Fall einer Preiserhöhung sollte der aktuelle Zählerstand dem Energieversorger mitgeteilt werden, damit eine ordnungsgemäße Abrechnung mit den jeweils geltenden Preisen erstellt werden kann.

Falls Verbraucher bei einer Abschlagserhöhung oder einer Nachzahlung nicht in der Lage sein sollten, die Forderungen zu bezahlen, sei es wichtig, umgehend den Energieversorger zu kontaktieren und nach einer individuellen Lösung zu fragen. „Nach unserer Erfahrung sind die Energieversorger bereit, gemeinsam mit den Verbrauchern Lösungen finden, um Sperren zu vermeiden“, teilt Philipp Wendt, Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen, mit. Wichtig sei, die Briefe der Energieversorger aufmerksam zu lesen, Mahnungen nicht zu ignorieren und bei Zahlungsproblemen frühzeitig den Energieversorger zu kontaktieren.

Mehr Infos und Hilfe bei Problemen mit Energieversorgern gibt es bei der Verbraucherzentrale telefonisch zum Thema steigende Energiepreise unter Tel. 069/ 97 19 40 247, Montag und Mittwoch von 10 bis 14 Uhr. Beratung bei Energieschulden gibt es unter Tel. 06142/94 190 10, Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag: 9 Uhr bis 13 Uhr, Mittwoch: 9 Uhr bis 17 Uhr.

(Sebastian Schaffner)

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