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Seit Januar ist das Kükentöten verboten: Ist damit das Problem gelöst?

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Von: Carolin Eberth

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Fabian Häde, Juniorchef des Mustergeflügelhofs in Heinebach, hält zwei Packungen mit Eiern in die Kamera. Im Hintergrund sind freilaufende Hühner zu sehen.
Der Mustergeflügelhof Leonhard Häde setzt schon mehrere Jahre auf Zweinutzungshühner, um das massenhafte Töten von Küken zu beenden. Auf unserem Foto ist Juniorchef Fabian Häde zu sehen. © Jan-Christoph Eisenberg

Seit Jahresbeginn ist Geflügelhaltern das Töten von männlichen Küken verboten. Was sind die Alternativen und die Folgen? Wir haben mit einem Fachmann gesprochen.

Hersfeld-Rotenburg  – Fabian Häde ist Juniorchef des Bio-Mustergeflügelhofs Leonhard Häde in Heinebach. Im Gespräch mit dem Geflügelhalter wird schnell klar, dass mit dem neuen Verbot nicht alle Probleme gelöst sind. Für die Produktion von Eiern werden speziell für diesen Zweck gezüchtete Legehennen gehalten, die möglichst viele Eier legen. Allerdings setzen sie und ihre männlichen Geschwister, die Bruderhähne, langsam und nur wenig Fleisch an. Aus wirtschaftlichen Gründen wurden daher bisher oft die männlichen Küken nach dem Schlüpfen aussortiert, meist mit Gas getötet und zu Tierfutter verarbeitet, weil sie später keine Eier legen und zudem keine guten Fleischlieferanten sind, erklärt Fabian Häde. Doch mit dem Töten der Bruderhähne ist jetzt Schluss. Geflügelhaltern bleiben nun noch zwei Möglichkeiten, wie sie mit männlichen Küken umgehen können.

Die erste ist die technische Bestimmung des Geschlechts der Tiere im Ei. Mittlerweile gibt es dafür eine Vielzahl an verschiedenen Methoden. Bei einer Variante wird dem befruchteten Ei ein winziger Tropfen entnommen, aus dem das Geschlecht ausgelesen werden kann. Bei den männlichen Embryos kann danach das Schlüpfen verhindert werden. „Dieses Verfahren ist jedoch erst zu einem Zeitpunkt möglich, zu dem der Embryo bereits ein Schmerzempfinden entwickelt hat“, bemängelt Fabian Häde. Das Tierleid nehme also durch diese Methode nicht ab. Dazu sei das Verfahren noch sehr aufwendig, für große Mengen an Eiern damit kaum umsetzbar und teuer. Deshalb würden nur wenige konventionelle Betriebe diese Technologie nutzen.

Die aus tierethischer Sicht bessere Alternative sei die zweite Möglichkeit, die Aufzucht der Bruderhähne. „Sie bedeutet für Landwirte allerdings einen größeren Aufwand und erhöhten Futterbedarf. In der Folge entstehen Mehrkosten bei der Aufzucht, während der Ertrag geringer ausfällt“, sagt Häde. Die Aufzucht der Bruderhähne sei außerdem unwirtschaftlich, weil das Fleisch der Hähne in Deutschland bisher kaum gefragt ist. Entwicklungshilfeorganisationen befürchten daher einen Export nach Afrika.

Geflügelhalter Häde: Es liegt nun am Verbraucher

Bedenken gibt es auch dahingehend, dass Legehennenküken nun aus dem Ausland importiert werden, heimische Brütereien dadurch schließen müssen und Zoos, die tote Küken zum Füttern der Tiere benötigen, die männlichen Eintagsküken ebenfalls im Ausland kaufen. „Das Leid der Tiere nimmt also erstmal nicht ab, dafür wurden jedoch mehr Probleme geschaffen. So oder so sind bereits die Preise für Eier gestiegen durch das Verbot des Kükentötens“, sagt Häde.

Es liege nun am Verbraucher: „Er hat die Chance, Eier von Höfen zu kaufen, auf denen der Bruderhahn mit aufgezogen wird. Diese werden allerdings noch teurer sein als die Eier, bei denen die Früherkennungsmethode eingesetzt wird“, sagt Juniorchef Häde und appelliert an alle Kunden, die Eier mit Bruderhahnaufzucht zu kaufen.

„Wahnsinn der Hochleistungszucht“ bleibt weiterhin das Grundproblem

Ab 2024 soll es nur noch spätestens am sechsten Bruttag erlaubt sein, das Schlüpfen von männlichen Küken-Embryos zu verhindern. Nur: „Keines der derzeitigen Verfahren ist bisher dazu in der Lage“, sagt Häde. Wenn die Methode irgendwann so ausgereift sei, dass das Geschlecht bestimmt werden kann, bevor der Embryo Schmerzen empfindet, biete sich damit eine optimale Lösung der Problematik rund um das Töten von männlichen Küken, sagt der Geflügelhalter. Das Grundproblem – „der Wahnsinn der Hochleistungszucht, der Effizienzdruck auf Kosten der Tiere“ – sei allerdings auch dann nicht vom Tisch.

Und wie handhabt es der Mustergeflügelhof Häde mit seinen rund 36 000 Biohühnern? Fabian Häde setzt in einem Pionierprojekt auf sogenannte Zweinutzungshühner, die sowohl Eier als auch Fleisch liefern und somit nicht auf Hochleistung gezüchtet worden sind.

Die frisch geschlüpften Küken erhält der Hof von einer Bio-Brüterei. „Wir kaufen frisch geschlüpfte weibliche Küken und ziehen diese selbst auf oder zahlen einen Obolus dafür, dass die Hähne auf Partnerbetrieben großgezogen werden“, sagt Häde. Dies mache er nicht erst seit Beginn des Jahres, sondern bereits seit mehreren Jahren.

Gerne würde man in Heinebach selbst alle Bruderhähne großziehen, in alten Ställen, die Fabian Häde umbauen möchte. Jedoch gab es bisher kein grünes Licht von den entsprechenden Behörden, sagt der Geflügelhalter und hofft darauf, dass das Projekt bald ins Rollen kommen wird. (Carolin Eberth)

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