Alte Schätzchen

Schrauber-Serie: Sein VW Käfer Cabriolet von 1979 begleitet Helmut Licht noch heute

Helmut Licht mit seinem VW Käfer Cabriolet in seiner Einfahrt in Bad Hersfeld
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Sie sind gemeinsam alt geworden: Helmut Licht (69) aus Bad Hersfeld liebt seinen brasilbraunen VW Käfer Cabriolet 1303 LS seit Tag 1. Mittlerweile verbringen sie schon 40 Jahre miteinander und haben einiges zusammen erlebt.

In unserer Serie stellen wir talentierte Schrauber aus dem Landkreis und ihre Oldtimer vor. Heute: Helmut Licht aus Bad Hersfeld mit seinem VW Käfer Cabriolet 1303 LS.

Bad Hersfeld – Schon immer hatte er von dem Auto geträumt, zehn Jahre nach Bestehen seiner Führerscheinprüfung war es dann soweit: Der brasilbraune Käfer Cabriolet stand auf dem Hof von Helmut Licht. Mit 28 Jahren war er im Besitz seines Traumautos. Jetzt ist er 69 und der Käfer begleitet ihn noch immer. „Der Käfer und ich sind gemeinsam alt geworden“, sagt Licht stolz.

15 652 D-Mark hatte er 1979 bezahlt und damit einen der letzten Käfer, die vom Band gingen, ergattert. 20 Jahre später wäre das Auto nicht mehr durch den TÜV gekommen, hätte Licht es nicht restauriert. Seine Frau Anne und er seien bei Wind und Wetter in den Balkan und nach Dänemark gefahren. Das habe man dem Käfer zwar äußerlich kaum angesehen, seine Substanz sei jedoch deutlich angefressen gewesen. Hilfe bei der Restauration bekam Licht vor allem von seinem guten Freund Herbert Maisch. Dieser hatte bei VW gelernt und schon einmal einen Käfer restauriert. Demnach hatte er das entsprechende Know-how. Auch Licht war als gelernter Maschinenschlosser kein kompletter Laie in dem Gebiet.

„Operation Käfer“: Krankenbetten müssen als Hebebühne herhalten

Die „Operation Käfer“ konnte beginnen. „Operation“ passte deshalb sehr gut, weil die Restauration tatsächlich auf einem Krankenbett stattgefunden hatte. In der Halle, in der Helmut Licht zum Schrauben unterkam, wurden ausgesonderte Krankenbetten zwischengelagert. Diese hatten Licht und Maisch dann kurzerhand als eine Art Hebebühne zweckentfremdet.

Schrauber-Serie: Die „Operation: Flotter Käfer“ in Bildern

Helmut Lichts VW Käfer Cabriolet 1303 LS erstrahlt nach der Restaurierung wieder in neuem Glanz.
Helmut Lichts VW Käfer Cabriolet 1303 LS erstrahlt nach der Restaurierung wieder in neuem Glanz.
Helmut Lichts VW Käfer Cabriolet 1303 LS erstrahlt nach der Restaurierung wieder in neuem Glanz.
Helmut Lichts VW Käfer Cabriolet 1303 LS erstrahlt nach der Restaurierung wieder in neuem Glanz.
Schrauber-Serie: Die „Operation: Flotter Käfer“ in Bildern

Sie zerlegten den Wagen komplett in seine Einzelteile. Was noch zu retten war, wurde gespachtelt und geschweißt, wie zum Beispiel die alten Kotflügel. Die Sitze ließen sie neu aufpolstern, mit Alcantara beziehen und bauten sie dann wieder ein. Alles andere wurde ersetzt, teilweise mit Originalteilen von VW. In der Farbgestaltung blieb Licht der brasilbraunen Lackierung treu. Bei den Felgen setzte er auf ein Perlmuttweiß. Zwei Jahre und unzählige Arbeitsstunden später „ist ein neues Auto geboren“, so Licht.

Im Stich gelassen hat der Käfer Helmut Licht noch nie

Es war eine sehr intensive Zeit, in der er nahezu jedes Wochenende in seiner Schrauberhalle verbrachte. Leidtragende war meist seine Frau Anne, die ihm trotz der vier kleinen Kinder den Rücken frei hielt. „Meine Frau war neben Herbert die wichtigste Person bei der Restauration“, sagt Licht. Auch darüber hinaus teilt Anne Licht die Autoliebe ihres Mannes. „Wenn wir uns heute in den Käfer setzen und die alte Musik hören, fühlen wir uns wie früher“, sagt sie.

Heute ist der Käfer aber nur noch ein Schönwetterauto und kein Gebrauchsgegenstand mehr. Im Stich gelassen habe sie der Käfer aber noch nie. Wie viele Kilometer genau er schon auf dem Buckel hat, kann Licht nicht genau sagen, da die Tachowelle des Öfteren defekt war. „So um die 400 000 Kilometer werden es wohl sein“.

Ein treuer Begleiter: Heute ist Helmut Lichts Käfer Cabrio nur noch ein Schönwetterauto und kein Gebrauchsgegenstand mehr.

Helmut Licht hatte sich das Geld für sein Traumauto damals mit mehreren Minijobs hart erarbeitet, unter anderem als Postzusteller und Lagerarbeiter. Das erkläre die besonders enge Bindung zwischen ihm und dem Käfer. „Von den Kosten für die Restauration hätte ich mir ein neues Auto kaufen können“, sagt der 69-Jährige. 21 851 D-Mark gingen innerhalb der zwei Jahre dabei drauf.

Restauration hat sich gelohnt: Heute hat der Käfer einen Wert von 28.000 Euro

Scheinbar hat es sich gelohnt: Heute wird der Käfer auf einen Wert von 28 000 Euro geschätzt. Ohne die Inflation miteinzurechnen, sind das umgerechnet also etwa 56 000 DM. So viel würde er bei einem Verkauf zwar wohl nicht bekommen, Interessierte seien aber durchaus bereit, 25 000 Euro für das Schmuckstück auf den Tisch zu legen. Ein Verkauf komme aber sowieso nicht in Frage, egal wie viel ihm geboten werde. „Der gehört einfach zu mir dazu“, sagt er. Das bestätigt auch seine Frau: „Es ist eine Symbiose zwischen meinem Mann und dem Käfer.“ Im vergangenen Jahr feierten sie sogar den 40. Geburtstag des Wagens, bei dem alle, die bei der Restauration geholfen haben, sowie zahlreiche Käfer-Interessierte dabei waren.

Helmut Lichts VW Käfer Cabriolet 1303 LS. Der Boxermotor sitzt klassisch im Kofferraum.

Auch heute erfreut sich die ganze Familie noch an dem „Bellen“ des Boxermotors. „Unsere Kinder haben immer schon von Weitem erkannt, wenn der Papa nach Hause kam“, erzählt Anne Licht. Die Nachbarn wüssten auch alle Bescheid. Die Einfahrt wird noch immer zu einem Treffpunkt für die ganze Nachbarschaft, wenn der 69-Jährige an seinem Auto zu sehen ist. Unterwegs sei der Käfer sowieso immer ein Blickfang, egal wo er hinkomme. „Ein „Daumen hoch“ ist Standard bei jeder Rundfahrt. (Von Lea-Sophie Mollus)

Autogramm

Geschwindigkeit (km/h): 130

Hubraum (ccm): 1570

KW/PS: 37/50

Leergewicht (kg): 730-930

Baujahr: 1979

Originalpreis: 15 652 DM

Wertgutachten: 28 000 Euro

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