Derzeit etwa 40 Teilnehmer

"Seelenanker": Gruppe in Bebra hilft bei seelischer Erkrankung

Eine Stütze für die Seele: Christian Lübeck aus Cornberg leitet die Selbsthilfegruppe Seelenanker.

Bebra. Vor zwei Jahren hat Christian Lübeck eine Gruppe für seelische Gesundheit in Bebra gegründet. Das Hilfsangebot wird gut angenommen - und steht weiteren Interessierten offen. 

Der 36-Jährige aus Cornberg glaubt, dass seelische Erkrankungen auch deshalb immer mehr Menschen betreffen, weil die Arbeitswelt sich verändert. „Immer weiter, immer schneller, immer besser“ – der wachsende Druck wirke sich auf die Seele aus. 

Inzwischen nutzen insgesamt rund 40 Erwachsene in kleinen Gruppen an verschiedenen Wochentagen das Hilfsangebot, und es ist noch Platz für weitere Interessenten.

Der Gründer ist selbst ein Betroffener

Lübeck ist selbst betroffen: Seit über 20 Jahren leidet der gelernte Einzelhandelskaufmann an Depressionen, seit einigen Jahren auch an Panikattacken. 

Lübeck war zunächst Teilnehmer einer Selbsthilfegruppe in Bad Hersfeld, wurde dort zum Gruppensprecher und beschloss dann in Bebra eine Gruppe zu gründen für Menschen, die von Depression oder Panik und Ängsten betroffen sind. Meistens, erklärt Lübeck, gehe beides Hand in Hand.

Für eine Atmosphäre, in der Menschen sich öffnen können, sorgt Christian Lübeck als ehrenamtlicher Gruppenleiter. Eine Tasse Tee gehört dazu, eventuell Kerzenlicht. Die Treffen laufen dann so ab: In der Befindlichkeitsrunde schildert jeder kurz seine Situation. Hinterher werden Themen intensiv besprochen.

Es geht um Erfahrungen mit Ärzten und Medikamenten und um alles, was die Teilnehmer bewegt und worüber sie sprechen wollen, zum Beispiel Konflikte in der Familie. Aber: „Niemand wird zu etwas gezwungen“, betont Lübeck.

Jeder Teilnehmer verpflichtet sich dazu, nichts nach außen dringen zu lassen

Der Cornberger ist selbst fasziniert von der vertrauensvollen Atmosphäre, die in den Gruppen entstanden ist. Der Schlüssel zum Vertrauen sei der respektvolle Umgang miteinander. Und selbstverständlich verpflichtet sich jeder Teilnehmer dazu, nichts nach außen dringen zu lassen. Da ist Lübeck streng: Wenn er mitbekommt, dass jemand etwas aus der Gruppe nach außen trägt, „dann ist derjenige sofort draußen“.

Auch wenn manches von dem, was in den Gruppen besprochen wird, belastend ist und nachwirkt: „Man geht eigentlich immer gestärkt da heraus“, ist Christian Lübecks Erfahrung. 

Aus den vertrauten Gesprächen hätten sich darüber hinaus gemeinsame Aktivitäten entwickelt. Dazu gehören etwa Spieleabende, gemeinsames Backen oder die jährliche Grillfeier, die inzwischen zur Tradition geworden ist.

Neue Gruppe trifft sich seit Januar in Breitenbach

Sechs Teilnehmer kamen zum ersten Treffen im Jahr 2016. Inzwischen bestehen drei Gruppen, an denen jeweils sechs bis zehn Personen im Alter von 18 bis 75 Jahren teilnehmen. In 14-tägigem Abstand treffen sich die Teilnehmer mittwochs beziehungsweise donnerstags im Gemeindehaus in Bebra sowie im alten Dorfgemeinschaftshaus in Breitenbach.

Seit Januar bietet Lübeck zudem eine Gruppe an, die sich ebenfalls 14-tägig immer dienstags in den ungeraden Kalenderwochen von 18.45 Uhr bis 20.45 Uhr im alten Dorfgemeinschaftshaus in Breitenbach trifft. In dieser Gruppe seien noch Plätze frei für neue Teilnehmer, so Lübeck. 

Allerdings bittet der 36-Jährige Interessierte vor der ersten Teilnahme um ein Vorgespräch mit ihm. Für die Gruppe, erklärt Lübeck, müssten Betroffene einigermaßen gefestigt sein. Wer noch nicht so weit ist, dem empfiehlt Lübeck Psychiater oder helfende Einrichtungen. 

Finanzielle Unterstützung, etwa für die Kosten der Räumlichkeiten, erhält die Selbsthilfegruppe vom Verband der gesetzlichen Krankenkassen. 

Kontakt: Christian Lübeck, Selbsthilfegruppe Seelenanker, Telefon 01 60 / 93 88 34 54, E-Mail bebra.shg@gmail.com

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